Verkauf der Lebensversicherung meist günstiger als Kündigung

- Verkaufen statt kündigen - so lautet die Alternative für diejenigen, die sich von ihrer Kapital-Lebensversicherung trennen wollen. Immer mehr Gesellschaften bieten den Kauf gebrauchter Policen an und werben damit, deutlich mehr zu zahlen als die Versicherungen.

Verlust vermindern

Um drei bis sieben Prozent würden die Angebote über dem Rückkaufswert der Versicherer liegen, in Einzelfällen seien bis zu 15 Prozent drin, heißt es beim Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL). Da bei Kapital-Lebensversicherungen ein Teil des Überschusses erst am Ende gutgeschrieben wird, geht der Versicherte bei Kündigung leer aus. Außerdem werden Stornogebühren fällig, was den Verlust erhöht. Die Aufkäufer wollen dieses Geld - und mit den Verkäufern teilen. Derzeit gibt es keine bessere Möglichkeit als den Verkauf der Police am Zweitmarkt, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV).

Todesfallleistung erhalten

Allerdings werde diese Möglichkeit bislang nur selten genutzt. Nur wenige wissen, dass es einen Zweitmarkt gibt, und die Versicherungen weisen auch nicht darauf hin, immerhin verdienen sie gut an den Kündigungen, sagt Rudnik. Neben dem höheren Erlös bietet der Verkauf den Vorteil, dass die Leistung für den Todesfall beitragsfrei erhalten bleibt und abzüglich gezahlter Prämien und Verwaltungskosten an Hinterbliebene ausgezahlt wird.

Wählerische Käufer

Doch wird nicht jede Police genommen. Die Aufkäufer orientieren sich in der Regel an einer Positivliste, die rund 40 Gesellschaften umfasst. Damit kommt das Angebot für zahlreiche Versicherte nicht in Frage, immerhin sind rund 120 Gesellschaften am Markt, so Rudnik.

Drei Prozent mehr

Die beworbenen Mehrerlöse bis zu 15 Prozent hält der Experte für übertrieben. In der Regel lägen die Kaufangebote drei Prozent über denen der Versicherer. Zudem muss der Rückkaufswert der Policen über 5000 Euro liegen und die Restlaufzeit darf maximal 15 Jahre betragen.

Raten nicht akzeptieren

Bei der Auswahl des Käufers sollten Versicherte vorsichtig sein, denn es gibt schwarze Schafe. So bieten einige Anbieter eine Ratenzahlung der Kaufsumme an. Darauf sollte man sich nicht einlassen, betont Rudnik. Denn der Kunde riskiere ein Verlustgeschäft oder dass der Aufkäufer vor Zahlung der letzten Raten Pleite geht. Als seriös bewerten Verbraucherschützer Gesellschaften, die im BVZL zusammengeschlossen sind.

Immer vergleichen

Grundsätzlich sollte man verschiedene Angebote miteinander vergleichen, rät Karin Baur von "Finanztest". Denn die Unterschiede zwischen den Gesellschaften könnten durchaus beträchtlich sein. Wer sich nicht sicher sei, der sollte mehrere Offerten einholen und sich dann bei einer Verbraucherzentrale beraten lassen.

Der Markt wächst

Der Zweitmarkt dürfte künftig noch an Bedeutung gewinnen. Nach Angaben des BVZL wurden 2005 Lebensversicherungen für 600 Millionen Euro aufgekauft, das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2006 wird ein weitere Steigerung auf eine Milliarde Euro erwartet. Immerhin trennen sich laut BdV jeden Monat 100 000 Bundesbürger von ihrer Police, weil sie die Beiträge nicht mehr aufbringen können oder wollen.

50 Prozent gekündigt

Insgesamt werden rund 50 Prozent aller Lebensversicherungen vor dem Ende der Laufzeit gekündigt. Allein im Jahr 2004 betrug die Stornoquote nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 5,5 Prozent, und das Stornovolumen erreichte 12,5 Milliarden Euro.

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