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Gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ermittelt die Staatsanwaltschaft schon zwei Jahre. Eine Anklage gibt es noch nicht.

Formel-1-Affäre

Ecclestone und die verschwundenen Papiere

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München - Es ist ein verworrener Fall, der immer mysteriöser wird: Ecclestone soll Landesbank-Chef Gribkowsky bestochen haben. Dieser wurde verurteilt. Und Ecclestone? Die Formel-1-Welt wartet auf eine Anklage.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone soll 2005 den damaligen Landesbank-Vorstand Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen haben, damit der die Rennserie an den Ecclestone genehmen Finanzinvestor CVC verkaufte. Dafür wurde Gribkowsky im vergangenen Jahr zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Seitdem wartet die Formel-1-Welt auf eine Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft gegen Ecclestone. Doch die wurde mehrfach verschoben und das hat vor allem mit einem Prozess in New York zu tun.

Denn gerade als die Staatsanwaltschaft dachte, nun kenne sie alle Indizien und Erklärungsversuche, reichte der Finanzinvestor Bluewater eine Schadenersatzklage in den USA ein. Die Forderung: Ecclestone, dessen Familienstiftung Bambino, Gribkowsky, die Bayerische Landesbank und CVC sollen 650 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen, weil Bluewater damals mehr für die Formel 1 geboten habe, aber wegen der Bestechung nicht zum Zug kam.

Plötzlich stellte sich für die Ermittler wieder eine zentrale Frage, die sie schon für nicht beantwortbar gehalten hatten: Hat Gribkowsky die Rennserie damals nicht nur an den genehmen Käufer, sondern auch noch zu billig verkauft? Vieles spricht dafür, unter anderem Gribkowskys Aussage nach seiner Verurteilung. Der Ex-Landesbanker kooperiert inzwischen mit der Staatsanwaltschaft.

Doch von einem höheren Angebot eines anderen potenziellen Käufers war bislang nichts bekannt. Bluewater behauptet, dass man angeboten habe, immer zehn Prozent mehr zu zahlen als das höchste ernst zu nehmende Gebot. Das habe in einer E-Mail an Gribkowkys gestanden, die der Bluewater-Vertreter am 4. Oktober 2005 Gribkowsky geschickt habe. Aber bei der Landesbank fand man in den Unterlagen keine solche E-Mail. Handelt es sich also um eine Fälschung, sollte die Klage vielleicht nur die Ermittlungen in die Länge ziehen? Dann hätte sie ihren Zweck erfüllt. Oder ließ jemand das Angebot verschwinden, damit CVC zum Zug kommen konnte? War es Gribkowsky?

Einer seiner damals engsten Mitarbeiter, Harald G., beteuert jedenfalls, dass er die E-Mail noch nie gesehen habe. Das geht aus der Klageerwiderung der BayernLB hervor, die unserer Zeitung vorliegt. In der eidesstattlichen Versicherung von Harald G. aus dem Januar dieses Jahres heißt es: „Jedenfalls habe ich diese E-Mail in diesem Monat zum ersten Mal gesehen.“ Offenbar hatte die Staatsanwaltschaft ihm das Schreiben vorgelegt, um die Echtheit zu prüfen. Inhaltlich beschäftigt sich die Landesbank kaum mit der Klage. Sie argumentiert, dass das New Yorker Gericht nicht zuständig sei, weil als Gerichtsstand England vereinbart gewesen sei und keine der handelnden Personen Verbindungen mit den USA gehabt habe.

Ein weiteres Detail aus G.s Aussage könnte dafür sprechen, dass es sich bei der fraglichen E-Mail nicht um eine Fälschung handeln muss. Denn offenbar fehlen in den Unterlagen der BayernLB weitere Papiere. Am 8. November 2005 um 13.38 Uhr schickte Bluewater ein Fax mit einem Vertragsentwurf für den Kauf der Formel 1. Das als „Beweisstück J“ in New York eingeführte Schreiben hat in den Archiven der Landesbank 14 Seiten. Doch laut dem Deckblatt des Faxes müsste das Dokument 21 Seiten haben, schreibt Harald G. Das Schreiben endet auch nicht mit einer Unterschrift oder einer Grußformel, sondern mit einer Reihe von sechs Sternen. Ob es danach noch weiterging, ist offen.

Die BayernLB wollte sich gestern nicht zu den fehlenden Papieren äußern. Die Staatsanwaltschaft ließ eine Anfrage bis Donnerstagabend ebenfalls unbeantwortet.

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