DGB verschärft Ton gegen Lidl

- Berlin - Im Streit um die Arbeitsbedingungen beim zweitgrößten deutschen Discounter Lidl haben die Gewerkschaften den Ton verschärft. DGB-Chef Michael Sommer warf dem Unternehmen am Freitag vor, "Klassenkampf" zu betreiben. "Die Beschäftigen von Lidl werden behandelt wie Menschen zweiter Klasse", sagte Sommer bei einer Protestaktion vor einer Lidl-Filiale in Berlin-Kreuzberg. Lidl verhindere Betriebsräte und verletze Arbeitnehmerrecht. "Das ist wirklich Klassenkampf, und diesen Klassenkampf werden wir durchfechten." Lidl wies Sommers Äußerungen zurück.

"Die verleumderischen Behauptungen von ver.di und DGB, dass Lidl seine Mitarbeiter wie Menschen zweiter Klasse behandelt, weisen wir auf das schärfste zurück. Das Gegenteil ist der Fall", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. ver.di gehe lediglich gegen Lidl vor, um seinen Mitgliederschwund zu stoppen. Lidl hat seinen Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn).

Im vergangenen Jahr hatte die Gewerkschaft bereits ein "Schwarzbuch Lidl" mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren veröffentlicht. Nach ver.di- Angaben gibt es lediglich in acht der bundesweit 2600 Lidl- Filialen Betriebsräte.

ver.di hatte letzte Woche bundesweite Aktionen gegen die Arbeitsbedingungen bei dem Discounter angekündigt. Ziel sei, die insgesamt 40 000 Beschäftigten zu ermuntern, in ihren Filialen Betriebsräte zu bilden, hatte die stellvertretende ver.diBundesvorsitzende, Margret Mönig-Raane, in Stuttgart erklärt.

Sommer forderte in Berlin, auch die Industriegewerkschaften sollten sich gegen Lidl stellen. "Denn wir wissen: Wenn hier die Rechte ausverkauft werden, dann werden sie auch woanders ausverkauft." Sommer warf Lidl den Einsatz von Testkäufern und "nahezu illegale Praktiken bei Entlassungen" vor. Auch die Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner und Wirtschaftssenator Harald Wolf (beide Linkspartei) sprachen vor dem Lidl-Markt.

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