Verschenken oder noch abwarten?

München - Der Countdown für die neue Erbschaftssteuer läuft. Hausbesitzer und Kinderlose sollten rechnen. Hier die wichtigsten Veränderungen.

Eigentlich sollte es zum 1. Juli da sein, das überarbeitete Erbschaftssteuerrecht. Doch die Hängepartie hält an. Während bei Betriebsvermögen noch viele Fragen offen sind, lassen sich bei Privatvermögen Entscheidungen treffen. Denn es ist möglich, zu Lebzeiten Vermögen als Schenkung zu übertragen und den Fiskus dadurch ums Miterben zu bringen.

Freibetrag nutzen

Wichtigster Punkt ist die Höhe des Nachlasses. Bei kleineren Vermögen wird es sich lohnen, auf die neue Erbschaftssteuer zu warten. Das gilt, wenn ein Erbe so aufgeteilt wird, dass einzelne Erben (oder Vermächtnisnehmer) nicht mehr als 20 000 Euro bekommen. Denn auf diesen Mindestsatz wird der Freibetrag angehoben. Er liegt bisher bei 10 300 Euro (Neffen, Nichten, Geschwister) oder 5200 Euro.

Steuersatz steigt

Doch die Steuersätze steigen vor allem für die bislang privilegierten Neffen, Nichten und Geschwister auf mindestens 30 Prozent. Das bedeutet: Ab einem Erbteil von 27 418 Euro ist für sie das alte Recht günstiger. Für entfernt oder nicht Verwandte liegt diese Schwelle bei 39 354 Euro. Ist Hausrat oder bewegliches Vermögen (Auto etc.) im Spiel, gibt es bei Erbschaften Zusatz-Freibeträge. So kann der Schwellenwert auf 55 106 bzw. 75 254 Euro (entfernt Verwandte) steigen.

Lebenspartner

Die größten Profiteure der Reform sind Lebenspartner. Zwar zahlen sie die gleichen hohen Steuersätze wie Fremde. Bei den Freibeträgen aber werden sie behandelt wie Ehepaare. Bis weit in den Millionenbereich hinein ergibt sich ein Vorteil durch das neue Recht.

Die Hälfte dem Staat

Bleibt bei all diesen Gruppen nach Abzug aller Freibeträge ein Erbteil im Wert von über 6 Millionen Euro, bekommt der Staat davon künftig die Hälfte. Bisher gelten 50 Prozent ab 25,565 Millionen Euro.

Ehepartner und Kinder

Für Ehepaare, Kinder und Enkel bleibt, wenn weder Betriebsvermögen noch Immobilien im Spiel sind, in jedem Fall ein Vorteil durch das neue Recht. Höhere Freibeträge (Kinder und Stiefkinder sollen bald 400 000 statt bisher 205 000 Euro steuerfrei erben dürfen, Ehepartner sogar 500 000 anstelle von derzeit 307 000 Euro) und höhere Schwellenwerte für die jeweils nächsthöheren Steuersätze sprechen fürs Abwarten. Auch Eltern und Großeltern, die von verstorbenen Kindern oder Enkeln erben, werden durch das neue Recht besser gestellt.

Streitfall Immobilie

Wer ein wertvolles Haus oder mindestens zwei Objekte besitzt, gewerblich genutzte und vermietete Immobilien hat, sollte sich die aktuelle und geplante Steuerlast unbedingt vorrechnen lassen. Ab etwa 500 000 Euro (pro Erbteil) aufwärts sei eine Schenkung noch zum derzeitigen Recht empfehlenswert, sagt Anton Steiner vom Deutschen Forum für Erbrecht in München.

Als Verlierer gelten demnach die Immobilienerben - und davon dürfte es sehr viele geben. Bei einem Großteil der Nachlässe sind Häuser im Spiel. Und die werden künftig mit ihrem vollen Marktwert angesetzt, nicht nur mit einem in unterschiedlichen Fällen kompliziert zu ermittelnden Wert, den viele Experten mit rund der Hälfte angeben.

Ganz einfach ist das aber nicht. Denn in vielen Fällen ist der Wert, den das Finanzamt ansetzt, sogar höher als der Wert, den  man  bei  einem  Verkauf tatsächlich erzielen kann. In diesem Fall hat man schon heute die Möglichkeit, dem Finanzamt einen niedrigeren "gemeinen Wert" nachzuweisen, und fährt damit besser.

Im Zweifel: Gutachten

Auch wenn die Details noch nicht abschließend geklärt sind, sollte man im Zweifelsfall einen Gutachter mit der Wertermittlung beauftragen. Das Geld (in der Regel ein kleinerer vierstelliger Betrag) ist gut angelegt, bevor man vorzeitig Eigentum überschreibt und den vermeintlich Begünstigten eine vermeidbare hohe Steuerlast aufbürdet. Das gilt bei Grundstücken ebenso wie bei vermieteten Immobilien - insbesondere wenn hoher Sanierungs- oder Renovierungsbedarf besteht, der bei den pauschalen amtlichen Ansätzen nicht berücksichtigt wird.

Gut geplant

In jedem Fall, in dem Erbschaftssteuer gezahlt werden muss, lohnt es sich langfristig zu planen. Ausgeschöpfte (auch teilweise) Freibeträge können zehn Jahre nach einer Schenkung erneut geltend gemacht werden.

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