Verkauf von Airbus-Werken gescheitert

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Toulouse/Augsburg/Bremen (dpa) - Der Verkauf der Airbus- und EADS-Werke in Varel, Nordenham und Augsburg mit rund 6800 Beschäftigten ist nach monatelangen Verhandlungen gescheitert. Ein neuer Interessent ist laut Industriekreisen nicht in Sicht.

Die Werke dürften damit länger unter dem Dach der Airbus-Mutter EADS bleiben. Airbus bekräftigte, grundsätzlich an den Verkaufsplänen festzuhalten. Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology habe sich aber als der falsche Partner herausgestellt, hieß es in einer Mitteilung am Donnerstag. Die Bundesregierung bedauerte das Scheitern des Verkaufs. Die IG Metall sprach sich gegen weitere Verhandlungen aus.

Die zum Verkauf stehenden deutschen Airbus-Werke sollen für die Partnersuche nun in eine eigenständige Einheit ausgegliedert werden, wie Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath in Paris sagte. EADS arbeite intensiv an Alternativlösungen: "Wir sprechen über andere Partnerschaftsmodelle".

Für das Werk Laupheim, das nicht an OHB verkauft werden sollte, liefen die Verkaufsverhandlungen weiter. Hoffnungen macht sich hier weiterhin der Nürnberger Rüstungs- und Technikkonzern Diehl. Die Gespräche mit EADS kämen gut voran, sagte ein Diehl-Sprecher den "Nürnberger Nachrichten" (Freitag). Diehl liefert Airbus bereits Beleuchtungssysteme und Cockpit-Elektronik.

Der Verkauf der Werke war im Februar vergangenen Jahres als Teil des Sanierungsprogramms "Power8" angekündigt worden. Der Rückschlag beim Verkauf an OHB bedeutet, dass EADS nun viel investieren und Entwicklungsrisiken beim neuartigen A350, die man durch den Werksverkauf loswerden wollte, vorerst selber tragen muss. Zudem müsse EADS nun selbst die im Sanierungsprogramm "Power8" geplante Kostensenkung von acht Prozent in den Werken durchsetzen, hieß es in Industriekreisen. Ein Stellenabbau sei aber nicht zu erwarten. Durch die komplexe Zulieferung für die A350 könnten auch neue Arbeitsplätze entstehen.

"Airbus-Chef Tom Enders engagiert sich persönlich für eine Lösung", sagte Schaffrath. EADS strebe weiter für den Verkauf der Werke in Frankreich und Großbritannien sowie in Laupheim eine Lösung bis zum Sommer an. Am wenigsten schwierig liefen die Gespräche über das englische Airbus-Werk Filton. Der britische Bewerber GKN sei umsatz- und kapitalstark genug. In Frankreich sollen Gespräche mit dem französischen Airbus-Zulieferer Latécoère über die Werke Méaulte und Saint-Nazaire Ville in den kommenden Wochen abgeschlossen werden.

Der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS hatte sich im Dezember für eine deutsche Lösung für drei seiner Werke in Deutschland entschieden. OHB war zum bevorzugten Bieter für die Airbus-Werke in Nordenham und Varel sowie für das EADS-Werk in Augsburg bestimmt worden. Mit im Boot war auch der US-Finanzinvestor Cerberus. Ein Abschluss sollte bis Sommer erzielt werden.

Airbus wolle in die Zukunft mit starken Partnern gehen, die mit dem Konzern die Kosten für Technology und Entwicklung teilen und große Arbeitspakete zu annehmbaren Preisen liefern können, sagte Enders. "Das konnten wir einfach nicht von OHB bekommen." Trotz intensiver Verhandlungen sei keine "akzeptable industrielle und finanzielle Lösung gefunden worden", sagte ein EADS-Sprecher.

Der steigende Dollar-Kurs habe die Verhandlungen belastet. So hätten die Gespräche bei einem Kurs von 1,35 Dollar pro Euro begonnen und der Kurs liege nun bei 1,60. "Es wird keinen Weg zurück geben", betonte Enders. Die Suche nach Partnern basiere auf einer langfristigen Geschäftsstrategie. Die Pläne würden durch die Zeitschiene für den Airbus A350 bestimmt. EADS starte die nötigen Investitionen, um sicherzustellen, das Flugzeug rechtzeitig den Kunden anbieten zu können. Es soll 2013 ausgeliefert werden.

OHB bedauerte das Scheitern der Verhandlungen und betonte, die Finanzierung des Geschäfts sei gesichert gewesen. Zuletzt war spekuliert worden, dass in der aktuellen Finanzmarktkrise auch Cerberus Probleme habe, die nötigen Beträge zu heben.

"Es ist schade, dass die angedachte Lösung mit OHB/MT Aerospace nicht zum Erfolg geführt hat", sagte der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze, am Donnerstag in Berlin. Für die Regierung bleibe es "allererste Priorität, dass auch in Zukunft Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion der Strukturteile in Deutschland verbleiben". MT Aerospace ist eine OHB-Tochter.

"Das Management muss jetzt eine klare Aussage treffen, welche Teile für den Airbus A350 an welchen Standorten gefertigt werden", sagte ein Sprecher der IG Metall in Augsburg. Weitere Verhandlungen seien "nicht akzeptabel" und den betroffenen Mitarbeitern nicht zumutbar.

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