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Bei den Mitarbeitern von Opel herrscht Wut und Verzweiflung.

Opel-Krise:

Wut und Verzweiflung bei den Mitarbeitern

Bochum/Rüsselsheim - Wut und Verzweiflung sind den meisten Opel-Beschäftigten am Mittwoch deutlich ins Gesicht geschrieben. Die unsichere Zukunft ist vor allem für Familienväter belastend.

“Das zerrt so unheimlich an den Nerven, ich kann nicht mehr“, sagt ein 45-jähriger Mitarbeiter aus Bochum. Dass seine Zukunft nach den geplatzten Verkaufsverhandlungen mit Magna nun wieder völlig offen sein soll, kann der Familienvater einfach nicht glauben. Die Enttäuschung über den überraschenden Kurswechsel von General Motors ist so groß, dass selbst der Protestaufruf des Betriebsrats bei vielen nur ein müdes Lächeln hervorruft.

“Es ist doch ganz egal, was wir tun, das bringt doch alles nichts“, sagt ein 56-jähriger Bochumer, der seit über 30 Jahren bei Opel arbeitet. Sein 43-jähriger Kollege erklärt, man stumpfe wegen des ewigen Tauziehens einfach ab. Die Bereitschaft zum Kämpfen sei längst nicht mehr so groß wie sie noch vor einigen Jahren gewesen sei. Nach der Entscheidung von General Motors, Opel nun doch zu behalten, hat der Betriebsrat die rund 50.000 Beschäftigten in Europa ab dem (morgigen) Donnerstag an allen Standorten zu Protestaktionen aufgerufen. Unter anderem in Rüsselsheim und in Bochum sollen vor den Werkstoren Kundgebungen stattfinden. Am Freitag sollen die übrigen europäischen Standorte folgen.

Betriebsrat fühlt sich brüskiert

Betriebsrat und Gewerkschaft hatten sich in den vergangenen Monaten immer wieder für den Einstieg des Autozulieferers Magna International und der russischen Sberbank bei Opel ausgesprochen. Sie fühlen sich nun von GM brüskiert, doch auch für die meisten Beschäftigten ist ein Verbleib bei der Opel-Mutter derzeit unvorstellbar. “Niemand aus der Belegschaft hat noch einen Funken Vertrauen in das Management von General Motors“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard.

“Es waren schließlich die Rock'n'Roll-Kapitalisten aus Detroit, die das Unternehmen erst in die schwierige Situation gebracht haben“, betonte er. Die Mitarbeiter in Rüsselsheim haben für den plötzlichen Kurswechsel von GM nur ein Wort übrig: “Katastrophe“, schimpft etwa ein Beschäftigter in der Fertigung auf dem Weg zur Spätschicht.

Die Frust über das nicht enden wollende Tauziehen sitzt tief. “Sie haben uns alle an der Nase herumgeführt“, sagt Michael Kleinmann. “Für Einzelschicksale interessieren die sich nicht.“

Angst um Arbeitsplätze

Nach dem geplatzten Verkauf an Magna und die Sberbank fürchten Kleinmann und seine Kollegen nun wieder um ihre Arbeitsplätze. “Jetzt ist wieder alles möglich, wie vor einem Jahr“, sagt Ali Yildiz. Verärgert sind die Opelaner aber auch darüber, dass die hart erkämpften Einigungen mit Magna nun hinfällig sind.

“Der ganze Tamtam in den letzten Monaten war jetzt umsonst“, sagt Kleinmann. Als erstes forderte der Betriebsrat am Mittwoch denn auch die Zahlung der ausstehenden Lohnerhöhung für dieses Jahr. Die Opel-Beschäftigten in Deutschland hatten auf die Tariferhöhung von 4,2 Prozent in diesem Jahr verzichtet. Diese Ansprüche seien nun fällig, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz.

“Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten, sondern unsere klassische Schutzfunktion für die Belegschaften wahrnehmen.“ Ganz unerwartet kam die Entscheidung aus Detroit für einige der Opel-Mitarbeiter aber nicht. “Es ist eine Schweinerei, aber ich hatte fast schon damit gerechnet“, sagt Dragan Vukas, während er zum Schichtbeginn das Drehkreuz an einem der Werkstore passiert. “Einen Goldesel verkauft man eben nicht einfach“, fügt er hinzu.

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