Zu viele Versicherungen? Überflüssiger Schutz kostet Geld

München - Das Geschäft mit der Angst vor dem Ruin floriert. Viele Deutsche sind deswegen überversichert. Sie besitzen Policen, die viel kosten, aber nur wenig bringen.

Das Leben steckt voller Risiken. Nicht nur Tod, Unfälle und Krankheiten können Verbraucher in finanzielle Krisen stürzen. Auch ein Fahrraddiebstahl, Hochzeitskosten, Benzinpreise, zerbrochene Glasscheiben und die Operation der Katze können den Geldbeutel belasten. Ein guter Grund für Versicherungsunternehmen, für alle erdenklichen Risiken Policen anzubieten. Damit macht die Branche jährlich Milliarden. Doch genau genommen benötigen Verbraucher nur einen Bruchteil der Versicherungen.

"Es gibt mehr unsinnige als wichtige Policen", sagt Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater in Köln. Deshalb raten Fachleute: Ausmisten und kündigen. So entlastet man den Geldbeutel am wirksamsten.

Die Rangliste der überflüssigen Policen führt nach Meinung von Experten die Insassenunfallversicherung an. Für sie geben Versicherungsnehmer jährlich 146 Millionen Euro aus. "Wenn ich als Autofahrer einen Unfall verschulde, zahlt meine Kfz-Haftpflicht auch für meine Insassen. Ist der andere schuld, zahlt dessen Kfz-Haftpflicht", sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Auch von Policen wie einer Tierkrankenversicherung, die für Tierarztkosten aufkommt, oder einer Elektrogeräte-Reparaturversicherung sei abzuraten. Wortberg: "Da werden abenteuerlichste Bedingungen festgelegt." Am Ende habe man mehr Beiträge für die Reparaturpolice gezahlt, als das Gerät noch wert sei. Und bei dem kranken Haustier sei alles ausgeschlossen, was genetisch bedingt ist.

Ebenso viele Ausschlüsse enthalte die Rechtsschutzversicherung: "Über deren Leistung gibt es die meisten Beschwerden von Versicherungsnehmern", sagt Wortberg.

In die gleiche Kategorie gehört für Versicherungsberater Albers die Sterbegeldversicherung. Die Kombination aus Spar- und Versicherungsvertrag sei immer unrentabel. Das gelte auch für andere Policen, wie die Ausbildungs- oder die Aussteuerversicherung - eine kleine Kapitallebensversicherung, die für die Kosten einer Hochzeit aufkommen soll. "Der Grundgedanke solcher Policen ist nicht schlecht, aber die Lösung taugt nichts", sagt Versicherungsberater Albers. Wer Geld für ein bestimmtes Ereignis ansparen möchte, solle sich an eine Bank wenden, nicht an ein Versicherungsunternehmen.

Aber welche Versicherungen sind wirklich notwendig? Versicherungsschutz ist immer individuell, jeder hat andere Risiken abzusichern. Doch eine Faustregel gilt immer: Unkalkulierbare Risiken, die nicht abzuschätzende Kosten nach sich ziehen können, sollten unbedingt versichert sein. Dazu gehört die Kranken-, Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Für alle, die im Todesfall Hinterbliebene zu versorgen haben, ist außerdem die Risikolebensversicherung zu empfehlen.

Auf den Schutz für kalkulierbare Risiken können die Verbraucher dagegen tendenziell verzichten. Das betrifft gerade Sachversicherungen wie Brillen-, Handy- oder Cerankochfeld-Versicherungen. Kann man den Verlust oder die Beschädigung dieser Güter aus eigener Tasche bezahlen, ohne an den Rande des Ruins getrieben zu werden, ist der Schutz überflüssig. "Lieber weniger Risiken, diese dafür aber mit ausreichend hohen Versicherungssummen absichern", sagt Albers.

Um die Beiträge bezahlbar zu machen, sollte man Selbstbeteiligungen vereinbaren. Albers warnt zudem davor, alles bei einem Versicherer abzuschließen, denn "es gibt keinen, der in allem gut ist". Die Beratung sollte von einem unabhängigen Experten erfolgen. Ein Versicherungsberater etwa arbeitet gegen Honorar des Mandanten und ist neutral. Ein Versicherungsvertreter oder -vermittler arbeitet dagegen für die Versicherungsunternehmen und ist letztlich ein Verkäufer von Policen.

Mehr Informationen zum Thema Versicherungen erhalten unsere Leser auf sechs DIN-A4-Seiten per Fax-Abruf unter der Nummer 09001 / 25 26 65 54 40 (0,62 Euro pro Minute) noch bis 18. Juli. Wer den Postweg bevorzugt, schickt bitte einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Überflüssige Policen" an: Versandservice, Lerchenstraße 8, 86938 Schondorf.

Wie die Deutschen versichert sind

Ein Großteil der Deutschen hat nicht nur zu viele Policen abgeschlossen, sondern auch oft die falschen. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin stand die Hausratversicherung im vergangenen Jahr auf Platz eins der am häufigsten abgeschlossenen Policen. An zweiter Stelle rangierte die private Haftpflichtversicherung, an dritter standen Lebensversicherungen. Auf Platz 4 landete die Rechtsschutzversicherung, gefolgt von der privaten Unfallversicherung und der Vollkaskoversicherung für das Auto. Nur auf Platz 7 landete die Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese Prioritätenliste zeigt nach Ansicht von Fachleuten, dass viele Verbraucher nicht wissen, was Policen eigentlich leisten sollten und für welche Risiken sie wirklich benötigt werden. Denn: Versicherungsexperten würden die Wichtigkeit einzelner Policen völlig anders bewerten.

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