Versicherungsleistung: Die Allianz holt auch den Kammerjäger

- München - Bei einem Schaden gibt es Geld. Dieser uralte Grundsatz der Versicherungswirtschaft gilt in dieser Form bald nicht mehr. Der Branchenriese Allianz macht den Anfang. Er bietet zunehmend Leistungen an, die mit dem Kerngeschäft, Risiken finanziell abzusichern, wenig zu tun haben: Modell ist der Schutzbrief, wie man ihn als Autofahrer kennt.

<P>Ab April gibt es nach diesem Modell einen Haus- und Wohnungsschutzbrief. Wenn man sich aus der Wohnung ausgesperrt hat, schickt die Allianz den Schlüsseldienst. Ist ein Abflussrohr verstopft, holt die Versicherung den Fachmann oder bei Schädlingsbefall den Kammerjäger. Bei Heizungsausfall wird ebenfalls die Hilfe organisiert. 4,86 Euro soll der Schutzbrief, der ab April angeboten wird, monatlich kosten.<P>"Es geht nicht um Geldleistungen, sondern um Organisation", sagt Privatkunden-Vorstand Karl-Walter Gutberlet. Dabei sucht die Allianz nicht nur nach zusätzlichem Geschäft. Sie nutzt bereits vorhandene Ressourcen. Der Versicherungskonzern hat die Tochter "Agema", die vor allem den riesigen Immobilienbestand des Konzerns managt. Um das Netzwerk von Handwerkern und anderen Dienstleistern optimal auszulasten, muss, wie Gutberlet sagt, "die Grundlast organisiert" werden. Der neue Schutzbrief soll der Allianz dabei helfen.<P>Im Juli folgt ein ähnliches Produkt, das vor allem eine klassische Unfallversicherung für ältere Menschen umfasst, aber zusätzlich nach Schutzbrief-Vorbild praktische und aktive Hilfe bietet: So werden Pflegeleistungen organisiert, Hilfestellung im Umgang mit Behörden geleistet oder ein Hausnotruf organisiert. Weitere ähnliche Angebote werden bald folgen. "Assistance-Leistungen" werden künftig als eigene Produkte vermarktet, gibt Gutberlet die Linie vor.<P>Dabei brachte im vergangenen Jahr auch das Versicherungsgeschäft wieder Geld in die Allianz-Kassen. 2002 hatte nur der hohe Ertrag der Kapitalanlagen die Allianz-Sachgruppe in die Gewinnzone gewuchtet. Allerdings mussten damals sowohl die ostdeutsche Hochwasserkatastrophe als auch mehrere große Sturmschäden bewältigt werden. So etwas war im Jahrhundertsommer 2003 nicht zu verkraften.<P>Auch die die Kfz-Versicherung wirft nun wieder Gewinne ab. Das liegt zum Teil daran, dass die Zahl der Unfälle zurückgeht. Zum anderen hat sich die Allianz vom wenig lukrativen Geschäft bei der Versicherung von Kfz-Flotten getrennt. Nachdem auch in den ersten Monaten 2004 sinkende Schäden verzeichnet werden, sieht Reiner Hagemann, Chef der Allianz Sachgruppe "keine breite Erhöhungsrunde". Eher dürften die Beiträge sinken.<P>Das ist nicht in allen Bereichen so: Manager etwa, die für Fehlleistungen haften, müssen tiefer in die Tasche greifen, wenn sie das - gestiegene - Risiko bei der Allianz über die, wie es im Versicherungs-Denglisch heißt "Directors and Officers-Versicherung" absichern wollen.<P>Sorgenkind der Allianz ist auch die Wohngebäudeversicherung. Hier will die Allianz nicht nur über die Beiträge gegensteuern. Häuser werden erst einmal unter die Lupe genommen. Ist das Wasserleitungsnetz marode, muss es saniert werden, bevor die Allianz das Haus gegen Rohrbrüche versichert. Bei der Rechtsschutzversicherung machen dagegen nicht hohe Schadenszahlen zu schaffen. Durch neue Gebühren für Richter und Anwälte werden die Kosten dafür um 21 Prozent ansteigen, rechnet Gutberlet. Die Allianz wird versuchen, dies nicht mit höheren Beiträgen, sondern über neue Selbstbehaltvarianten in der abzufangen.</P>

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