Vernunft kontra Romantik: Was unverheiratete Paare regeln sollten

- Ehe war gestern. Heute können viele Paare der Heirat nicht mehr allzu viel abgewinnen. Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leben ohne Trauschein zusammen, in "wilder Ehe". Doch diese Freiheit birgt wirtschaftliche Risiken - wer sich absichern will, sollte einen Partnerschaftsvertrag abschließen, rät die "Stiftung Warentest" in der Zeitschrift "Test" (Januar-Ausgabe).

Vorteile

Anders als Ehen und eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sind Partnerschaften zwischen Mann und Frau gesetzlich nicht ausdrücklich geschützt. Das kann laut "Stiftung Warentest" von Vorteil sein, zum Beispiel für Bafög- oder Hartz-IV-Empfänger: Der Verdienst von Ehepartnern wird bei der Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt, der von Lebenspartnern nicht.

Nachteile

Probleme indes gibt es, wenn die Lebensgemeinschaft aufgelöst wird. "Die Gerichte lehnen es bisher ab, für freie Partnerschaften die Regeln wie für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner anzuwenden", sagt Ulrike Börger, Vorsitzende des Familienrecht-Ausschusses der Bundesrechtsanwaltskammer, im "Test"-Magazin. Aufwendungen und persönliche Dienste, die für das Zusammenleben geleistet wurden, könnten bei einer Trennung weder nachträglich vergütet noch zurückgefordert werden. Die Lösung: ein Partnerschaftsvertrag, der für klare Verhältnisse sorgt.

Form und Inhalt

Aufgesetzt werden kann der Vertrag von beiden Partnern. Sie sollten ihn allerdings "unbedingt von einem Notar beglaubigen lassen", erklärt Börger. Neben den Vermögensverhältnissen sei es wichtig, bestimmte Vollmachten zu regeln, etwa die gegenseitige Vertretung in Rechtsdingen oder die Vorsorge im Todesfall.

Wohnung

Bis zu sechs Monate lang kann ein Mieter den Partner in der Wohnung aufnehmen, ohne den Vermieter zu fragen, danach gilt: Information ist Pflicht. Den Partner ablehnen darf der Vermieter nur in Ausnahmefällen - einer zu kleinen Wohnung zum Beispiel. Sinnvoll ist es, beide Partner in den Mietvertrag aufzunehmen. Wird nur einer erwähnt, kann dieser den anderen auf die Straße setzen. Zudem sollten die Partner regeln, wer im Fall einer Trennung die Wohnung behalten darf und was mit der Kaution geschieht.

Unterhalt

Grundsätzlich ist keiner zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet: Aus der Partnerschaft leiten sich keine Ansprüche ab - auch nicht, wenn einer wegen gemeinsamer Kinder den Job aufgab. Der Mutter steht lediglich für vier Monate vor bis drei Jahre nach der Geburt Betreuungsunterhalt zu.

Kinder

Bei Kindern hängen Unterhalts- und Erbansprüche davon ab, ob die Vaterschaft klargestellt wurde. Wenn die Eltern eine gemeinsame Erklärung über das Sorgerecht abgeben, können beide den Namen des Kindes bestimmen. Andernfalls gilt automatisch der Name der Mutter; sie behält das alleinige Sorgerecht. Wichtig: Beim gemeinsamen Sorgerecht haben auch beide Elternteile Anspruch auf Kindergeld und Erziehungsurlaub. Solange die Kinder jünger als 14 Jahre sind, kann man Kosten für Kindertagesstätten, Hort oder Kindermädchen steuerlich absetzen. Voraussetzung: Bei zusammenlebenden Paaren müssen die Kosten pro Kind und Jahr höher als 1548 Euro sein, bei Singles höher als 774 Euro.

Erbschaft

In der gesetzlichen Erbfolge gelten unverheiratete Paare als Fremde. Nur die Kinder erben. Gibt es keine, erben erst die Eltern des Verstorbenen, danach andere Verwandte. Extrem hoch ist die Erbschaftssteuer: Während bei Ehegatten 307 000 Euro steuerfrei sind, bleiben bei Partnern ohne Trauschein maximal 5200 Euro steuerfrei. Tipp: eine Lebensversicherung. Wenn man sie auf das Leben des Partners abschließt, aber selbst die Beiträge zahlt, bleibt die Auszahlung bei Tod steuerfrei.

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