In vielen Firmen fehlt der Nachfolger

- Nürnberg - Viele Familienunternehmen sind unzureichend auf die Regelung der Unternehmensnachfolge vorbereitet. "Man verdrängt das Thema und schiebt es vor sich her", sagt dazu Christian Rödl von der Nürnberger Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner. Um die Firma bei Tod oder Handlungsunfähigkeit des Firmeninhabers zu erhalten, sei es entscheidend, rechtzeitig entsprechende Festlegungen zu treffen. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) stehen jährlich in Deutschland 71 000 Unternehmensnachfolgen an. Davon sind fast 700 000 Arbeitsplätze betroffen. Knapp 6000 Unternehmen müssen mangels Nachfolger pro Jahr schließen.

Jedes inhabergeführte Unternehmen sollte über einen schriftlich fixierten Notfallplan verfügen, wenn der Firmenchef infolge Unfall oder Krankheit handlungsunfähig werde. In dem Notfallplan müsse ein weiterer Geschäftsführer bestimmt sein, der das Unternehmen führen könne. Um Gesellschafterbeschlüsse fassen zu können, sei eine Vorsorgevollmacht erforderlich. "Fehlen solche Regelungen, dann kommt es zu einer Hängepartie", sagt Rödl, das Amtsgericht müsse einen Betreuer bestellen.

Ist beim Tod des Unternehmers keine Nachfolgeregelung getroffen, so greift die gesetzliche Erbfolge. "Dies ist oft die schlechteste Lösung." Es drohe die Aufteilung des Vermögens durch die Erbengemeinschaft und damit möglicherweise das Ende des Unternehmens. Auch für die Bonität einer Firma sei ein klares Konzept wichtig. "Die Banken werden kaum einen Kredit über 20 Jahre geben, wenn der Unternehmer schon 70 Jahre alt ist und nichts geregelt hat."

Derzeit werde das Thema Unternehmensnachfolge durch ausstehende politische und juristische Entscheidungen blockiert, bedauert Rödl. Die im "Jobgipfel" geplante schrittweise Reduzierung der Schenkungssteuer für den Fall, dass ein Unternehmen nach der Übergabe zehn Jahre lang erhalten wird, liege auf Eis. Die Schenkungssteuer sei eine große Liquiditätsbelastung für die Firmen.

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