So vermeiden Sie Werkstatt-Ärger

Konflikte in der Auto-Werkstatt lassen sich leicht vermeiden. Der ADAC und die Kfz-Innung empfehlen schriftliche Auftragsfixierung und Vorab-Checks.

Als die Münchnerin Andrea Manker (27) ihren VW Polo nach der Inspektion abholte, war die Höhe der Rechnung eine böse Überraschung für sie. Die „kleine Inspektion mit Ölwechsel“ riss ein unerwartet tiefes Loch in das Konto der jungen Frau. Sie fühlte sich gründlich über den Tisch gezogen: „Einiges wurde gemacht, ohne mich zu fragen, die Rechnung war viel höher, als der Mechaniker bei der Annahme schätzte.“ Was sie besonders ärgert: „Sogar das Auffüllen des Waschwasserbehälters wurde mir berechnet. Der war aber ganz sicher randvoll.“ Die Kundin fühlte sich ausgenommen – und die Werkstatt sich zu Unrecht verdächtigt. Entsprechend groß war der Ärger.

Doch der Streit wäre leicht zu vermeiden gewesen, meint Arnulf Thiemel von der ADAC Fahrzeugtechnik. Der Spezialist, der für Werkstatttests zuständig ist, kann einige Tipps geben, die Konflikte vermeiden.

Direktannahme empfohlen

„Als Kunde sollte ich bei der Abgabe verlangen, dass das Auto in meinem Beisein auf die Hebebühne gefahren wird“, empfiehlt er. „Dann kann mir der Kundendienstmeister gleich zeigen, ob etwas Größeres kaputt ist.“ Denn grobe Mängel ließen sich vom Fachmann meist auf den ersten Blick erkennen. Beide Parteien haben von diesem Vorgehen etwas, sagt der Werkstattexperte: „Wenn der Kunde selber sieht, dass der Auspuff durchgerostet und löchrig ist, wird er einen Wechsel später nicht beanstanden. Und weiß gleich, was auf ihn finanziell zukommt.“

Auftrag schriftlich festhalten

Birgit Kusemann, die seit 18 Jahren die Schiedsstelle der Kfz-Innung München-Oberbayern betreut, empfiehlt, schriftlich festhalten zu lassen, was repariert werden soll. Wenn auf dem unterschriebenen Auftrag nur „Öl wechseln“ vermerkt ist, kann die Werkstatt nicht auch noch ohne Absprache die Bremsscheiben tauschen. „Unbedingt eine Kopie der unterschriebenen Auftragsbestätigung mitnehmen“, rät Frau Kusemann. „Dann hat man im Streitfall etwas in der Hand.“ Generell sollten Werkstätten für das Beheben von unvermutet auftauchenden Mängeln per Telefon die Erlaubnis des Kunden einholen. Doch auch bei solchen Anrufen gilt es, vorsichtig zu sein. „Es gibt leider vereinzelt schwarze Schafe, die fälschlicherweise behaupten, sie müssten am Fahrzeug alles Mögliche tauschen, sonst wäre es nicht mehr verkehrssicher“, weiß Thiemel vom ADAC.

Wer an der Aussage der Werkstatt zweifelt, sollte die Erlaubnis zur Reparatur verweigern und eine zweite Meinung einholen. „Wer nicht für jede Zusatzarbeit vom Mechaniker angerufen werden will, kann bei der Fahrzeugabgabe auch eine Grenze vereinbaren, was die Arbeiten insgesamt kosten dürfen“, empfiehlt Birgit Kusemann von der Kfz-Innung. Das bewahre vor unliebsamen Überraschungen.

Vorab Leistungen prüfen

Tests des ADAC haben ergeben, dass bei Auto-Inspektionen leider immer wieder Arbeiten nicht erledigt werden, die ganz klar vorgeschrieben sind: „Sogar bei Hersteller-Werkstätten werden Checklisten oft einfach abgehakt, nicht aber abgearbeitet“, ärgert sich Thiemel. Die Folge: Fast ein Drittel der im Jahr 2009 vom ADAC getesteten Werkstätten fand nicht alle der jeweils fünf präparierten Mängel pro Testfahrzeug. Doch kann man als Laie herausfinden, ob die Werkstatt schlampig arbeitet oder nicht? „Teilweise ja“, ermuntert der Werkstattexperte. „Mit ein wenig Vorarbeit ist das möglich.“ So stehen im Serviceheft (oder auf der Wartungsliste der letzten Inspektion) meist alle Positionen, die bei einer Durchsicht geprüft werden müssen. „Ob zum Beispiel alle Leuchten am Auto funktionieren oder die Flüssigkeitsstände stimmen, kann man auch als Laie vorab schon mal prüfen.“ Wenn dabei entdeckte Mängel nach der Inspektion nicht behoben sind, sollte der Kunde die Werkstatt zur Rede stellen. Schließlich hat er für die Kontrolle bezahlt. Andere Positionen sind schwer zu prüfen. Etwa, ob das abgerechnete teure Motoröl eingefüllt wurde oder ein billiges. „Da muss man der Werkstatt vertrauen“, gibt Thiemel zu.

Offensichtliche Mängel festhalten

Manchmal geschieht es auch, dass Kunden bei der Abholung Mängel am Auto monieren, die vorher ihrer Meinung nach noch nicht vorhanden waren. Etwa eine Schramme an der Stoßstange oder ein Fleck auf dem Ledersitz. Um hier Konflikte zu vermeiden, sollte der Kunde sich schriftlich bestätigen lassen, in welchem Zustand das Fahrzeug bei der Abgabe war. „Viele Autowerkstätten halten bei der Fahrzeugannahme sowieso alle Mängel genau fest, um Streit zu vermeiden“, weiß Thiemel.

Kfz-Innung als Schiedsrichter

Kommt es trotz aller Absicherungen zu unüberbrückbaren Differenzen mit einer Werkstatt, hilft oft ein Anruf bei der Kfz-Schiedsstelle weiter (Telefon 089/14 36 21 40). Diese feiert in diesem Sommer ihr 40. Jubiläum. „Rund 2000 Anfragen habe ich im Jahr“, erzählt Vermittlerin Birgit Kusemann. „Zum Glück können die meisten Fälle allein durch Beratung und Aufklärung abgeschlossen werden. Im Streitfall kann jeder zu uns kommen. Voraussetzung ist, dass die betreffende Werkstätte Mitglied der Kfz-Innung München-Oberbayern ist.“ Ein Innungsbetrieb ist an dem blau-weißen Schild mit der Aufschrift „Meisterbetrieb der Kfz-Innung“ zu erkennen.

Martin Doffek

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