Verlierer und Gewinner: Was im Fundbüro wichtig ist

- Die Jacke im Zug vergessen, den Geldbeutel beim Einkaufen verloren: Damit beginnt eine schwierige Suche. Viele - im wahrsten Sinne des Wortes - Verlierer wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen. Viele Finder kennen ihre Rechte und Pflichten nicht. Und dann gibt es noch die Fundbüros, die leider nicht immer zuverlässig arbeiten.

Rechtliche Regelung

Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch müssen Fundsachen ab einem Wert von zehn Euro zurückgegeben werden - entweder dem Besitzer selbst oder einer zuständigen Stelle (siehe Kasten). Wenn der Eigentümer innerhalb von sechs Monaten nicht ermittelt werden kann, gehört der Gegenstand dem Finder. Es gibt aber Sonderregelungen für den öffentlichen Nahverkehr: Beim Finderlohn gelten nur die halbierten Sätze, also 2,5 Prozent bis zu einem Wert von 500 Euro, 1,5 Prozent bei Mehrwert. Die Fundsache muss hier mindestens 50 Euro wert sein.

Direkt oder amtlich

Findet sich zum Beispiel in einem Geldbeutel Anschrift oder Adresse des Besitzers, könnte der Fund direkt zurückgegeben werden. In der Praxis gehen aber viele Finder lieber den amtlichen Weg - vielleicht, um Verdächtigungen auszuschließen.

Bestätigung fordern

Vorgeschrieben ist die Aushändigung einer Durchschrift der Fundanzeige nicht. Auf die Abgabe-Bestätigung sollte aber bestanden werden. Denn damit kann der Finder später seine Rechte durchsetzen (Finderlohn!). Es geht in diesem Fall um Privatrechtsforderungen vor Gericht und nicht bei den örtlichen Behörden. Manche Gemeinden haben eine Vorschrift zur Aushändigung einer Bestätigung erlassen. Wer auf das Protokoll verzichtet, verzichtet auch auf seinen Lohn.

Eigentum wiederfinden

Wer genau weiß, wo er etwas verloren hat - etwa im Zug -, tut sich etwas leichter: Dann hilft vielleicht schon der Kontakt mit dem ersten Fundbüro weiter. In anderen Fällen kann es kompliziert werden. Oft dauert es einige Tage, bis das Fundstück in der zentralen Sammelstelle gelandet ist. Also nicht nach der ersten vergeblichen Nachfrage aufgeben.

Online suchen

Mittlerweile haben viele Fundstellen Online-Suchdienste eingerichtet. Beim ersten Anruf im Büro oder dort vor Ort sollte man sich nach diesem Service erkundigen: Er spart vergebliche Telefonate und Wege.

Trauriges Testergebnis

Nach Ehrlichkeit haben die Mitarbeiter von Stiftung Warentest in ihrem neuesten Check gesucht - sie aber leider nicht immer gefunden. In sechs Großstädten wurden 63 als gefunden ausgegebene Geldbeutel bei 21 Stellen abgeliefert, bei kommunalen Fundbüros und solchen des öffentlichen Nahverkehrs. Bei der Abholung fehlte in vier Fällen Geld, teils beträchtliche Summen. Zehn Portemonnaies waren - obwohl eigenhändig abgegeben - gar nicht mehr auffindbar.

Noten für Ehrlichkeit

In Berlin und Dresden bekamen die Stelle der Deutschen Bahn und das zentrale Fundbüro der Polizei die Note 2, in Hamburg klappte es am besten am Flughafen und bei der Bahn (2,3 bzw. 2,4). In Frankfurt konnte nur die DB gelobt werden; Flughafen, Polizei und öffentlicher Nahverkehr wurden mit "ausreichend" und "mangelhaft" bewertet. In München kann man nur hoffen, dass Fundstücke in Polizeidienststellen abgegeben werden (Note 1,9). Denn wer am Flughafen (5,1) oder in Zügen (5,5) etwas verliert, muss Glück haben, um wieder an seinen Besitz zu kommen. Und in Düsseldorf sollte man besonders auf seinen Besitz aufpassen. Die Noten: Polizei 4,6, DB 4,8, öffentlicher Nahverkehr 4,8, Flughafen 5,5.

Imposante Zahlen

2004 sind im zentralen Fundbüro in Berlin 300 000 Fundsachen gelandet, davon gingen 20 Prozent an die Verlierer zurück. Da kann in den zuständigen Stellen schon einmal etwas verloren gehen - sollte aber nicht.

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