Viel Zucker, aber wenig Apfel

Fruchtsaftgetränke: - Mit Bildern rotwangiger Äpfel gaukeln die Kartons von Apfelfruchtsaftgetränken vor, es handle sich um Apfelsaft. Tatsächlich enthalten sie viele andere Stoffe. Die Stiftung Warentest rät nach einer Untersuchung von 19 Produkten grundsätzlich ab.

"Fruchtsaftgetränke sind im Vergleich zu Fruchtsaft immer mit Wasser verdünnt, immer zusätzlich gesüßt und vom natürlichen Apfelaroma oft weit entfernt", warnen die Verbraucherschützer in der Zeitschrift "Test" (Ausgabe 5/2007). Fremde Aromastoffe würden für Geruch und Geschmack sorgen. "Die Verpackung irritiert, der Inhalt schockt", lautet das Fazit der Stiftung Warentest nach einer Untersuchung von 19 Apfelfruchtsaftgetränken.

Schwache Noten

Von den 19 getesteten Produkten erhielten 13 die Bewertung "mangelhaft". Am wenigsten schlecht schnitt mit Note 3,5 ("befriedigend") das Apfelfruchtsaftgetränk von Edeka/Gut & Günstig ab. Es hatte nach Einschätzung der Experten eine gute Aroma-Qualität, war aber sensorisch fehlerhaft. Immerhin mit "ausreichend" schnitten Fruxano und Lidl/Solevita ab. Vier der 19 getesteten Produkte sind Apfelfruchtsaftgetränke mit Süßstoffen, drei davon erhielten ebenfalls die Note "ausreichend", nämlich Weyher, Ricky und Edeka/Gut & Günstig.

Schlechtes Aroma

Der Grund für die extrem schlechten Noten liegt überwiegend in der Aromaqualität. "Sie hat nichts mehr mit dem zu tun, was der Verbraucher erwartet und was das Deutsche Lebensmittelbuch in der ,Verkehrsauffassung’ beschreibt", urteilen die Tester. Danach müssten Apfelfruchtsaftgetränke mindestens 30 Prozent Apfelsaft enthalten und damit genug Apfel\-aroma. Doch in manchen Produkten sei überhaupt kein Apfelaroma nachweisbar gewesen. In anderen habe man zu wenig gefunden oder apfeluntypisches Fremd\-aroma. Zwar dürften die Hersteller zur Abrundung Fremdaroma einsetzen, aber es müsse natürlich und dem Apfelaroma ähnlich sein. Es dürfe nicht Geruch und Geschmack dominieren. "Auf keinen Fall sollte es in der sensorischen Prüfung einen Fruchtsaftexperten an ,Shampoo mit Apfelduft’ erinnern wie ,Kingsway’ von Netto."

Konzentrat aus China

Den Angaben zufolge beziehen die meisten Hersteller der untersuchten Produkte ihr Apfelsaftkonzentrat auch aus China. Das Land produziert seit etwa zehn Jahren doppelt so viele Äpfel wie der Rest der Welt zusammen und stellt viel Apfelsaftkonzentrat her. "So preiswert das auch ist, so wenig eignet sich das Konzentrat für deutschen Apfelsaft", meinen die Fachleute. Das Konzentrat sei für den hiesigen Geschmack zu süß. Doch was für Saft nicht reiche, genüge für Fruchtsaftgetränke allemal.

Viele Kalorien

Obwohl die meisten Fruchtsaftgetränke maximal 50 Prozent Apfelsaft enthalten, ist ihr Kaloriengehalt nicht niedriger als der von purem Saft mit etwa 80 bis 110 Kilokalorien pro Glas (0,2 Liter). Dies liege an den zugesetzten Süßungsmitteln.

Es geht billiger

Fruchtsaftgetränke kosten laut "Test" überwiegend nur 40 Cent pro Liter. Trotzdem geht es billiger und gesünder: Einfach einen guten und günstigen Saft mit Wasser verdünnen, empfehlen die Tester. Sie raten grundsätzlich: "Verzichten Sie auf Apfelfruchtsaftgetränke." mm

Fruchtsaftgehalt macht den Unterschied

Die Bezeichnungen klingen ähnlich, doch der Inhalt unterscheidet sich drastisch: Von Saft bis Fruchtsaftgetränk reicht eine breite Spanne verschiedener Getränke:

Apfelsaft: So dürfen Direkt- und Konzentratsäfte heißen. Ihr geschmacklicher und gesundheitlicher Wert ist gleich hoch.

Apfeldirektsaft: Er wird frisch aus Äpfeln gepresst und anschließend pasteurisiert, damit er sich hält.

Apfelsaft aus Konzentrat: Dafür entzieht man dem frisch gepressten Apfelsaft im Herkunftsland unter Vakuum mehr als die Hälfte des Wassers. Die Aromastoffe, die dabei entweichen, lassen sich auffangen und getrennt aufheben. Das Konzentrat hält sich lange und lässt sich wegen des kleinen Volumens besser transportieren. Soll aus Apfelsaftkonzentrat wieder Apfelsaft werden, muss der Getränkehersteller es mit so viel Wasser rückverdünnen, wie ursprünglich entzogen worden war. Auch die Aromastoffe müssen wieder zugeführt werden - und zwar in solchen Anteilen, wie sie im ursprünglichen Saft vorkamen.

Apfelsaftschorle: Sie besteht mindestens zur Hälfte aus Apfelsaft und zum anderen Teil aus (kohlensäurehaltigem) Wasser. So stellen sich Verbraucher die Apfelschorle vor, so müssen Hersteller sie anbieten. Fruchtschorlen dürfen mit natürlichem Aroma versehen werden. Andere Zusatzstoffe als für Fruchtsaft sind nicht üblich. Schorle in PET-Verpackungen (Plastik-Flaschen) werden in der Regel mit einem Kaltentkeimungsmittel konserviert.

Apfelfruchtsaftgetränk: Es besteht aus Wasser und mindestens 30 Prozent Apfelsaft. Fruchtsaftgetränke enthalten Aromaextrakte und/oder natürliche Aromen der verwendeten Frucht, aber auch andere Aromen.

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