Sex verkauft sich schlecht am Kiosk

Baden-Baden - Erotiktitel haben sich im ersten Halbjahr 2010 am Kiosk deutlich schlechter verkauft als im Vorjahreszeitraum. Auch andere Genres finden weniger Leser als früher.

Das Minus beim Absatz von Erotikheften betrug 16,2 Prozent, wie der Bundesverband Presse-Grosso am Dienstag bei seiner Jahrestagung mitteilte. Auch Wirtschaftstitel (minus 11,4 Prozent) und vor allem die Kleinanzeigenblätter (minus 28,7 Prozent) wurden deutlich seltener gekauft.

Auf diesen Feldern konkurriere Print ganz besonders mit den Angeboten im Internet. Etwas mehr Leser als im Vorjahr hatten die Titel, die sich mit Mode, Tieren, Haus und vor allem Audio und Video beschäftigen. Insgesamt ging der Umsatz der Verkaufsstellen mit Zeitschriften und Zeitungen im ersten Halbjahr 2010 um 1,13 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück. Die Zahl der über den Groß- und Einzelhandel verkauften Titel sank um 3,47 Prozent auf 1,32 Milliarden Exemplare.

Neuentwicklungen wie das iPhone von Apple und andere Smartphones beobachtet der Verband aufmerksam. “Das wird uns Auflage kosten, aber im Moment deutet nichts darauf hin, dass wir größere Absatzeinbußen kriegen“, sagte der Verbandsvorsitzende Frank Nolte. Der Bundesverband vertritt die Interessen der verlagsunabhängigen Presse- Grossisten, die täglich rund 123 000 Einzelhändler beliefern.

Der deutsche Zeitschriftenmarkt ist der üppigste in ganz Europa. Mehr als 1800 Titel ringen um die Aufmerksamkeit der Leser. Allein im ersten Halbjahr 2010 verzeichnete der Verband 276 neue Titel, zugleich wurden 265 Titel eingestellt. Verleger glaubten angesichts der fragilen Geschäftsmodelle im Internet durchaus wieder an die Zukunft von Print, sagte Grosso-Vorstandsmitglied Michael Gotzens: “Der Mut hat zugenommen, aber die Titel sind spezieller geworden.“

Burda-Vorstandsmitglied Philipp Welte hatte in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitung “Horizont“ die große Rentabilität der Zeitschriften herausgestellt: “Eine gute Rendite in unserer Branche ist immer noch zweistellig. Das Geschäftsmodell Zeitschriften ist kerngesund.“ Das Sterben der Kioske und der speziellen Tabak- und Zeitschriftenläden geht laut Verband weiter. Die Margen beim Tabak seien immer geringer. Obendrein machten die längeren Ladenöffnungszeiten der Supermärkte den Fachhändlern schwer zu schaffen.

dpa

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