Verspätung, Ausfall, Überbuchung: Diese Rechte haben Passagiere

- Kundenservice kann so einfach sein: Weil sein Zug am Ziel mehr als eine Stunde Verspätung hatte, füllte der Reisende am Fahrkartenschalter ein Formular aus, legte seine Fahrkarte dazu, packte das Ganze in den dazugehörigen Freiumschlag und warf es in den Briefkasten. Kurz darauf bekam er den gesamten Fahrpreis erstattet - von den Niederländischen Eisenbahnen.

<P>Von solchen Verhältnissen kann man in Deutschland nur träumen: "Es gibt so gut wie keine klaren gesetzli-chen Kundenrechte für Bus und Bahn", sagt Otmar Lell vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Im Gegenteil - Gesetze, etwa die Eisenbahnverkehrsordnung, schließen eine Haftung ausdrücklich aus: "Verspätung oder Ausfall eines Zuges begründen keinen Anspruch auf Entschädigung."<BR><BR>Bahn</P><P>In der Praxis sieht es allerdings oft besser aus, denn viele Unternehmen haben sich freiwillige Verpflichtungen auferlegt. Dazu gehört auch die Deutsche Bahn (DB). Ihre Kundencharta regelt beispielsweise, dass dem Kunden 20 Prozent des Fahrpreises als Gutschein erstattet werden, wenn ein Fernverkehrszug (ICE, IC/EC, IR) im nationalen Verkehr mehr als eine Stunde Verspätung hat. Wer seine Reise wegen eines verpassten Anschlusses nicht bis Mitternacht fortsetzen kann, dem stehen maximal 80 Euro für eine Hotelübernachtung oder ein Taxi zu - immer vorausgesetzt, die DB hat die Gründe für die Verspätung zu vertreten. <BR><BR>Bei höherer Gewalt, Verschulden des Reisenden oder Eingriffen in den Bahnverkehr von außen (etwa durch einen Unfall) haftet die Bahn nicht. Was nicht jeder weiß: Bestimmte Rechte stehen DB-Kunden immer zu, unabhängig von der Schuldfrage. Dazu gehört das Recht, bei einem wegen einer Zugverspätung verpassten Anschluss mit dem nächstfolgenden Zug weiterzufahren - auch wenn dieser teurer als die ursprünglich geplante Verbindung sein sollte. Alternativ kann man ohne weiteren Aufpreis zum Ausgangspunkt zurückkehren oder die Fahrt abbrechen und den Preis der verbleibenden Reststrecke zurückfordern.<BR><BR>Nahverkehr</P><P>Auch bei Bussen und Bahnen im öffentlichen Nahverkehr fehlen gesetzliche Regelungen der Kundenrechte. "Insbesondere bei Entschädigungen für Verspätungen oder Ausfälle klafft eine große Lücke", kritisiert Lell. Sie sind schlicht nicht vorgesehen. Wenn der Kunde Glück hat, ist er mit einem Unternehmen unterwegs, das freiwillig bestimmte Garantien gewährt. So besteht im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Möglichkeit, bei Verspätungen von mehr als 20 Minuten auf einen Fernverkehrszug oder ein Taxi umzusteigen und sich bis zu 30 Euro der Kosten zurückzuholen. In Berlin und München gibt es in solchen Fällen wenigstens einen Gratis-Fahrschein. Allerdings gelten diese Regelungen meist nur dann, wenn das Verkehrsunternehmen die Verspätungen zu verantworten hat - also wenn beispielsweise die Straßenbahn kaputt war oder der Busfahrer verschlafen hat. Wetter und Verkehrsbehinderungen dagegen rechtfertigen in aller Regel keine Ersatzansprüche. Der Kunde kann sich nur beim Unternehmen beschweren und auf Kulanz hoffen. Lell rät: "Bei Mängeln beschweren - und hartnäckig bleiben, wenn sich nicht sofort etwas tut."<BR><BR>Flugzeug</P><P>Dass es auch anders geht, zeigt die EU-Richtlinie, die seit 17. Februar gilt und Flugreisende europaweit deutlich besser stellt als zuvor. Bei überbuchten oder gestrichenen Flügen stehen ihnen jetzt bis zu 600 Euro Entschädigung zu - unabhängig vom Ticketpreis. Vorher waren vor allem Kunden der Billigflieger schlecht dran: Sie bekamen maximal den Ticketpreis erstattet, oft nur wenige Euro. Seit Februar erhalten sie beispielsweise dann, wenn sie wegen Überbuchung bei einem Flug bis 1500 Kilometer nicht mitkommen, 250 Euro Entschädigung - zusätzlich zu den Ticketkosten.<BR><BR>Schlichtung</P><P>Seit 2004 gibt es eine Schlichtungsstelle, die bei Problemen im Fernverkehr eine Einigung herbeiführen soll. Sie ist telefonisch unter 030/4 69 97 00 sowie im Internet unter www.schlichtungsstelle-mobilitaet.org zu erreichen.<BR></P><P> </P>

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