Was Vermögende von einem guten Berater erwarten dürfen

- Auch Millionäre stehen vor dem Problem, ihr Geld vernünftig anzulegen. Von den 755 000 Menschen, die in Deutschland über ein Vermögen von mehr als einer Million Euro verfügen, nehmen Schätzungen zufolge erst fünf Prozent professionelle Hilfe in Anspruch. Für Vermögensverwalter gibt es daher noch genug zu tun. Doch wie findet der Betuchte die passende Betreuung?

<P>In der Studie "Die Elite der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum" in Zusammenarbeit von "Die Welt" und "Welt am Sonntag" wurden 173 Banken und unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und der Schweiz getestet. Nur 39 davon genügten laut Elite Report Edition (München) den Ansprüchen. 18 Häuser, darunter die Hamburger Sparkasse, das Bankhaus Lampe in Düsseldorf und die Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG in München erhielten zusätzlich ein "akademisches" Lob.</P><P>Gemeinsame Sprache</P><P>Die meisten Vermögensverwalter redeten laut dem Report an ihren Kunden vorbei. Viele Berater könnten nicht einmal ihr eigenes "global inszeniertes Branchen-Chinesisch" dolmetschen. "Wer seinen Berater nicht versteht, vergeudet Zeit und geht Risiken ein", heißt es in der Untersuchung. Auch deshalb sollte ein Gespräch in der Muttersprache des Kunden bevorzugt werden, allein schon, um Missverständnisse zu vermeiden.</P><P>Individuelle Beratung</P><P>Der Vermögende sollte den Berater gezielt nach Anzahl der Kunden und der Höhe des verwalteten Vermögens fragen. Daraus könne er leicht schließen, ob er als großer oder durchschnittlicher Kunde in Betracht komme und wie intensiv sich der Berater um ihn kümmern könne. Betreue ein Berater mehr als 120 Kunden, sei eine individuelle Beratung kaum möglich. Individuelle Beratungswünsche müssten auch gewährleisten, das bestimmte Titel vom eigenen Depot ausgeschlossen werden können. Bietet der Vermögensverwalter überwiegend eigene Bankprodukte an, ist dies ein Hinweis auf eher standardisierte Lösungen.</P><P>Diskretion ist Pflicht</P><P>Für einen seriösen Vermögensverwalter ist Diskretion oberstes Gebot. Um den Kunden systematisch betreuen zu können, benötigt er dessen Vertrauen. Schließlich erfährt der Berater enorm viel über das Einkommen, die steuerliche, berufliche und familiäre Situation des Kunden. Dabei muss er auch die Anlegermentalität, die Bedürfnisse und Erwartungen des Kunden berücksichtigen.</P><P>Klare Abmachungen</P><P>Der vermögende Anleger sollte die Vertragstexte verstehen. Diese seien oft wenig transparent und setzten Fachwissen voraus. "Wird der Vertrag vorgestellt und durchgearbeitet, ist darauf zu achten, dass die einzelnen Kriterien immer schriftlich festgehalten werden", rät Peter Mattil, Anlageschutz-Anwalt in München. Nur Schriftliches habe Beweiskraft.</P><P>Da sich das Anlegerschutzrecht in der Schweiz oder in Liechtenstein beispielsweise erheblich von dem deutschen Recht unterscheidet, sollte der Vertrag einem dort ansässigen Anwalt zur Überprüfung vorgelegt werden.</P><P>Beständigkeit</P><P>Eine Unkultur sei der Studie zufolge der ständige Wechsel des Beraters. Statt nachhaltiger verlässlicher Beratung verkomme die Beratung da zum "Verkaufsquicky". Hüten sollte sich der Kunde vor schlitzohrigen Überlebenskünstlern oder angepassten Erfüllungsgehilfen zentraler Verkaufsvorhaben. Auch den zum Teil ungeziemenden Umgang der überwiegend männlich dominierten Branche mit weiblichen Kunden rügte die Studie.</P><P>68 Prozent der getesteten Vermögensmanager schafften die Prüfkriterien der Studie nicht. Mit der Bestnote "summa cum laude" schnitten ab: aus Deutschland das Bankhaus Lampe und die Hamburger Sparkasse, aus Liechtenstein die fürstliche LGT Bank, aus Österreich die Raiffeisenbank in Jungholz in der Zollexklave in den Tiroler Bergen sowie Credit Suisse Private Banking.<BR>Ein Sonderpreis ging an die Vereinigten Sparkassen Eschenbach in der Oberpfalz, Neustadt an der Waldnaab, Vohenstrauß für deren strategische Ausrichtung in der Anlagepolitik.<BR><BR></P>

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