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Ruhe bewahren ist trotz Turbulenzen der beste Rat.

Investmentfonds

Verkauf oft ein schlechtes Geschäft

Viele Fondsanleger fürchten um ihre Ersparnisse. Nach massiven Wertverlusten haben Anleger allein im Oktober 46,3 Milliarden Euro aus Publikumsfonds abgezogen. Zwar weiß derzeit niemand, wie lange die Krise an den Finanzmärkten noch anhält, dennoch ist der Verkauf von Fonds derzeit nach Expertenansicht meist die schlechteste Lösung.

„Die Vergangenheit zeigt, dass Anleger die größten Verluste dann erlitten, wenn sie ihre Fonds nur kurzfristig hielten oder bei einer Kurstalfahrt ausstiegen“, sagt Karin Baur vom Magazin „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Allein bei Renten- und Geldmarktfonds gaben Anleger im Oktober Anteile im Wert von rund 30 Milliarden Euro zurück. Ein Grund dafür sei die Absicht der Bundesregierung, steuerorientierte Geldmarktfonds schärfer zu besteuern, hieß es. Trotz der Übergangsfrist bis 2011 wurden laut Branchenverband Investment und Asset Management (BVI) allein bei diesen Produkten Anteile im Wert von 16 Milliarden Euro zurückgegeben.

Hohe Abflüsse gab es im Oktober auch bei Aktienfonds (4,9 Milliarden), Mischfonds (2,1 Milliarden) und bei Dachfonds (1,1 Milliarden). Dass Immobilienfonds trotz stabiler Werte rund 5,1 Milliarden an Abflüssen verbuchten, lag nach Angaben des Branchenverbandes daran, dass insbesondere größere Anleger und Vermögensverwalter wegen Marktverwerfungen Anteile zurückgegeben hätten. Zudem hat auch der extreme Kursverfall an den Aktienmärkten für einen deutlichen Rückgang beim Fondsvermögen der Gesellschaften gesorgt. Die BVI verzeichnete zum 31. Oktober einen Rückgang von rund 236 Milliarden Euro auf nun 1224 Milliarden Euro.

Ungeachtet dessen sind Fonds insbesondere für langfristig orientierte Anleger weiterhin ein lohnendes Investment. Der MSCI-Index weist für weltweite Aktienmärkte in den vergangenen 20 Jahren eine Wertentwicklung von 5,5 Prozent jährlich aus, für den europäischen Markt waren es 8,2 Prozent und für den deutschen 8,4 Prozent. „Diese Rendite können allerdings nur diejenigen erwarten, die ihre Anlagestrategie mit Disziplin umsetzen, auch wenn es mal unruhig wird an den Kapitalmärkten“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Grundsätzlich sollten Aktienfonds nicht verkauft werden, nur weil sie gerade in einer Verlustphase sind. Außerdem rät Nauhauser zur Vorsicht beim Kauf von Fonds, nur weil sie sich gerade gut entwickeln. Viel wichtiger sei die Historie der Produkte und gute Ergebnisse über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren.

Finanztest-Expertin Baur empfiehlt Fondsanlegern, jetzt ihr Depot genau zu überprüfen: „Die besten Chancen auf eine Erholung haben nur gut gemanagte Fonds.“ Wenn das Anlagekonzept nicht überzeuge, könne durchaus eine Umschichtung oder ein Verkauf infrage kommen. Wer weiterhin auf Fonds setzen wolle, aber keine starken Nerven habe, für den eigneten sich insbesondere solche mit niedriger Risikoklasse, rät Baur. Zur Begrenzung des Verlustrisikos seien vor allem weltweit anlegende Aktienfonds geeignet.

Für Niels Nauhauser sind Indexfonds (ETF) eine gute Empfehlung. Sie bilden die Entwicklung von Dax, Euro Stoxx und vielen anderen Indizes ab, damit können Anleger direkt von der Entwicklung des jeweiligen Marktes profitieren. Zudem gibt es bei Indexfonds keinen Ausgabeaufschlag, während er bei Aktienfonds immerhin bis zu sechs Prozent beträgt. Auch die laufenden Kosten betragen mit rund 0,2 Prozent jährlich nur einen Bruchteil herkömmlicher Fonds.

„All das steigert die Rendite beträchtlich, und gerade für Anleger, die ein einfaches und günstiges Investment suchen, sind Indexfonds ideal“, betont Nauhauser. Wer mit der Entwicklung seines Depots unzufrieden sei, für den sei die Umschichtung in diese Fonds in aller Regel eine gute Empfehlung, zumal die wenigsten Fonds besser abschneiden würden als der jeweilige Index. Allerdings werden Indexfonds von den meisten Banken nicht empfohlen. „Das hat einen einfachen Grund: Sie verdienen daran nämlich nichts“, sagt der Experte.

Manfred Rolfsmeier

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