Verkauf von Pro-Sieben-Sat1: Hängt alles an Friede Springer?

- München - Das Erbe von Pleitier Leo Kirch sorgt wieder einmal für Gesprächsstoff. Diesmal geht es um die Münchner TV-Gruppe Pro-Sieben-Sat1 und damit die wichtigste Senderfamilie der Republik, die vor eineinhalb Jahren US-Milliardär Haim Saban und Mitinvestoren nach spektakulärem Ringen mehrheitlich übernommen haben. Diese Gruppierung will nun der Berliner Axel Springer Verlag als Mehrheitseigner ablösen, heißt es. Offiziell bestätigt wird das aber von niemandem.

<P class=MsoNormal>Fakt ist, dass der bei Printmedien hier zu Lande marktführende Springer-Verlag rund zwölf Prozent an der Münchner TV-Gruppe hält und zumindest Springer-Chef Mathias Döpfner Interesse an einer Aufstockung hat. Dazu gab es vor wenigen Wochen ein Treffen des Springer-Manns mit Saban in den USA. Seitdem soll klar sein, dass Saban nichts gegen eine stärkere Rolle von Springer an seiner Seite hat. Er selbst will aber an Bord bleiben. "Die Saban-Aktien stehen nicht zum Verkauf", bekräftigte ein Sprecher seiner Unternehmensgruppe. Durchgerechnet hält sie 12,6 Prozent an Pro-Sieben-Sat1.</P><P class=MsoNormal>Verkaufswillig sind aber offenbar zumindest einige von Sabans sieben Mitinvestoren. Rechnet man deren Anteile dem bestehenden Springer-Paket hinzu, käme dabei eine knappe Mehrheit für die Berliner heraus. Für diese Rechenspiele kursieren derzeit zwei Varianten.</P><P class=MsoNormal> Version eins: Springer stockt im Alleingang auf gut die Hälfte an Pro-Sieben-Sat1 auf und hat dazu bereits den Gläubigerausschuss des untergegangenen Kirch-Imperiums auf seine Seite gezogen. Deren Votum ist wichtig, weil Saban und Partner bei einem Wiederverkauf ihrer Anteile binnen zwei Jahren vier Fünftel ihres dabei entstehenden Gewinns an die früheren Kirch-Banken abtreten müssten. Diese Frist endet Anfang August, wie von mehreren Seiten bestätigt wird. Um vorher kaufen zu können, hat Springer den Gläubigern dem Vernehmen nach angeboten, diesen Passus durch eine Abstandszahlung von 15 Millionen Euro zu streichen. Die Banken seien dazu bereit, wollen aber mehr Geld, heißt es in verhandlungsnahen Kreisen.</P><P class=MsoNormal> Version zwei: Springer arbeitet mit dem US-Investor Hellman & Friedman bei der Mehrheitsübernahme von Pro-Sieben-Sat1 zusammen. Die Amerikaner sind derzeit sowohl bei Springer Großaktionär als auch bei der Münchner TV-Gruppe als Mitinvestor im Boot. Nach dieser Variante stocken Springer sowie Hellman & Friedman bei Pro-Sieben-Sat1 auf jeweils 25,1 Prozent auf. Das hätte den Vorteil, dass den 37,5 Prozent Aktionären des Münchner Medienhauses, die ihre Anteile im Streubesitz halten, kein kostspieliges Abfindungsangebot gemacht werden muss, das fällig wird, wenn ein Einzelaktionär auf über 30 Prozent kommt.</P><P class=MsoNormal>Ob es aber wirklich zum baldigen Verkauf der TV-Gruppe an Springer kommt, ist fraglich. Reif für einen Ausstieg wäre die Lage für die US-Investoren, sagen Experten. Seinerzeit haben Saban & Co. 7,50 Euro je Aktie gezahlt, heute notiert das Papier bei rund 14 Euro, was ansehnlichen Gewinn signalisiert. Andererseits gebe es weitere potenzielle Käufer wie die US-Medienkonzerne Viacom, Disney und NBC oder Medienunternehmer Rupert Murdoch.</P><P class=MsoNormal>Als Unsicherheitsfaktor gilt aber vor allem die Erbin des Berliner Verlags, Friede Springer. "Döpfner will, aber ich glaube nicht, dass Friede kauft", schätzt ein Insider die Lage ein. Ohnehin wäre eine Elefantenhochzeit zwischen Springer und Pro-Sieben-Sat1 wohl ein Fall für die Kartellwächter. Beim Bonner Kartellamt liegt noch kein Antrag für eine solche Firmenehe vor, bestätigte eine Sprecherin. Ob es Vorgespräche gegeben habe, könne sie aus Vertraulichkeitsgründen nicht sagen. Mehr Klarheit könnte es nach der heutigen Springer-Hauptversammlung geben.</P>

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