TUI verzeichnet Umsatzrückgang

- Antalya - Bei Europas größtem Reiseveranstalter TUI ist das Geschäft mit dem Sommerurlaub deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben. Trotz eines Umsatzrückgangs von 1,7 Prozent in der laufenden Saison rechnet TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher aber mit einem guten Ergebnis.

"Wir haben uns klar für das Konzept entschieden: Vor allem das Ergebnis zählt, dafür nehmen wir auch geringeren Mengenzuwachs in Kauf", sagte Böttcher bei der Vorstellung der TUI-Winterkataloge in Antalya (Türkei). Wenn nichts Unvorhersehbares dazwischen komme, gehe er davon aus, dass "wir am Ende des Jahres ein ordentliches Ergebnis abliefern". Um Gewinne zu erwirtschaften, habe man die Kapazitätspolitik angepasst und ein gutes Preisniveau durchsetzen können.

Die TUI will auch weiterhin nicht mit Super-Schnäppchen-Preisen den Umsatz ankurbeln. Die Preise blieben im Winter insgesamt stabil, sagte Böttcher. Die Saison beginnt am 1. November. Günstiger werden Reisen nach Ägypten, auf die Kanaren, in die Türkei und nach Kuba, etwas teurer wegen der gestiegenen Kerosinpreise einige Fernziele.

Im Sommer gehörten vor allem Ägypten, die Türkei und Tunesien zu den Verlierern. Gründe waren der islamistische Terror, aber auch die Debatten um die Vogelgrippe und der Karikaturenstreit. Beliebt seien weiterhin Fernreisen. Um dieser Entwicklung zu entsprechen, legt die TUI drei neue Fernreise-Kataloge auf. Auch Thailand verzeichnet nach dem Tsunami wieder riesige Zuwächse. Unter anderem wegen der Sonderangebote zu Fußball sei der am besten gebuchte Monat der Juni gewesen - "der beste Juni, den das Unternehmen jemals hatte."

Absolute Zahlen nannte Böttcher nicht, und auch keine Prognose für die kommende Saison. Beim touristischen Umsatz in der Sommerbilanz werde aber die Null-Linie "nur sehr schwer" zu erreichen sein. Der Gesamtmarkt werde nach seiner Einschätzung in den nächsten Jahren nur noch "in kleineren einstelligen" Prozentzahlen" wachsen.

Jedoch seien trotz Umsatzrückgang die Gästezahlen um 3,6 Prozent in die Höhe gegangen. Grund dafür sei vor allem die gute Auslastung bei den TUI-Airlines Hapagfly und Hapag Lloyd-Express (HLX). Deren Ergebnisse werden nicht einzeln ausgewiesen. "Vor allem HLX wächst sehr dynamisch", sagte Böttcher. Nach der Einigung auf einen gemeinsamen Tarifvertrag für die Piloten der beiden Gesellschaften seien die Voraussetzungen dafür nun gegeben, dass HLX und Hapagfly näher zusammenrücken könnten. Dafür werde es in den nächsten 5 bis 6 Wochen Entscheidungen geben, kündigte der TUI-Deutschland-Chef an.

Angesichts der wachsenden Zahl von Internet-Buchungen, die sich die Kunden zu tagesaktuellen Preisen am Computer selbst zusammenstellen, lässt die TUI in ihrem Spanien-Programm jetzt einen Versuchsballon starten: Für die Reisen nach Malaga ist im Katalog zwar ein Eckpreis angegeben. Dieser kann aber sinken oder steigen je nach Buchungssituation. Zum Termin der Buchung wird er neu ausgerechnet. Der Kunde hat keinen Anspruch mehr für eine ganze Saison auf einen bestimmten Katalogpreis.

Böttcher sagte: "Wir glauben, dass es Zeit ist, dass wir als Marktführer mit diesem Weg beginnen." Die TUI sei sich durchaus bewusst darüber, dass sich das Projekt am Rande dessen bewege, was die Preisangabenverordnung zulasse. Aber es gehe darum, gleiche Voraussetzungen für alle Marktteilnehmer zu schaffen. Airlines, die auf ihren Internetseiten auch Hotel und Mietwagen anbieten, operierten damit fast wie ein klassischer Reiseveranstalter - und sie seien in ihren Preisen flexibel.

Keine näheren Angaben machte Böttcher zu den tief greifenden Veränderungen am Stammsitz Hannover. Im Heimatmarkt Deutschland will sich die Marke ganz neu aufstellen und streicht von rund 2000 Stellen jede fünfte. Die Operation ist Teil eines konzernweiten Restrukturierungsprogramms, das mit Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen die Ertragskraft des Konzern stärken soll. Auf dem deutschen Markt werden vier Gesellschaften verschmolzen.

Insgesamt will die TUI in Deutschland bis 2008 rund 50 Millionen Euro Kosten sparen. Konzernchef Michael Frenzel will das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) in der Geschäftssparte Touristik von 360 Millionen Euro 2005 auf 700 Millionen 2008 steigern.

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