Versandhandel sieht Ende der Durststrecke

- Frankfurt/Main - Der deutsche Versandhandel erwartet in diesem Jahr ein Ende der jahrelangen Durststrecke. Wegen der wachsenden Beliebtheit des Online-Shoppens und der neuen Kauflust der Verbraucher werde der Umsatz 2006 voraussichtlich um drei Prozent oder mehr steigen, berichtete der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) am Montag in Frankfurt.

"Die Situation ist besser geworden", sagte bvh-Präsident Rolf Schäfer. Die Fußball-WM habe die Verbraucher nicht vom Versandeinkauf abgehalten. In der zweiten Jahreshälfte würden vorgezogene Käufe vor der Mehrwertsteuererhöhung die Branche stärken. Statistisch gesehen gibt jeder Bundesbürger im Schnitt 318 Euro im Jahr im Versandhandel aus.

Im jahrelangen Abwärtstrend waren 2005 die Umsätze der Branche um 1,2 Prozent auf 20 Milliarden Euro geschrumpft. Probleme hatten vor allem Universalanbieter, zu denen große Versandhäuser wie Quelle und Neckermann gehören. Ihre Umsätze sanken um neun Prozent. "Sie haben inzwischen die Erscheinungsrhythmen der Hauptkataloge geändert und die Kataloge umgebaut, um zum Wachstum zurückzukehren", sagte Schäfer. Die Maßnahmen würden aber erst nach einer Übergangsphase Erfolg zeigen. Im ersten Halbjahr habe sich das Minus bei den Universalversendern bereits auf 3,5 Prozent reduziert. Insgesamt legte der Umsatz des Versandhandels in den ersten sechs Monaten um drei Prozent zu.

Der beliebte Einkauf per Mausklick lässt den Versandhandels-Markt wachsen. Nach einer Umfrage des bvh unter Verbrauchern ist der Markt inklusive Internet-Anbietern wie dem Auktionshaus Ebay größer als bisher vermutet. In diesem Jahr werde die gesamte Branche (Versandhandel, Internet-Anbieter, gewerbliche Verkäufer bei Ebay ("Powerseller"), TV-Shopper und Online-Verkauf von Einzelhändlern) 26,3 Milliarden Euro umfassen. Das wären rund 30 Prozent mehr als bisher bekannt, hieß es. "Neue Bestellwege und neue Versandhandelsformen haben in den letzten Jahren eine ungeheure Wachstumsdynamik ausgelöst", sagte Schäfer. Knapp sieben Prozent des Einzelhandels-Umsatzes entfalle auf den Versandhandel.

Steigende Preise wegen der Mehrwertsteuererhöhung müssen die Konsumenten nicht fürchten. Der Versandhandel werde die höheren Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben können, sagte Schäfer. Die langen Laufzeiten über den Jahreswechsel hinweg und die Vergleichbarkeit der Kataloge mache dies unmöglich. Nach Warengruppen bestellen Kunden am häufigsten Kleidung und Schuhe per Versand, danach folgen Bücher und CDs. 2007 werde "kein einfaches Jahr", sagte der Verbandspräsident. Dann würden die höhere Mehrwertsteuer und die steigenden Kosten für das Gesundheitswesen die Verbraucherstimmung drücken. Der bvh hat über 200 Mitglieder und vertritt nach eigenen Angaben 70 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche.

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