Vertrödelte Elektroschrott-Richtlinie: Umweltschutz entlastet Bürger nicht

- München - In Deutschland verzögert sich die Umsetzung der europäischen Elektroschrott-Richtlinie. Die Bürger dürfen somit erst ab Ende März 2006 ausrangierte Geräte kostenlos an jedem Wertstoffhof abgeben. Der Haken: Weil dann die Hersteller den E-Müll entsorgen müssen, werden die Preise für Neugeräte steigen.

FCKW in der Gefriertruhe, Blei im Röhren-Monitor, Quecksilber in der Energiesparlampe - nur die wenigsten Konsumenten wissen, dass ökologisch bedenkliche Stoffe in vielen mit Strom betriebenen Geräten stecken. Solange diese in Gebrauch sind, ist das auch unbedenklich. Gefährlich wird es jedoch, wenn Teile ausgewechselt werden. Denn: 90 Prozent der Altgeräte - 5,4 Millionen Tonnen - landen EU-weit jedes Jahr einfach in der Mülltonne. Dadurch können die verbauten Schadstoffe in die Umwelt gelangen und Luft, Wasser oder Boden verseuchen.

Um für ein schonendes Recycling zu sorgen, ist die EU-Kommission aktiv geworden und hat Anfang 2003 die so genannte Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte verabschiedet. Wesentliche Vorgaben: Es sollen Sammelstellen eingerichtet werden, bei denen die EU-Bürger Elektroschrott kostenfrei abgeben können. Und: Die Gerätehersteller sollen das System finanzieren und auch die spätere Entsorgung übernehmen. Um dies in nationales Recht zu übersetzen, gab die Brüsseler Behörde den EU-Mitgliedsstaaten Zeit bis 13. August 2005 - diesem Samstag.

Aber während die Regelung etwa in Österreich pünktlich in Kraft tritt, passiert in Deutschland zunächst fast nichts. "Weil sich der Gesetzgeber Zeit gelassen hat", wie es hinter vorgehaltener Hand heißt.

Zwar gibt es bereits ein Gesetz, das "ElektroG". Wie ein Sprecher des Bundesumweltministeriums unserer Zeitung sagte, tritt erst einmal jedoch nur eine darin formulierte Kennzeichnungspflicht in Kraft. Demnach muss ab diesem Wochenende auf allen in Deutschland verkauften Elektrogeräten ein Sticker mit einer durchgestrichenen Mülltonne kleben - "um den Verbrauchern zu zeigen, dass sie diese Produkte nicht einfach wegschmeißen dürfen", wie die EU-Kommission vorschreibt. Der Haushaltsgeräte-Hersteller Bosch Siemens Hausgeräte aus München bestätigte auf Nachfrage: "Wir werden ab diesem Wochenende kennzeichnen."

Kühlschränke, PCs und Fernseher werden teurer

Der Kern des Gesetzes tritt hingegen erst am 24. März 2006 in Kraft, wie es vom Umweltministerium heißt. Ab dann können die Verbraucher Kühlschrank, Computer und Co. am nächsten Wertstoffhof abgeben, ohne dafür zahlen zu müssen. Bislang erheben manche Gemeinden für die Entgegennahme je nach Gewicht und Gerät eine Gebühr von bis zu 30 Euro und mehr.

Allerdings wird den Verbrauchern diese künftige Ersparnis an anderer Stelle wieder aus der Tasche genommen. Denn: Die Produzenten wird die Elektroschrott-Richtlinie allein in Deutschland bis zu 500 Millionen Euro jährlich kosten, wie die Branchenverbände ZVEI und Bitkom schätzen. So müssen sie dafür sorgen, dass tonnenweise Altgeräte von den Recyclinghöfen abgeholt und anschließend umweltgerecht zerlegt werden. "Der Mehraufwand wird zumindest zum Teil auf die Konsumenten umgelegt", sagt Mario Tobias, Umwelt-Experte bei Bitkom.

Die EU-Kommission rechnet damit, dass sich Kühlschränke oder Fernseher um drei Prozent, andere Geräte um mindestens ein Prozent verteuern. Angesichts des Nutzens der Richtlinie sei dieser Preisanstieg aber gerechtfertigt.

Informationen im Internet: www.altgeraete.org

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