Versorger fordern mehr für Strom

- München - Die bayerischen Verbraucher müssen sich auf weiter steigende Strompreise gefasst machen. So haben zahlreiche Energieversorger im Freistaat Anträge auf höhere Tarife ab 1. Januar eingereicht. Zusätzlich werden die Rechnungen durch den Aufschlag bei der Mehrwertsteuer belastet. Die Bundesnetzagentur (BNA) rechnet dennoch langfristig mit sinkenden Strompreisen. Das Führungspersonal der bayerischen Versorger dürften sich den 15. August dick im Kalender markiert haben.

Denn der gestrige Mittwoch galt in der Branche als Stichtag, bis zu dem Unternehmen bei den zuständigen Behörden Erhöhungen ihrer Stromtarife beantragen konnten, die zum Jahreswechsel in Kraft treten sollen. Prompt bekamen das Wirtschaftsministerium, das über die Anliegen der großen Anbieter entscheidet, und die Bezirksregierungen, die für die kleineren Versorger zuständig sind, noch Post. Im Ministerium gingen Schreiben von den Lechwerken (Schwaben) und N-Ergie (Franken) ein, wie eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung bestätigte.

Einige Tage zuvor hatte bereits der größte Versorger im Freistaat, Eon Bayern, eine Erhöhung der Tarife angefordert. Bei der Regierung von Oberbayern lagen bis zum Nachmittag 47 Anträge vor. Sprecher Thomas Huber erklärte auf Nachfrage jedoch: "Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Tagen noch Anträge eingehen." Diese würden eventuell auch bis Januar berücksichtigt. Offen blieb, wie hoch die gewünschten Preisaufschläge sind. Huber erklärte lediglich, die Forderungen bewegten sich im Schnitt bei zehn Prozent. Das Ministerium gab keine Auskunft.

Im letzten Jahr hatten die drei großen Versorger im Schnitt sechs Prozent mehr beantragt -rund drei wurden bewilligt. Die Durchsicht der Anträge wird nach Angaben der Behörden mehrere Wochen dauern. Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber hatte bereits erklärt, im Sinne der Verbraucher "einen harten Maßstab" anzulegen. Eine kategorische Ablehnung der Erhöhungen wird es, wie in anderen Bundesländern angekündigt, aber nicht geben. "Die Prüfung wird gemäß der Bundestarifordnung Elektrizität erfolgen", heißt es im Ministerium. In der ist vorgeschrieben, dass ein Preisaufschlag nur genehmigt werden darf, wenn der Versorger die wirtschaftliche Notwendigkeit nachweisen kann.

Verbraucherschützer kritisierten die Forderungen der Stromfirmen, die nicht nur in Bayern, sondern bundesweit mehr für Energie aus der Steckdose verlangen wollen: "Das ist unanständig", sagte Energieverbraucher-Bund: "Das ist unanständig" der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters. Die Konzerne würden Rekordgewinne einfahren und die Preise erhöhen, um ihre Profite noch höher zu treiben. Auch der Energie-Fachmann des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Holger Krawinkel, erklärte erneut, die beabsichtigten Anhebungen seien nicht gerechtfertigt.

Die höheren Beschaffungskosten, mit denen die Versorger argumentieren, würden diese an der Leipziger Strombörse selber diktieren. Krawinkel: "Die Preise müssten eigentlich niedriger ausfallen, weil die Erzeugungspreise um die Hälfte niedriger liegen als das, was an der Börse gehandelt wird." Die aktuelle Strompreis- Runde wird die letzte dieser Art sein. Denn ab 30. Juni 2007 entfällt die Genehmigungspflicht der Länder für die Tarife. Doch die Versorger werden dann nicht nach eigenem Gutdünken Preise setzen können, da die Netzagentur die Netzentgelte überwacht. Diese Durchleitungsgebühren machen ein Drittel des Strompreises aus und wurden bereits bei mehreren Anbietern gekürzt. "Das wird längerfristig auch bei den Endkunden ankommen", heißt es bei der BNA.

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