Veruntreuung: Finanzaffäre bei Siemens weitet sich aus

- München - ­ Die Finanzaffäre bei Siemens weitet sich aus. Offenbar ist ein zweiter ehemaliger Vorstand des Bereichs Kommunikation in den Skandal verstrickt. Die Ermittlungen haben weit größere Ausmaße angenommen als zunächst erwartet.

Auch am dritten Tag in Folge wurden die Durchsuchungen bei Siemens fortgesetzt, bestätigte der Münchner Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Insgesamt waren bislang rund 300 Beamte an den Aktionen beteiligt. Dabei stehen offenbar zwei ehemalige Bereichsvorstände der Siemens-Kommunikationssparte im Visier der Ermittler. Während die Staatsanwaltschaft bislang nur bestätigt, dass ein früherer Bereichsvorstand der Sparte Com verhaftet wurde, soll ein weiteres Ex-Mitglied aus dem Com-Führungsgremium zu den insgesamt zwölf Verdächtigen zählen.

Nach Informationen dieser Zeitung richten sich die Ermittlungen unter anderem gegen Michael Kutschenreuter, der bei Com als Finanzvorstand tätig war und mittlerweile Chef der Immobilien-sparte Siemens Real Estate ist. Siemens und die Staatsanwaltschaft wollten dies nicht kommentieren. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll außerdem ein 45-jähriger Manager zu den Beschuldigten zählen, der in der Kommunikationssparte für Unternehmenskunden zuständig war und vor etwa einem Jahr den Konzern verließ.

Fünf Verdächtige ­ darunter ein ehemaliger Bereichsvorstand ­ bleiben in Haft. Ihnen und sieben weiteren Personen wird vorgeworfen, rund 20 Millionen Euro aus dem Konzern abgezogen zu haben. Derzeit wird deshalb wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil der Firma Siemens ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Mutmaßlich soll das Geld in ein Netz schwarzer Kassen geflossen sein. Dies könnte dazu gedient haben, Bestechungsgelder an potenzielle Kunden zu zahlen und so Aufträge zu generieren. Laut "SZ" würde deshalb unter anderem ein Projekt bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen untersucht. Auch eine persönliche Bereicherung der Betroffenen wird von den Ermittlern aber nicht ausgeschlossen. Man könne sich noch nicht zu derartigen Details äußern, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

Siemens hat unterdessen bekannt gegeben, seine internen Kontrollsysteme "auf etwaige Lücken hin zu überprüfen". Außerdem werde die Nürnberger Kanzlei Beckstein beauftragt, mit unmittelbarer Wirkung die Funktion eines Ombudsmannes für Siemens zu übernehmen. Dieser soll als externe Vertrauensperson auch für anonyme Hinweise auf gesetzwidrige Vorgänge im Konzern dienen.

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