Viele Sterne, wenig Bewohner: Hotels leiden unter der Flaute

- München - Durch die Lobby des Luxushotels fliegen dreckige Tauben. Sie landen in einer Staubwolke vor der Präsidentensuite. Es zieht auf der Baustelle, die in neun Monaten einer der nobelsten Plätze Münchens sein soll. Das Dorint Bayerpost wird sich mit fünf Sternen schmücken. Die edle Herberge am Hauptbahnhof ist baulich gewagt - und finanziell erst recht. Der Hotelmarkt leidet unter Überkapazität.

<P>Ein einfacher Dreisatz treibt den Hoteliers seit Monaten die Schweißperlen auf die Stirn: Mehr Kapazität bei weniger Übernachtungen ergibt niedrigere Zimmer-Erlöse. Die Tarife in deutschen Großstädten liegen deutlich tiefer als in anderen Metropolen Europas, die Auslastung erst recht, berichtet die Unternehmensberatung Deloitte & Touche. Demnach rangiert der Gewinn pro Zimmer mit 9,49 Euro nur bei der Hälfte des europäischen Durchschnitts.</P><P>Gleichzeitig erlebt der Hotelmarkt einen Bauboom. Im ersten Halbjahr wurden 250 Millionen Euro in Hotelanlagen gepumpt, weit mehr als im gesamten Vorjahr. In München sind unter anderem in Haidhausen, der Parkstadt Schwabing, an der Messe und vielleicht auch mal an der Oper neue teure Herbergen in Bau oder Planung.</P><P>Das 396-Zimmer-Dorint in der früheren Bayerpost verschlingt wegen des aufwändigen Umbaus im denkmalgeschützten Gebäude 126 Millionen Euro. Projektleiter Matthias Niemeyer (Dr. Ebertz & Partner) glaubt dennoch fest an einen Erfolg: "München ist der sicherste Markt in Deutschland." Dank starkem Wochenendgeschäft, vielen ausländischen Gästen und dem guten Wirtschaftsstandort, sagt er und stapft durch die ehemalige Post-Schalterhalle, die bald Münchens zweitgrößter Ballsaal sein wird. Fünf Jahre lang hat er nach einem guten Standort in der Stadt gesucht.</P><P>"Es passt vielleicht noch ein Fünf-Sterne-Hotel rein", glaubt Projektchef Niemeyer. Seit Olympia hätten nur drei Luxushotels in der Landeshauptstadt eröffnet: "Das war's schon in 30 Jahren."</P><P>"Die Gäste sind unglaublich <BR>untreu gegenüber Marken."<BR>Otto Lindner jun., Lindner Hotels</P><P>Mehr sollen es auch nicht werden, hofft Martin Fichtmüller, Chef der Management-GmbH von Arabella-Sheraton. "Der Markt ist gesättigt. Ein weiteres Hotel macht keinen Sinn, so wenig wie das Dorint jetzt Sinn macht." Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage klaffe immer weiter. Die Hotellerie hänge am Tropf der Wirtschaft, sagt Fichtmüller: "Realistisch gesehen, gibt es keine Anzeichen für eine unmittelbare Erholung."</P><P>Gerade die Vorstände sparen, berichtet ein Hotelier: "Welcher Manager kann es sich noch leisten, am Freitag Leute zu feuern und am Samstag im Luxushotel die Kuh fliegen zu lassen?"</P><P>Auch im Bereich Drei- und Vier-Sterne wird es eng. "Hier gibt es eine bedenkliche Übersättigung", sagt Otto Lindner, Chef der Lindner Hotels. Er spricht von einer Krise und ruinösem Preiskampf. "Die Gäste sind unglaublich untreu gegenüber Marken geworden." Lindner drängt deshalb in Nischen und will Mehrwert bieten. Das Unternehmen sucht einen Standort in München. Auf längere Sicht habe der Bereich unterhalb der Luxushotels "die große Zukunft", sagt der Vorstand.</P><P>Es rumpelt in der Branche. Ab 7. Oktober treffen sich in München mehrere hundert Experten drei Tage lang zum Thema Hotellerie und Immobilien. Das Eingangsreferat des hochkarätigen "Hotelforums" ist schon provokant betitelt: "Deutsche Hotellerie: Vor dem Aus?"</P><P> </P>

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