Zu viel Chemie im Federmäppchen

Stifte, Radierer oder Lineale sind häufig stark mit Schadstoffen belastet. Bei einer Stichprobe verletzte jedes zehnte Produkt Grenzwerte. Eltern sollten ihre Kinder daher mit Sorgfalt für das neue Schuljahr ausrüsten.

Diese Ausbeute dürfte Mamis und Papis alarmieren: Gut 100 Artikel für den Schulbedarf hatten Mitarbeiter der Stiftung Warentest im April und Mai aus Schreibwarenläden und Supermärkten in ihr Labor getragen. Wie sich in den folgenden Untersuchungen herausstellte, waren elf der Produkte derart mit Weichmachern oder Lösemitteln versetzt, dass sie nicht hätten verkauft werden dürfen. Die Ergebnisse hat die Berliner Verbraucherorganisation jetzt in ihrem Magazin "Test" (9/2008) veröffentlicht.

"Die Resultate sind erschreckend, vor allem weil sich fast die Hälfte der Buntstifte als stark belastet erwies", sagt die verantwortliche Warentesterin Renate Ehrnsperger. Grund für Panik besteht nach ihren Worten aber nicht, da in keinem Fall die Gesundheit akut gefährdet ist. Allerdings besteht die Gefahr von Langzeitschäden, etwa wenn Kinder auf bedenklichem Mal- und Schreibgeräten herumknabbern. Mit Stiften aller Art, Linealen, Radiergummis und Tintenpatronen hatten die Verbraucherschützer gerade für Grundschüler relevante Produktgruppen geprüft.

Weichmacher im Stift

"Vor allem Erzeugnisse von Billiganbietern hielten die Vorgaben nicht ein", wird berichtet. Doch auch auf hochpreisige Markenware sei nicht immer Verlass. So verpasste die Stiftung den Buntstiften von Faber-Castell und Stabilo das Urteil "stark belastet". Sprecherinnen der beiden Anbieter wollten das auf Nachfrage nicht bestätigen; ihre Produkte enthielten keine gesundheitsschädlichen Stoffe. "Womöglich handelt es sich um einmalige Verunreinigungen", heißt es bei Stabilo. Beide Unternehmen kündigten eigene Tests an. Andere beanstandete Produkte sind zum Teil bereits vom Markt genommen worden. Bei der Bewertung orientierten sich die Verbraucherschützer an den europaweit geltenden Grenzwerten für Schadstoffe. Diese sind unter anderem in der EU-Spielzeugnorm EN 71 festgeschrieben. Hersteller und Importeure bestätigen deren Einhaltung, indem sie das "CE"-Zeichen auf die Verpackung aufbringen. Allerdings warnen die Warentester davor, dieses Label als Qualitätssiegel anzusehen, da keine unabhängige Stelle seine Vergabe überwacht.

Besonders schlecht schnitten in dem Test Buntstifte ab. Hier nahm die Stiftung ausschließlich Produkte unter die Lupe, die mit einer farbigen Lackschicht versehen sind. Die mag gut aussehen, entpuppt sich aber oft als Gefahrenherd: Bei fast jedem zweiten Stift enthielt der Lack nämlich Phthalat-Weichmacher wie BBP, DEHP oder DBP, die mit der Zeit ausdünsten. Diese Stoffe gelten als fortpflanzungsschädlich. Das trifft laut der Tester auch auf den teilweise festgestellten Weichmacher DIBP zu, für den bislang kein Grenzwert existiert. Als bedenklich stuften sie bei einigen Stiften zudem die in Minen enthaltenen Kohlenwasserstoffe (PAK) ein, die mitunter Krebs verursachen sollen.

Besser mehr ausgeben

Schadstoffe fanden sich auch in anderen Schulartikeln. So enthielt der Deckfarbkasten von PBS Factory blei- und chromhatige Farben. Er hätte laut den Verbraucherschützern ebenso wenig verkauft werden dürfen wie die preisgünstigen Fasermaler "Smily" der Woolworth-Kette. Sie enthielten eine zu hohe Konzentration des Lösemittels Benzol. Zu viel des Weichmachers DIBP war in dem Radiergummi "Pelikid" von Hertie sowie in einem Lineal der Marke Toppoint verarbeitet.

Zwar beanstanden die Produktprüfer auch Markenware. Sie raten Eltern aber dennoch dazu, Schulsachen eher im Schreibwarenladen zu erwerben als im Discounter. "Wenn 24 Stifte für einen Euro feilgeboten werden, sollten Verbraucher skeptisch werden", sagt "Test"-Redakteurin Ehrnsperger. Genauso wie der Bund Naturschutz in Bayern rät sie grundsätzlich zu naturbelassenen Schulmaterialen, die möglichst wenig Kunststoffe und Lacke enthalten. Das gilt besonders für Stifte, die auch Erwachsene gerne mal in den Mund stecken. Orientierung bieten Siegel wie der "Blaue Engel", das "Proof"-Zeichen des Tüv Rheinland oder das "LGA Qualitätszertifikat".

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