Verwirrte Raucher: Ohne Chip gibt's keine Zigaretten mehr

- Am 1. Januar wurden die Zigaretten-Automaten zum Zweck des Jugendschutzes umgestellt. Seitdem gibt es Tabakwaren nur noch mit EC-Karte und viele Kunden sind ratlos. Trotz einer halbjährigen Informationskampagne der Tabakhändler wissen viele nicht, wie die Maschinen nun funktionieren. Das liegt auch daran, dass das Kartensystem teilweise recht kompliziert ist.

Spätabends steht Albert Lisker vor einem Zigaretten-Automaten in München und versteht die Welt nicht. Er hat seine EC-Karte eingeschoben, doch auf dem Display leuchtet nur: "Fragen Sie bei Ihrem Kreditinstitut nach." Doris de Vries‘ Karte dagegen akzeptiert der Automat. Doch weil sie kein Geld dabei und die Geldkarte nicht aufgeladen hat, gibt‘s auch für sie keine Zigaretten. "Ich dachte, der Automat bucht das vom Konto ab", sagt sie.

"Bei den Kunden ist ein Infodefizit da", sagt dazu Hans-Werner Sehardt, Chef des Münchner Tabakwaren-Großvertriebs Tabacon.

Voraussetzungen

Tatsächlich müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein, bis es am Automaten klappt. Auf der EC-Karte muss sich ein "goldener" Geldkarten-Chip befinden. Und dieser muss zwar kein Guthaben, wohl aber ein Altersmerkmal speichern, das den Kartenbesitzer als mindestens 16-jährig ausweist.

Die so ausgestattete Karte dient dem Altersnachweis des Kunden. Zahlen kann er auf zwei Arten: mit Münzen oder über die Geldkarten-Funktion. Eine Abbuchung vom Konto geht nicht.

Probleme

Rudolf Ostermeier, Geschäftsführer des gleichnamigen Münchner Tabakwaren-Großvertriebs, schätzt, dass 75 Prozent der EC-Karten automatentauglich sind. Dabei dürften es vor allem Kunden von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken leicht haben. Die Karten seien serienmäßig mit Geldchip als auch Altersmerkmal ausgestattet, sagt Michael Hicke von der Münchner Stadtsparkasse.

Schwieriger läuft es für Kunden von Geschäftsbanken wie Deutscher, Dresdner oder HypoVereinsbank. Bei diesen Instituten hat nicht automatisch jede EC-Karte einen Geldchip. Und nicht jeder Chip speichert automatisch das Alter. Das heißt: Eine Karte mit Chip muss neu angefordert werden, ebenso wie das Altersmerkmal. Doch viele Banken bieten an, Karten kostenlos umzutauschen. Und viele Institute verzeichnen mehr Kartenanträge und Aufladungen des Geldchips.

Schwer haben es 16- und 17-Jährige: Um eine EC-Karte zu bekommen, brauchen sie die Einwilligung ihrer Erziehungsberechtigten.

Umsatzverluste

Außer den Konsumenten scheint niemand echte Probleme zu haben. "Im Großen und Ganzen ist die Umstellung planmäßig gelaufen", sagt Ostermeier. Gastronomen nutzten die "Ziggi-Karte", um ihren Gästen Tabakwaren zu besorgen. Reklamationen seien wenige eingegangen und die meisten Software-Probleme behoben, so Sehardt. Die Tabakwaren-Vertriebe rechnen für die nächsten Monate zwar mit "leichten Absatzverlusten" an Automaten, so Peter Lind, Geschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller. "Aber das dürfte sich danach weitestgehend einpendeln."

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