Verteidiger erheben schwere Vorwürfe gegen VW

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Braunschweig (dpa) - Im Prozess der VW-Affäre gegen den früheren Betriebsratschef Klaus Volkert und Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer hat die Verteidigung schwere Vorwürfe gegen den VW-Konzern erhoben.

Volkerts Verteidiger Johann Schwenn sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Braunschweig, VW versuche möglicherweise, Zeugen an wahrheitsgemäßen Angaben zu hindern. Man müsse davon ausgehen, dass Zeugen, die bei VW beschäftigt seien, "regelrecht gecoacht" würden. Gebauers Verteidiger Wolfgang Kubicki sprach von "Drohungen" und dem Versuch, Zeugen einzuschüchtern. VW wies die Vorwürfe "entschieden" zurück: "Wer die Wahrheit sagt, muss sich nicht vor einer Strafanzeige fürchten", teilte der Autobauer mit.

Am Montag hatte der Prozess in der Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten für einen Paukenschlag gesorgt. Nach Hinweisen eines Informanten will die Staatsanwaltschaft näher prüfen, ob der frühere VW-Vorstandschef und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch doch von den Unregelmäßigkeiten bei VW gewusst haben könnte. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft sollen nun weitere Zeugen zur Rolle Piëchs gehört werden. Darunter sind Ex-VW-Finanzvorstand Bruno Adelt und der heutige Audi-Chef Rupert Stadler, der früher das Generalsekretariat Piëchs bei VW geleitet hatte.

Volkswagen hatte die Vorwürfe gegen Piëch bestritten und erklärt, man prüfe wegen "rufschädigender Behauptungen" eine Strafanzeige wegen Verleumdung. Am Mittwoch betonte VW erneut, der Vorwurf, der Konzern habe schon frühzeitig Kenntnis von den Verfehlungen der Angeklagten Volkert und Gebauer gehabt, sei unwahr. VW sei Opfer der Veruntreuungen Volkerts und Gebauers. "Deshalb hat Volkswagen Anzeige erstattet und deshalb stehen Volkert und Gebauer vor Gericht. Volkswagen ist und bleibt an einer vollständigen und wahrheitsgemäßen Aufklärung der Taten interessiert."

Volkert und Gebauer sind in dem Prozess im Kern wegen Anstiftung zur Untreue beziehungsweise wegen Untreue angeklagt. Bei der Vernehmung erster Zeugen stand am dritten Verhandlungstag das dubiose Abrechnungssystem bei VW im Zusammenhang mit den Lustreisen auf Firmenkosten im Mittelpunkt.

Dabei zeigte der Leiter der Gehaltsabrechnung Führungskräfte bei VW in seiner Zeugenvernehmung Erinnerungslücken - vor allem bei einem Gesprächsvermerk aus dem Jahre 1997. Nach der Notiz hatten er sowie sein Vorgesetzter dem Angeklagten Gebauer in einem Gespräch mitgeteilt, dass seine Ausgaben über sogenannte Eigenbelege Schritt für Schritt verringert werden sollten. Über diese Eigenbelege rechnete Gebauer ohne Limit und ohne jede Kontrolle etwa Lustreisen von Betriebsräten ab. Der Zeuge konnte sich aber nicht daran erinnern, ob es einen konkreten Anlass für das Gespräch gegeben habe. Der Zeuge erschien mit einem Rechtsanwalt als Beistand - nach intensiven Befragungen kam heraus, dass VW diesen Anwalt bezahlt.

Zudem sagte der Zeuge aus, der damalige VW-Personalvorstand Peter Hartz habe ihm telefonisch Sonderbonuszahlungen für Volkert angewiesen. Hartz habe ihm die genauen Beträge genannt, er habe sich dies notiert und nicht nachgefragt. Hartz habe angeordnet, die Sache vertraulich abzuwickeln.

Laut Anklage soll Volkert Hartz dazu angestiftet haben, ihm über Jahre hinweg Sonderboni in Höhe von insgesamt knapp zwei Millionen Euro gezahlt zu haben. Hartz war im Januar nach einem umstrittenen Justiz-"Deal" wegen Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie rund 576 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

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