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Schlag für Industrie: Verkaufsstopp für Genhonig

Luxemburg/Brüssel - Der Europäische Gerichtshof stoppt den Verkauf von Honig mit Genmais-Spuren und versetzt der Industrie damit einen herben Schlag. Was das Urteil für den Gentechnik-Anbau bedeutet.

Honig oder Nahrungsergänzungsmittel, in denen sich auch nur geringe Rückstände gentechnisch veränderter Pollen finden, dürfen nur noch mit Zulassung auf den Markt gebracht werden. Das urteilte der EuGH in Luxemburg am Dienstag. Er reagierte damit auf die Klage eines Imkers aus Augsburg gegen den Freistaat Bayern.

Der Richterspruch kann Auswirkungen auf den gesamten europäischen Honigmarkt und den Gentechnik-Anbau haben. Er ist zudem eine Warnung an die EU-Kommission und die Industrie, die die sogenannte Null-Toleranz-Grenze lockern wollen. “Die kleine Biene hat gezeigt, dass sie im Ernstfall stechen kann - auch einen Giganten der Agro-Gentechnik“, erklärte Thomas Radetzki, Präsident des ökologischen Imkerverbandes Mellifera.

Im Honig des Imkers Karl Heinz Bablok, neben dessen Bienenkörben Genmais der Sorte Monsanto 810 angebaut worden war, wurden 2005 Spuren des manipulierten Maises nachgewiesen. Die Sorte war als Tierfutter, aber nicht als Lebensmittel zugelassen. Daraufhin kippte Bablok seine süße Ernte in die Augsburger Müllverbrennungsanlage und verklagte das Land Bayern, das den Genmais zu Testzwecken angebaut hatte, auf 10.000 Euro Schadensersatz. Wegen der unklaren Rechtslage verwies der Bayerische Verwaltungsgerichtshof den Fall vor zwei Jahren an den EuGH.

Bienen fliegen auch auf Gen-Kartoffel Amflora

Bablok schreibt nun Rechtsgeschichte, denn bislang ist Honig mit Gentechnik-Spuren in vielen Regalen. Nach Auffassung der EU-Kommission bedurfte “zufällig“ verunreinigter Honig keiner Zulassung. Nach dem Urteil des EuGH müssten künftig alle Landwirte, die Genmais anbauen, den betroffenen Imkern Schadensersatz zahlen sowie Schutzmaßnahmen treffen, um eine Verunreinigung zu verhindern.

Bablok selbst baut schon wieder Honig an, denn in Deutschland ist die Verwendung von Monsanto 810 seit zwei Jahren verboten. Allerdings wird in der Bundesrepublik auch die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora angebaut, und auch aus deren Blütenpollen saugen sich Bienen ihren Nektar. Das Urteil könnte auch die Bemühungen der Industrie behindern, in Zukunft wieder genveränderte Organismen anzubauen. So bewirbt sich der Monsanto-Konzern in Deutschland um eine neue Zulassung.

dapd

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