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Ist innerhalb der EU nicht mehr ganz so teuer: Wer etwa vom Strand aus Spanien die Lieben zuhause mit dem Handy anruft, zahlt heute maximal 43 Cent die Minute, ab Juli nur mehr 39 Cent.

So viel kostet das Handy im Urlaub

München - Viele können sich ihren Urlaub ohne Handy gar nicht mehr vorstellen. Wie teuer das sein kann, wird den meisten oft erst mit der Rechnung klar. Wir zeigen Ihnen Auswege aus der Kostenfalle.

Die völlig überzogenen Gebühren für das „Roaming“ gehören in den 27 Mitgliedsstaaten der EU offiziell der Vergangenheit an. Seit 2007 deckelt die EU mit den sogenannten EU-Roamingverordnungen die Preise für das Telefonieren mit dem Handy im EU-Ausland (EG Nr. 717/2007, EG Nr. 544/2009). Diese Verordnungen seien rechtmäßig, entschied der Europäische Gerichtshof Anfang Juni (Az.: C-58/08). Ab 1. Juli werden die Tarife durch die Verordnungen weiter gesenkt um vier Cent pro Gesprächsminute. Vor allem außerhalb Europas kann das Handy sich aber als Kostenfalle entpuppen.

Am günstigsten sind Kurzmitteilungen

Kurzmitteilungen aus dem Ausland sind – erstaunlicherweise – fast immer billiger als aus dem Inland. Die Preisobergrenze innerhalb Europas liegt bei 13 Cent pro Kurznachricht. Der typische Inlandspreis beträgt hingegen 19 Cent, so der Branchenverband Bitcom.

Mit Prepaid-Karten kann man sparen

Wer im Urlaub viel telefonieren will (oder muss) und keine SMS eintippen will, der sollte sich – zumindest, wenn er in ein außereuropäisches Land fährt – dort eine „Prepaid-Karte“ kaufen und das Guthaben abtelefonieren. Solche Karten, auch „Calling-Cards“ genannt, gibt es am Bahnhof, am Flughafen, an Tankstellen und teilweise auch in Supermärkten. Der Nachteil: Vorübergehend hat man eine neue Rufnummer.

Neue Höchstpreise fürs Telefon-Roaming

Zum 1. Juli werden Handy-Grüße aus dem europäischen Ausland erneut billiger. Die Preisgrenzen für das sogenannte Roaming sinken innerhalb der EU um fünf Cent. Abgehende Anrufe dürfen dann maximal 39 Cent pro Minute kosten, ankommende Gespräche bis zu 15 Cent. Zurzeit gilt für abgehende Anrufe noch eine Preisobergrenze von 43 Cent, für eingehende Telefonate von 19 Cent. Außerdem müssen Mobilfunkanbieter Roaming-Anrufe künftig bereits nach der ersten halben Minute sekundengenau abrechnen. Am 1. Juli 2011 werden die Preise nochmals gesenkt auf 11 Cent für eingehende und 35 Cent für abgehende Anrufe.

Daten-Roaming weiterhin teuer

Aufpassen muss, wer ein „Smartphone“ besitzt, also ein Multifunktionsgerät, das sich regelmäßig von selbst mit dem Internet verbindet. „Daten-Roaming“ bleibt auch in der EU kostspielig, da beim mobilen Internet über das Datenvolumen abgerechnet wird. Der Grund für die hohen Kosten: Anders als beim Mobilfunk, wo die EU Endkundenpreise festlegte, schreibt sie beim Daten-Roaming nur die Preise vor, die sich die Anbieter gegenseitig in Rechnung stellen dürfen. Bis einen Euro plus Mehrwertsteuer dürfen Provider auch künftig für jedes übertragene Megabyte (MB) kassieren. Bis 2011 soll der Preis schrittweise auf 50 Cent pro MB abgesenkt werden – bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen diese Preissenkung auch an die Endverbraucher weitergeben. Bislang zahlen die nämlich das Fünf- bis Zehnfache.

Surfen ist günstiger im Internet-Café

„Mit dem mobilen Internet kann es sehr teuer werden. Ein einzelnes Bild zu verschicken, kostet leicht fünf bis sechs Euro“, sagt Thorsten Storck, Tarifexperte beim Vergleichsportal Verivox: Weitaus günstiger sei da der Gang ins Internet-Café. Smartphone-Besitzer sollten darauf achten, dass das Gerät sich nicht von selbst ins Internet einwählt. Wer auch im Ausland per Smartphone Daten senden und empfangen will, sollte sich vorher informieren, wie er vermeidet, dass die Kosten in die Höhe schnellen, rät Storck. Er sagt: „Wer gar nichts macht, zahlt am meisten.“ Denn eine Flatrate gelte nur in Deutschland. Storck: „Es empfiehlt sich, beim eigenen Anbieter nachzufragen, ob es für das jeweilige Land besondere Optionen gibt.“

Kostentransparenz beim Datenroaming

Immerhin müssen die Kunden in Europa seit März vor dem Preisschock durch Datenroaming gewarnt werden. Und zwar, indem sie etwa durch ein Pop-up-Fenster informiert werden, wenn Daten für einen Betrag von 40 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer) heruntergeladen beziehungsweise gesendet wurden. Ab 50 Euro (plus Mehrwertsteuer) muss der Anbieter nicht nur nochmals warnen, sondern sich vom Kunden eine ausdrückliche Zustimmung für weitere Datenübertragungen einholen.

Netz vor Ort selbst wählen

Bei der Ankunft am Urlaubsort bucht sich das Mobiltelefon automatisch in ein fremdes Netz ein – aber nicht unbedingt in das billigste. Wer sparen will, erkundigt sich vor der Reise beim Anbieter, welches Netz im Urlaubsland günstig ist. Dort kann man sich manuell einbuchen.

Mailbox-Kosten für Handy bald gedeckelt

Der Rat, die Handy-Mailbox vor der Abreise auszuschalten, ist auch ab dem 1. Juli nicht überholt. Auch wenn zu diesem Termin die Kostenfalle Mailbox im europäischen Ausland etwas entschärft wird. Ab dann darf innereuropäisch der Empfang von Nachrichten auf der Mailbox nichts mehr kosten – nur noch deren Abruf. Das Problem mit der teuren Mailbox im Ausland resultiert aus der Art, wie der Anrufbeantworter von Mobiltelefonen funktioniert: Der Anruf läuft erst ins Ausland, wird dann nach Deutschland zurückgeschickt, wenn der Betroffene nicht abgenommen hat, und landet dann erst in der Mailbox. Kunden vieler Anbieter zahlten bei solchen umgeleiteten Anrufen doppelt: Zuerst fallen die Kosten für die Weiterleitung ins ausländische Netz an und dann die für die Umleitung zurück auf die deutsche Mailbox. Außerhalb der EU funktioniert das auch weiterhin so. Im Türkei-Urlaub kann etwa ein Anruf auf die aktive Mailbox je nach Tageszeit und Netz bis zu 2,24 Euro pro Minute kosten. Auch bei der Rückreise kann es teuer werden, wenn das Gerät erst im Flieger ausgeschaltet wird. Denn als Berechnungsgrundlage dient der letzte bekannte Aufenthaltsort.

Von Susanne Sasse

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