In den USA verzockt: Spätzle-Bank als Retter

Stuttgart - Die Reihen der kränkelnden Landesbanken lichten sich: Die Landesbank Baden-Württemberg soll in Sachsen in die Bresche springen, um die schwer angeschlagene Sachsen-LB zu übernehmen.

LBBW-Vorstandschef Siegfried Jaschinski hatte in den vergangenen Monaten zwar immer wieder klargemacht, dass sein Institut bei der Neuordnung der Landesbanken eine führende Rolle spielen wolle. Ob die Sachsen-LB sein Wunschkandidat ist, scheint angesichts der schweren Turbulenzen, in denen die Leipziger stecken, allerdings fraglich. Vielmehr scheint die Branche die Solidarität der größten und profitabelsten deutschen Landesbank eingefordert zu haben.

Nach Informationen aus Dresdner Verhandlungskreisen soll die Bankenaufsicht mit einer Schließung der Sachsen-LB gedroht haben, sollte das Institut nicht am Sonntag verkauft werden. Die Sachsen-LB war wegen riskanter Geschäfte mit Hypothekenanleihen auf dem US-Immobilienmarkt in heftige Turbulenzen geraten. Und offenbar reichte auch die von der Sparkassenfinanzgruppe vergangenes Wochenende bereitgestellte Kreditlinie von 17,3 Milliarden Euro nicht, um die Bank wieder auf Kurs zu bringen.

Deutlich attraktiver als die Sachsen-LB dürfte für die LBBW, die 1999 aus der Vereinigung von SüdwestLB, der Stuttgarter Landesgirokasse und Marktteil der L-Bank hervorgegangen ist, eine Fusion mit der Westdeutschen Landesbank (WestLB) sein. Diese ist mit einer Bilanzsumme von 285,3 Milliarden Euro die drittgrößte deutsche Landesbank, sie war zuletzt allerdings wegen riskanter Aktiengeschäfte in die Schlagzeilen geraten.

Im Verbund mit der West LB würde die LBBW in Deutschland nach der Deutschen Bank das zweitgrößte Kreditinstitut werden. Beide Institute könnten sich gut ergänzen: Die LBBW ist im Mittelstandsgeschäft sehr aktiv und die West-LB im Investmentbanking.

Bisher gibt es allerdings deutliche Meinungsunterschiede im WestLB-Eigentümerkreis über die Zukunft des Geldinstituts. Während die Sparkassenverbände für eine Fusion der WestLB mit der LBBW plädieren, stößt ein solcher Schritt bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf Vorbehalte. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) befürchtet bei einem Zusammengehen mit dem Stuttgarter Geldinstitut massive Arbeitsplatzverluste und sucht nach Alternativen.

Rüttgers will nach einem Bericht von "Focus" einen eigenen Vorschlag zur Neuordnung der Landesbanken machen. Sein Plan sehe eine Nord- und Südlösung vor. Dem Bericht zufolge sollen sich im Norden die WestLB, die NordLB, die HSH und die Landesbank Berlin zusammenschließen. Im Süden solle die LBBW die Führung für die Gruppe um BayernLB, Helaba und SachsenLB übernehmen.

Erfahrungen mit Übernahmen hat die LBBW auf jeden Fall. Schon einmal hatten sich die Stuttgarter eine Landesbank einverleibt: Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) ist eine 100-prozentige Tochter der LBBW, zu der auch die Baden-Württembergische Bank (BW Bank) gehört. Als einzige Landesbank hat die LBBW mit der BW-Bank einen direkten Zugang zum Privatkundengeschäft, das normalerweise die Sparkassen abdecken. Dieses Geschäftsmodell gilt als Grund für die hohe Profitabilität.

Vorstandschef Jaschinski hatte die LBBW, die auch schon gern einmal als "Spätzle-Bank" verhöhnt worden ist, seit seinem Amtsantritt vor über zwei Jahren auf Rendite getrimmt. Die Eigenkapitalrendite betrug 2006 stolze 16 Prozent. Mit einer Bilanzsumme im Konzern von 428 Milliarden Euro sowie rund 12 250 Mitarbeitern ist die LBBW die größte Bank im Südwesten Deutschlands.

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