HVB verlagert Stellen nach Polen

München - Um Kosten zu sparen, will die HypoVereinsbank in den nächsten beiden Jahren über 500 Stellen auslagern. Ein Teil davon wird in Polen neu aufgebaut. Arbeitnehmervertreter protestieren.

Die Personalmaßnahmen betreffen laut einer Mitteilung der HVB zwei Firmenbereiche: Nach Polen werden 2009 und 2010 rund 250 Arbeitsplätze aus dem Backoffice verschoben; dabei handelt es sich um Tätigkeiten ohne Kundenkontakt wie die Verwaltung von Baufinanzierungen. Darüber hinaus ist geplant, 300 Mitarbeiter, die für das Gebäude- oder Flottenmanagement zuständig sind, bis 2009 aus der Bank auszugliedern. Als Käufer dieser Aktivitäten werden der Dienstleistungskonzern Dussmann und die Post gehandelt.

Das Münchner Kreditinstitut betonte, dass die von der Auslagerung betroffenen Mitarbeiter auch unter einem neuen Eigentümer ihr bisheriges Gehalt beziehen werden. Beschäftigte, deren Positionen von den Polen-Plänen berührt sind, sollen anderswo im Unternehmen unterkommen. Einigen werde aber auch eine sozialverträgliche Lösung wie Altersteilzeit vorgeschlagen, hieß es auf Nachfrage.

Ein weitergehender Jobabbau, die Schließung von Standorten oder andere Verlagerungen sind bis auf Weiteres nicht geplant, erklärte ein HVB-Vertreter am Wochenende gegenüber dieser Zeitung. Er widersprach damit Aussagen aus der Belegschaft, wonach bis zu 1800 der rund 23 000 Mitarbeiter von weiteren Sparmaßnahmen betroffen sein könnten. So hatten Betriebsräte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, die jetzt bekannt gewordenen Verlagerungen seien nur "ein erster Schritt". Ein Funktionär der Gewerkschaft Verdi sprach dem Bericht zufolge von einer "Kriegserklärung" gegenüber der Belegschaft. Die Arbeitnehmervertreter wollen diese Woche die Mitarbeiter zu Betriebsversammlungen an allen großen HVB-Standorten zusammentrommeln, um über die Pläne zu informieren.

Mit den beiden Sparvorhaben wollen die HVB und der Mutterkonzern Unicredit ihre Profitabilität steigern. So spart allein die deutsche Tochter durch die Auslagerung der 300 Stellen jährlich bis zu 25 Millionen Euro. Zwar hatte sich im letzten Jahr der Nettogewinn der HVB um ein Viertel auf 2,05 Milliarden Euro erhöht. Der zum Jahresende ausscheidende Vorstandsvorsitzende Wolfgang Sprißler hatte zuletzt aber mehrfach darauf hingewiesen, dass die Finanzkrise auch im Wertpapierportfolio der HVB von Januar bis März zu "signifikanten" Wertkorrekturen geführt habe. Die Quartalszahlen werden am kommenden Donnerstag veröffentlicht.

Die Verlagerung nach Polen ist Teil des Plans der Unicreditgruppe, dort einen Teil der Verwaltungsarbeit aller 23 Ländergesellschaften zu bündeln. In einem ersten Schritt fassen die Konzernstrategen laut dem "Spiegel" nun die Aktivitäten von sieben Ländern zusammen. "Mit 7000 Mitarbeitern aus den Backoffice-Einheiten in Deutschland, Österreich, Italien, Rumänien, Tschechien, Polen und der Ukraine wird unsere neue Backoffice-Gesellschaft bereits Nummer fünf im europäischen Vergleich sein", heißt es dem Bericht zufolge in einem internen Schreiben.

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