MAN verliert im Bieter-Krimi um MTU-Dieselmotoren

- Friedrichshafen - Mit dem Verkauf des Dieselmotorenbauers MTU an den schwedischen Finanzinvestor EQT für 1,6 Milliarden Euro ist ein Wirtschaftskrimi mit allen Zutaten zu Ende: Familienzwist, aufgebrachte Mitarbeiter, juristische Scharmützel, gezielte Indiskretionen und schließlich ein Bietergefecht. Daimler-Chrysler-Konzernvorstand Rüdiger Grube hat es schließlich dennoch geschafft, dem klammen Autokonzern die dringend benötigte Milliardenspritze zu besorgen. Wegen der Pensionsverpflichtungen bleibt aber nur eine Milliarde übrig - immer noch mehr als erwartet.

Wer Sieger oder Verlierer ist, wird sich erst in Jahren zeigen. Der schwedische Investor hat zugesichert, dass er investieren will. Die 5000 Mitarbeiter in Friedrichshafen können erst mal wieder beruhigt zur Arbeit gehen.

Anfangs waren die Verkaufspläne massiv von den alten Besitzerfamilien Maybach und Zeppelin gestört worden, die rund zwölf Prozent an dem profitablen und traditionsreichen Motorenbauer besaßen. Vom "Denver-Clan am Bodensee" war die Rede, als sich die Familien mit dem Finanzinvestor Carlyle gegen Daimler-Chrysler verbündeten. Erinnerungen an die 80er-Jahre wurden wach, als die Familie Dornier der Daimler-Benz AG viel Geld für die Übernahme des Flugzeugbauers aus der Tasche lockte.

So etwas wollte Grube nicht erneut erleben, entfaltete eine rege Verhandlungsdiplomatie, jettete aus Asien zu Aufsichtsratssitzungen von MTU und drohte sogar mit der Liquidierung. Schließlich konnte er die Familienfront aufweichen. Mit dem Verkauf ihrer Anteile machten die Erben schließlich den Weg frei.

Auch wenn der Konzern immer wieder beteuert hatte, MTU solle als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben, verstärkte der Betriebsrat seinen Druck. Früh hatten sich die Arbeitnehmervertreter mit ihrem Nein zu einem Finanzinvestor festgelegt, vor allem die amerikanische KKR erschien ihnen als großes Übel.

Da half es auch nicht, dass EQT und KKR an den Bodensee reisten und für ihre Konzepte warben, die relativ ähnlich waren. Doch Verhandlungskreise ließen durchblicken, dass bei einem MAN-Einstieg zum Beispiel in der Verwaltung ein größerer Stellenabbau drohen könnte. Das wirkte.

Ohnehin hatte MAN im Konzern wenig Befürworter. Man befürchtete, dem direkten Konkurrenten auf dem Nutzfahrzeugsektor neue Vertriebskanäle zu eröffnen. Mit EQT kommt aber nun ein Käufer zum Zuge, der für die Mitarbeiter der Zweitbeste ist. Ganz unglücklich wirkte Betriebsratschef Karl-Heinz Wulle über die Abgesandten aus dem Wallenberg-Imperium nicht mehr.

Daimler-Chrysler ist nun seinem Ziel, ein reiner Autokonzern zu werden, einen Schritt näher gekommen. Den Stuttgartern bleibt nun nur noch die Beteiligung am Luftfahrtkonzern EADS.

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