+
Anzeigetafel mit verspäteten Flügen am Flughafen Berlin-Schönefeld. Foto: Hannibal/Archiv

Verspäteter Urlaubsflug: Streit wird am EuGH entschieden

Der Flieger zu spät, der Anschluss schon weg: Am Ende landete eine deutsche Urlauberfamilie 14 Stunden zu spät auf Fuerteventura. Ob die Airline für den Ärger geradestehen muss, ist trotzdem fraglich.

Karlsruhe (dpa) - Ein Streit deutscher Urlauber um Geldansprüche wegen eines verspäteten Flugs wird zum Fall für den Europäischen Gerichtshof. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bat nach der Verhandlung am Dienstag die Luxemburger Richter um eine Entscheidung.

Die Eheleute wollten mit ihren beiden Töchtern 2012 von Hamburg über Gran Canaria nach Fuerteventura reisen. Weil der erste Flieger eine kleine Verspätung hatte, verpassten sie ihren Anschluss und kamen 14 Stunden zu spät an.

Grundsätzlich stehen Passagieren bei einem innereuropäischen Flug dieser Entfernung 400 Euro von der Airline zu, wenn sie drei oder mehr Stunden zu spät am Ziel sind - egal ob mit oder ohne Zwischenstopp. Neu an dem Fall ist, dass zwar beide Flüge bei einem Reiseveranstalter gebucht wurden, aber über verschiedene Fluggesellschaften liefen. Daher ist unklar, ob die erste Airline verantwortlich gemacht werden kann. (Az. X ZR 138/15)

Die Karlsruher Richter neigen dazu, den Touristen das Geld trotzdem zuzusprechen, wie aus der Mitteilung zu dem Beschluss hervorgeht. Dieses Ergebnis lasse sich aber aus dem EU-Recht "nicht hinreichend sicher ableiten". Demnach gilt als Endziel der Ort auf dem Flugschein. Die erste Airline hatte aber keinen Schein für beide Flüge ausgegeben. Es gibt nur die Bestätigung des Veranstalters. Keinen Anspruch haben Reisende bei zwei separat gebuchten Flügen.

Für die betroffene Fluggesellschaft Tuifly hatte BGH-Anwalt Hans-Eike Keller zuvor vorgebracht, dass diese mit dem zweiten Flug gar nichts zu tun gehabt habe. "Insoweit kann ihr keine Haftung auferlegt werden." Die Reisenden seien deshalb auch nicht schutzlos - sie könnten sich mit ihren Forderungen ja an den Veranstalter wenden. So hatten auch Amts- und Landgericht Hamburg den Fall gesehen.

Bei größeren Verspätungen, kurzfristig gestrichenen oder überbuchten Flügen haben Passagiere in der EU seit 2005 Anspruch auf finanziellen Ausgleich. Die Airlines wollen aber nicht immer zahlen. Die Gerichte haben schon viele Streitfälle entschieden. Ein hochumstrittener Vorschlag der EU-Kommission für eine Reform liegt derzeit auf Eis.

BGH-Mitteilung zu dem Beschluss

Urteil des Landgerichts Hamburg vom 6. November 2015

Luftfahrt-Bundesamt zu Fluggast-Rechten

Schlichtungsstelle zu Fluggast-Rechten

Infos der EU zu Fluggast-Rechten

Fluggastrechte-Verordnung der EU von 2004

Neue Leitlinien der EU-Kommission zu Fluggast-Rechten

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kaufpreise galoppieren Mieten in Deutschland davon - Diese Stadt ist besonders betroffen
Kaufpreise für Immobilien in Deutschland sind rasant und stark gesteigen. Eine Stadt ist besonders betroffen - und es ist nicht München. 
Kaufpreise galoppieren Mieten in Deutschland davon - Diese Stadt ist besonders betroffen
Krise in der Einkaufsstraße: Modehandel verliert immer mehr Kunden
Mit Rabatten von bis zu 70 Prozent versucht der Modehandel in diesen Tagen noch einmal, die Kunden in die Innenstädte zu locken. Das ist auch bitter nötig, denn das …
Krise in der Einkaufsstraße: Modehandel verliert immer mehr Kunden
Nächste Brüsseler Milliarden-Strafe für Google
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager lässt Google nicht vom Haken: Nach einer ersten Rekordstrafe von 2,42 Milliarden Dollar soll der Internet-Konzern im …
Nächste Brüsseler Milliarden-Strafe für Google
Scout24 übernimmt Finanzcheck.de
Frankfurt/Main (dpa) - Der Online-Portalbetreiber Scout24 übernimmt das Finanzportal Finanzcheck.de. Der Kaufpreis beläuft sich auf 285 Millionen Euro, wie der …
Scout24 übernimmt Finanzcheck.de

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.