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Wer sich auf Nachwuchs freut, kann sich und seinem Kind mit richtiger Planung viel Gutes tun.

Was werdende eltern wissen sollten – Teil 1

Gut versorgt schon vor der Geburt

Wer ein Kind erwartet, macht sich vor allem Gedanken über medizinische Fragen. Doch in der Schwangerschaft und rund um die Geburt sind auch rechtliche und finanzielle Aspekte zu berücksichtigen. Wir erklären in zwei Folgen, worauf Sie dabei achten sollten – heute: in der Schwangerschaft.

Mitteilung an den Arbeitgeber

Auch wenn viele Paare eine Schwangerschaft zunächst für sich behalten, sollte dabei eine Ausnahme gemacht werden: Eine werdende Mutter sollte umgehend ihren Arbeitgeber informieren. Denn vom Beginn der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Entbindung besteht laut Mutterschutzgesetz ein Kündigungsverbot. Nur in Ausnahmefällen – etwa bei einer Insolvenz – kann der Arbeitgeber dann eine Kündigung aussprechen. Zudem sind Schwangere am Arbeitsplatz besonders zu schützen. Sie dürfen nicht mit gefährlichen oder schweren körperlichen Tätigkeiten belastet werden. Die Mitteilung an den Arbeitgeber sollte aus Beweisgründen schriftlich erfolgen. Oft gibt es eine entsprechende Bescheinigung beim Frauenarzt. Eine formlose Mitteilung genügt aber meist auch.

Wechsel der Lohnsteuerklasse

In vielen Fällen lohnt sich ein Wechsel der Steuerklasse aus Anlass der Schwangerschaft. Beide Eltern können nach der Geburt des Kindes insgesamt bis zu 14 Monate lang Elterngeld vom Staat kassieren. Wie viel man bekommt, berechnet sich nach der Höhe des Nettoeinkommens in den zwölf Monaten vor dem Monat der Geburt. Und dieses Einkommen lässt sich durch die Wahl der Lohnsteuerklasse beeinflussen. Die Klasse III sieht geringere Abzüge vor als die Klassen IV und V.

Deshalb ist es oft empfehlenswert, dass der Partner, der die Elternzeit allein oder in größerem Ausmaß beansprucht, in die günstigere Steuerklasse III wechselt. Der andere Partner muss dann zwar die ungünstigere Steuerklasse V auf sich nehmen. Doch unterm Strich zahlt man dadurch nicht mehr Steuern. Mit der Lohnsteuererklärung wird wieder der Ausgleich geschaffen. Der Haken: Auch andere staatliche Leistungen – etwa Arbeitslosengeld – werden nach dem Nettoeinkommen berechnet. Wird der steuerlich schlechter gestellte Partner davon abhängig, kann er Nachteile erleiden.

Für den Wechsel muss die Lohnsteuerkarte beim Arbeitgeber geholt und bei der Kommune am Wohnort eingereicht werden. Ist die neue Steuerklasse eingetragen, muss die Karte zurück zum Arbeitgeber. Dass dieser Trick legal ist, hat das Bundessozialgericht jüngst bestätigt (Az.: B 10 EG 3/08 R und B 10 EG 4/08 R).

Anmeldung beim Krankenhaus

Die meisten Mütter entbinden im Krankenhaus . Die Anmeldung zur Entbindung sollte so früh wie möglich erfolgen. Sonst kann es passieren, dass die Wunsch-Klinik mangels Kapazitäten die Anmeldung nicht mehr akzeptieren kann. Das Klinikum Dritter Orden in München etwa empfiehlt die Anmeldung in der achten Schwangerschaftswoche.

Vormerkung beim Kindergarten

Auch wenn die Frage nach Kinderkrippe und Kindergarten verfrüht scheint, ist es vielerorts unumgänglich, sich mit diesem Thema zu befassen. In der Regel führen Kindergärten und Kinderkrippen oder die Kommunen Anmeldelisten, auf die man sich schnellstmöglich setzen lassen sollte, um die Chance auf eine spätere Kinderbetreuung zu wahren.

Überprüfung der Versicherungen

Vor der Geburt sollte man den Versicherungsschutz überprüfen. Zwar ist ein Abschluss von Verträgen für das Kind erst nach der Geburt relevant. Doch kann man wesentliche Vorbereitungen treffen, um sich spätere Mühe zu ersparen.

  • Der Wert des Hausrats dürfte durch Anschaffungen für das Neugeborene in der Regel nicht extrem wachsen. Dennoch schadet es nicht zu überprüfen, ob die Versicherungssumme der Hausrat-Police angemessen ist.
  • Bei der Familien-Haftpflicht, wie sie meist auch Paare haben, sind Kinder laut dem Bund der Versicherten automatisch mitversichert und müssen nicht eigens gemeldet werden. Lediglich bei speziellen Single-Haftpflichtversicherungen sei das nicht der Fall. Dann sei ein Umstieg auf einen Familientarif sinnvoll.
  • Erleidet das Kind einen Unfall oder erkrankt es schwer, kann es womöglich nie selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen. Deshalb empfiehlt die Stiftung Warentest eine Unfallversicherung oder Kinderinvaliditätsversicherung (diese zahlt nicht nur bei Unfall , sondern auch bei Krankheit).
  • Unausweichlich ist eine Krankenversicherung für das Kind. Sind beide Eltern gesetzlich versichert, werden Söhne und Töchter kostenlos mitversichert. Haben beide Eltern eine Privatversicherung, muss auch für das Kind eine private Police abgeschlossen werden. Zwar kann man dies grundsätzlich bei jeder beliebigen Gesellschaft erledigen. Doch oft sei es vorteilhaft, das Kind bei einem Anbieter zu versichern, bei dem bereits Vater oder Mutter einen Vertrag hat, rät die Unabhängige Patientenberatung Deutschland.

Ist ein Elternteil privat und der andere gesetzlich versichert, hängt es von den Einkommensverhältnissen ab, wie das Kind zu versichern ist. Daumenregel: Oft ist das Kind so zu versichern wie der besserverdienende Elternteil. Ist zumindest ein Elternteil beihilfeberechtigt, hat auch das Kind Beihilfeanspruch.

Die Schwangerschaft selbst muss der Krankenversicherung nicht mitgeteilt werden. Wenn das Kind auf der Welt ist, sollte man aber zeitnah die Kasse informieren bzw. einen privaten Vertrag abschließen.

Antrag auf Mutterschaftsgeld

Gesetzlich krankenversicherte Mütter haben in der Regel Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Dieses soll Lohneinbußen in der Zeit des Mutterschutzes (meist sechs Wochen vor der Geburt und acht Wochen danach) ausgleichen. Der Antrag kann frühestens sieben Wochen vor dem erwarteten Geburtstermin gestellt werden. Ansprechpartner ist die gesetzliche Kasse oder das Bundesversicherungsamt.

von Dominik Müller

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