Versicherungen: Was ein Lehrling wirklich braucht

München - Was muss sein, was ist überflüssig? Wer vor dem Einstieg ins Berufsleben steht, sollte genau darauf achten, welche Versicherungen er wirklich braucht.

Rund eine halbe Million Schulabgänger starten in den kommenden Wochen eine Ausbildung. Für Versicherer sind die Berufseinsteiger eine interessante Zielgruppe: Denn Azubis brauchen erstmals eigenen Versicherungsschutz. Unzählige Vermittler von Assekuranzen schwärmen daher aus, um möglichst viele junge Neukunden zu gewinnen.

Allerdings mache nicht jedes Rundum-Sorglos-Angebot Sinn, sagt Lilo Blunck vom Bund der Versicherten. Vom Abschluss einer Lebensversicherung profitiere in erster Linie der Verkäufer. Für die wichtige Berufsunfähigkeitspolice habe der Kunde dann oft kein Geld mehr übrig. Sie rät: Vor jeder Unterschrift erst mal schlaumachen. Und nach günstigen Singletarifen fragen. Auch Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz betont, viele Verträge seien zu teuer für den schmalen Azubi-Geldbeutel, andere schlichtweg überflüssig. Folgende Tipps helfen bei der optimalen Auswahl.

Krankenversicherung

Daran führt kein Weg vorbei, sobald Lohnzahlungen fließen. Auszubildende sind in der Regel pflichtversichert und damit Mitglieder in der gesetzlichen Krankenkasse. Ratsam ist, sich möglichst rasch für eine bestimmte Kasse zu entscheiden, sonst legt der Arbeitgeber die Absicherung fest. Auch von Azubis wird bei der Krankekasse der einheitliche Beitragssatz von derzeit 14,9 Prozent vom Einkommen verlangt.

Privathaftpflicht

Diese Versicherung ist unverzichtbar. Sie schützt, wenn man Schäden bei anderen verursacht. Haben die Eltern eine Haftpflichtpolice, brauchen Azubis aber noch keine eigene abschließen. Sie sind in ihrer Lehrzeit auch als Volljährige mitversichert und können sich eigene Beiträge sparen. Nur bei Heirat muss ein eigener Vertrag her.

Hausrat

Solange der Azubi noch zu Hause wohnt, ist eine Extra-Police unnötig. Auch in der ersten, sparsam möblierten Wohnung wird diese Versicherung in der Regel nicht gebraucht. Nur wer schon in der Lehre hochwertigen Hausrat anschafft, sollte über eine Absicherung nachdenken. Die Police deckt üblicherweise Einbruchdiebstahl, Brand, Blitzschlag, Explosion oder Schäden durch Rohrbrüche und Sturm ab.

Berufsunfähigkeit

Auf diesen Schutz sollte kein junger Mensch verzichten, auch wenn er nicht gerade günstig ist. Die BU-Police springt ein, wenn der Versicherte nach einem Unfall oder wegen Krankheit nicht mehr arbeiten kann. Die gesetzliche Rentenversicherung überweist erst nach fünf Jahren Beitragszahlung eine minimale Rente.

Für die BU gilt: Je früher abgeschlossen, desto günstiger. Die Police sollte außerdem so hoch und so lange wie möglich vereinbart werden - etwa für eine monatliche Rente von 1000 Euro und einer Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr.

Je nach Berufsrisiko fallen die Kosten unterschiedlich aus. Wichtig ist die „Nachversicherungsgarantie“. Damit lässt sich nach der Ausbildung - wenn das Einkommen steigt - die Rente ohne Gesundheitsprüfung erhöhen.

Unfallversicherung

Wer noch finanziellen Spielraum hat, kann sich damit zusätzlich absichern. Die BU springt erst ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit ein. Die Unfallversicherung zahlt bereits ab 1 Prozent Invalidität infolge eines Unfalls.

Als Faustregel für die Höhe der Versicherungssumme gilt: Monatsbedarf mal 200. Wer beispielsweise glaubt, monatlich mit 1000 Euro über die Runden zu kommen, sollte eine Versicherungssumme über 200 000 Euro abschließen. Die Kosten für einen Vertrag über 100 000 Euro: Ab 60 Euro im Jahr, je nach Geschlecht und Beruf.

Altersvorsorge

Selbst wenn der Ruhestand für Azubis noch weit weg ist, sollten Berufseinsteiger neben der gesetzlichen Rente ein Extra-Polster fürs Alter ansparen. Zum Beispiel mit einem Riester-Vertrag, der vom Staat gefördert wird. Wer von seinem Bruttoeinkommen 4 Prozent spart, bekommt 154 Euro im Jahr an Zulage dazu.

Lebensversicherung

Die Kapitallebensversicherung sei für Azubis überflüssig, winken Verbraucherschützer ab. Denn wer unterschreibt, verpflichtet sich meist bis ins Alter zu regelmäßigen Zahlungen - möchte man früher wieder raus, muss man dafür zahlen. Wer am Vertrag verdient, ist vor allem der Vermittler. Auch die deutlich günstigere Risikolebensversicherung ist nur dann sinnvoll, wenn es gilt, die Versorgung von Angehörigen im Todesfall sicherzustellen. Dies ist im Ausbildungsalter meist nicht der Fall.

Berrit Gräber

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