Versicherern werden die Fehler der Manager allmählich zu teuer

- München - Managementfehler können teuer kommen, wenn auch nicht den Verursachern. Dafür sorgen spezielle Versicherungen, die seit mittlerweile drei Jahren für die Assekuranz zum Minusgeschäft geworden sind. Den Versicherern werden die Bosse aber allmählich zu risikoreich und die Fehlleistungen zu teuer, so dass sich die Bedingungen in den Policen erheblich verschärfen dürften.

<P>So genannte Directors-and-Officers-Policen (D&O) - das ist eine Art Berufshaftpflicht für Vorstände _ decken die Vermögensschäden bei den ihnen anvertrauten Konzernen ab, erklärt Bijan Daftari. Er ist Deutschland-Manager des US-Versicherers Chubb, der zusammen mit der American International Group diese Sparte der Assekuranz global dominiert.</P><P>D&O-Policen seien mittlerweile sehr populär, freut sich Daftari. Was ihm weniger behagt, ist das steigende Schadensvolumen. "Richtig los ging es 2001", erinnert sich der Assekuranz-Experte. Seitdem sei die Sparte branchenweit defizitär. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt für vergangenes Jahr in Deutschland ein Prämienaufkommen von 300 Millionen Euro, denen aber rund doppelt so hohe Zahlungen für Managementfehler gegenüberstehen.</P><P>Ob die offenkundige Misere auf eine sinkende Qualität des Managens zurückgeht, will weder Daftari noch die Münchner Allianz, die ebenfalls bei D & O mitmischt, offiziell beurteilen. Für den Schadensboom verantwortlich machen sie die Fusionitis und Übernahmeschlachten zum Ende des vergangenen Jahrtausends, deren vielfaches Scheitern heute offene Rechnungen beschert. Heute hätten alle Dax-Firmen und zunehmend auch viele Mittelständler solche Policen, die aus Firmenvermögen bezahlt werden, erklärt GDV-Sprecherin Katrin Rüter. </P><P>Erste Großschäden mussten die Versicherer vor etwa fünf Jahren verkraften. Besonders prekär sei die Lage in dieser Sparte hier zu Lande, weil in Deutschland anders als in anderen Ländern nicht nur Außenstehende, sondern auch Unternehmen gegen ihre eigenen Vorstände klagen können, meint Daftari. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Münchner Film- und Sportrechtehändler EM.TV, der von seinem Ex-Management um Firmengründer Thomas Haffa 130 Millionen Euro Schadenersatz fordert. Gut 100 Millionen Euro davon sind über eine D&O-Police abgedeckt.</P><P>Derzeit kursieren einige prominente Fälle. Zum Beispiel die Klage von US-Milliardär Kirk Kerkorian gegen Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, weil dieser seinerzeit bei der Übernahme von Chrysler eine Fusion unter Gleichen vorgetäuscht habe. Kerkorian wollte ursprünglich 22 Milliarden Dollar. Im August 2003 wurde ein Vergleich über 300 Millionen Dollar geschlossen. Gerüchte, wonach Daimler-Chrysler mit einem ungenannten Versicherer über den D&O-Fall Schrempp verhandelt, dessen Dimensionen fast das gesamte hiesige Prämienvolumen eines Jahres ausmachen, bestätigt niemand. </P><P>Solche Szenarien lassen die Assekuranz aber nun aktiv werden. Künftig würden die Policen wesentlich schärferen Bedingungen unterzogen, warnt Daftari. Es werde mehr Ausschlussklauseln, eine Begrenzung der Haftungssummen und höhere Prämien geben. Die Gefahr, dass die Nachfrage nicht mehr gedeckt wird, bestehe somit latent, vor allem bei Großrisiken. Als solche definiert die Branche Versicherungsnehmer, die in den USA sowie Branchen wie Bio- oder Informationstechnologie tätig seien oder an der Börse notieren. Insofern werden Managementfehler nun zunehmend auch für ihre Verursacher riskant.</P>

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