Vier vor dem Komma als Sieg gefeiert

Einigung im Metall-Tarifkonflikt: - Es war ein fast beispielloser Verhandlungsmarathon: Die Tarifgespräche für die 3,4 Millionen Beschäftigten in Deutschlands Schlüsselindustrie dauerten diesmal mehr als 20 Stunden. Ein Einsatz, der sich lohnte: Ab Juni bekommen die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie 4,1 Prozent mehr Geld.

Außerdem kommen im nächsten Juni noch einmal 1,7 Prozent hinzu. Auch mehrere Einmalzahlungen werden auf das Konto der Arbeitnehmer fließen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Tarifverhandlungen zwei grundsätzlich unterschiedliche Positionen aufeinanderprallen. Mehrere Faktoren hatten die Gespräche diesmal erschwert: So weckte die brummende Konjunktur bei den Arbeitnehmern Begehrlichkeiten auf satte Lohnerhöhungen, die die Arbeitgeber nicht bezahlen wollten, da man nie wissen könne, wie lange ein solcher Aufschwung hält. Der dafür von ihnen angebotene Konjunkturbonus, der als Einmalzahlung an die Arbeitnehmer fließen sollte, kam dagegen für die Gewerkschaft nicht in Frage.

Die IG Metall befürchtete, die Arbeitgeber wollten eine grundlegende Wende in der Tarifpolitik einleiten, weg von dauerhaften Lohnerhöhungen hin zu befristeten Zahlungen, die die Unternehmen in schlechten Zeiten einfach stoppen können. Eine dauerhafte Erhöhung der Lohntabelle von möglichst über vier Prozent war deshalb zuletzt das Ziel - das IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann dann am Freitagmittag auch endlich als erreicht verkünden durfte. Damit übertrifft die IG Metall noch den Chemie-Abschluss mit 3,6 Prozent Tarifanhebung und 0,7 Prozent Konjunkturzuschlag, der trotz aller gegenteiligen Beteuerungen im Hintergrund der Verhandlungen herumspukte.

Die IG Metall sprach nach dem Abschluss von einer insgesamt 5,8-prozentigen Erhöhung der Lohntabellen und erklärte, es sei erreicht worden, was zu erreichen war. "Wir haben eine ordentliche Vier vor dem Komma und eine satte Einmalzahlung", sagte Bezirksleiter und Verhandlungsführer Jörg Hofmann. Auch der versuchte Angriff auf das Weihnachtsgeld sei abgewehrt und somit der von den Arbeitgebern angestrebte Wechsel in der Tarifpolitik verhindert worden.

Die Arbeitgeberseite errechnete eine Kostenbelastung von höchstens 3,3 Prozent über den gesamten Zeitraum. Verhandlungsführer Jan Stefan Roell sagte, das Ergebnis sei angesichts der guten Entwicklung der Metall- und Elektroindustrie angemessen und ausgewogen. Der Kompromiss biete den Beschäftigten eine großzügige Beteiligung an der insgesamt robusten Konjunktur. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte, der Abschluss sei vom Rückenwind der starken Konjunktur beeinflusst gewesen. Die lange Laufzeit von 19 Monaten bringe den Unternehmen zudem Planungs- und Kalkulationssicherheit praktisch bis Ende 2008.

Scharfe Kritik äußerte indes der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Rund 30 Prozent der Unternehmen profitierten nicht vom Aufschwung und befänden sich nach wie vor in einer schwierigen Lage. Deshalb seien 4,1 Prozent für alle Unternehmen zu viel.

Für die Tarifrunden in der Druckindustrie oder im Handel dürfte der Abschluss Signalwirkung haben, auch wenn das von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt prompt bestritten wurde.

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