Verwirrung über E10 erfasst auch Union

München - Nach dem Debakel um den ungeliebten Bio-Sprit E10 sollten sich mit der Wiedereinführung des gewohnten Super die Wogen eigentlich wieder glätten. Doch daraus wird nichts. Jetzt erreicht das Kraftstoff-Chaos auch den Bundestag.

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An vielen Tankstellen in Deutschland gibt es zwar wieder das gewohnte Super-Benzin zu kaufen, doch dafür müssen die Autofahrer oft tiefer in die Tasche greifen. Bei Aral in München beispielsweise kostete Super E5 acht Cent mehr als Super E10, obwohl E5 in der Produktion deutlich billiger ist. Auch in Berlin war E5 teurer als E10. An manchen Tankstellen wird E5 zum gleichen Preis angeboten wie die einstige Premiumsorte Super Plus. „Das ist der dreiste Versuch, den Autofahrern das Geld aus der Tasche zu ziehen“, schimpft ADAC-Sprecher Klaus Reindl. Marktführer Aral wies die Vorwürfe zurück. Man verkaufe schließlich Super in Super-Plus-Qualität mit 98 Oktan.

Die wichtigsten Infos zum E10-Benzin

Bio-Sprit E10: Die wichtigsten Infos

Heute will der Bundestag über die Spritpreise debattieren. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erklärte, die Bundesregierung halte trotz des Chaos bei der Einführung von E10 an dem neuen Superbenzin mit einem zehnprozentigen Ethanolanteil fest. Der neue Kraftstoff sei politisch gewollt, sagte Ramsauer. Dagegen sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU): „Ich glaube nicht, dass sich E10 am Markt halten wird. Die Verbraucher haben entschieden. In vielen Ländern hungern Menschen, da gehört Weizen nicht in den Tank.“

Diesen Vorwurf wiesen die deutschen Bauern sofort zurück: „Wir brauchen Bioenergie, wir brauchen E10“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner. Bioenergie werde gebraucht, um die CO2-Emissionen zu senken. Derzeit würden nur zwei der 18 Millionen Hektar deutscher Agrarfläche für Bioenergie genutzt und mehr als drei Millionen seien nicht geplant. Die „Teller-Tank-Diskussion“ halte er vor diesem Hintergrund für völlig unangebracht.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil forderte staatliche Benzinpreiskontrollen. „Wir prüfen die Einführung einer österreichischen Lösung. Dort darf der Kraftstoffpreis immer gesenkt, aber nur einmal am Tag erhöht werden“, sagte die Verbraucherpolitikerin.

Die beiden größten deutschen Tankstellenkonzerne Aral und Shell hatten angekündigt, dass sie das alte Super mit der Bezeichnung E5 wieder an allen ihren mehr als 4000 Tankstellen anbieten werden (wir berichteten).

Die Mineralölindustrie hatte Superbenzin E10 zu Jahresbeginn eingeführt, weil die Bundesregierung höhere Beiträge des Autoverkehrs zum Klimaschutz fordert. Super E10 besteht zu zehn Prozent aus Ethanol, das aus Weizen und Zuckerrüben hergestellt wird. Bei Super E5 sind es nur bis zu fünf Prozent. Viele Autofahrer sorgen sich, dass ihr Wagen E10 nicht verträgt. Die Autohersteller hatten mehr als 90 Prozent aller Autos E10-Verträglichkeit bescheinigt. Shell nimmt im Zuge der Rückkehr von E5 an alle Stationen die Sorte Super Plus an den betroffenen Tankstellen aus dem Programm. Bei Shell heißt dieser für Sportwagen und andere hoch belastete Motoren gedachte Sprit V-Power. Die Umstellung wird einige Wochen dauern.

Ramsauer appellierte an die Branche, den Verbrauchern das neue Produkt besser zu erklären. Die bisherigen Versuche der Mineralölwirtschaft seien „plump und unbeholfen“ gewesen, die Branche müsse da „schon noch mal ran“. Er gehe davon aus, dass das Bundeskartellamt „sehr genau beobachtet, was die Konzerne da treiben“, zumal der Osterverkehr sehr gern genutzt werde, um die Benzinpreise noch mal in die Höhe zu treiben, sagte der Minister.

Der Mineralölwirtschaftsverband veröffentlichte dagegen eine Umfrage, wonach 75 Prozent der Autofahrer sehr wohl wissen, ob ihr Motor E10 verträgt oder nicht. Dennoch hätten sich nur 22 Prozent der Autofahrer beim letzten Tanken für E10 entschieden, 78 Prozent tankten Super E5 oder Super Plus E5.

Von Claus-Peter Tiemann

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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