Vier Studenten gegen den Kulturschock

München - Sie stecken noch in den Startlöchern, aber ihre Unternehmer-Pläne gehen weit in die Zukunft. Als Projekt-Team im "5-Euro-Business"-Wettbewerb testen sie ihre Ideen und bringen sich auf dem Markt in Stellung. Vier Studenten wollen Mittelständler für Ost-Asien fit machen.

Die Welt wächst immer mehr zusammen, die Märkte nehmen immer größere Dimensionen an - Asien liegt dabei voll im Trend. Auch der Mittelstand scheut den Schritt über den Ozean längst nicht mehr. Auf lukrative Geschäfte hoffen unternehmungsfreudige Unternehmer, doch meist erwartet sie erst mal ein gehöriger Kulturschock.

"Da prallen Welten aufeinander", weiß Robert Hanslmeier aus eigenen Erfahrungen. Ein Jahr hat der 23-Jährige in Taiwan gearbeitet und dabei miterlebt, wie Verträge geplatzt sind, nur weil länderspezifische Verhaltensweisen missverstanden wurden. Da sei die Idee, ein Konzept zu entwickeln, um diesen massiven Unterschieden zu begegnen, konkreter geworden.

Beim "5-Euro-Business" (siehe Kasten unten) lernten der Sinologie-Student und der Politologe Fabian Michel den Medieninformatiker Johannes Kiemer, Linguistik-Studentin Katharina Mildner und die gebürtige Chinesin Wenbo He kennen, die seit acht Jahren in München lebt. Alle hatten ähnliche Gedanken und so gründeten sie vor wenigen Wochen die "inCultura", die es auch nach dem Wettbewerb weiter geben soll.

"Wir wollen Firmen nicht nur eine Liste mit Regeln in die Hand drücken", erklärt die 27-jährige He, "wir wollen ihnen die Kultur an sich vermitteln". Das hebe "inCultura" ab von zahlreichen namenhaften Konkurrenten, ist Katharina Mildner überzeugt.

Die Produktpalette der Studenten-Gruppe ist breit gefächert, wobei einzelne Module individuell zusammengestellt werden können. "Wir können ein Rundum-sorglos-Paket schnüren mit intensivem Training und Betreuung vor Ort durch Partner", erklärt Geschäftsführer Hanslmeier. Es sei aber auch möglich, multikulturelle Teams zu begleiten, Konflikte und Märkte zu analysieren. "Im Prinzip verbinden wir eine klassische Beratung mit interkulturellem Training", erklärt Mindler. Und das speziell für Mittelständler, egal welcher Branche, die mit China, Japan, Taiwan, Korea oder Hongkong Geschäfte machen wollen.

Wer langfristig im asiatischen Raum Fuß fassen möchte, für den sei ein Grundverständnis für die Kultur unumgänglich, ist sich He sicher. Die 27-Jährige arbeitet bereits seit fünf Jahren als Trainerin - unter anderem bei Siemens - und erlebt beide Welten und deren Unterschiede tagtäglich selbst.

"Die Deutschen sind klarer und direkter und wirken auf uns Asiaten dadurch sehr viel härter", erklärt sie. Für Chinesen sei es einfacher, sich auf die deutsche Art einzulassen, auch wenn sie ihnen nicht unbedingt gefällt. Deutsche hätten es da schwerer, weil Chinesen "so kompliziert erscheinen", sagt He. Will man ein Geschäft abschließen, sei es beispielsweise ganz normal, während der ersten Treffen über alles zu reden, aber nicht über das Geschäft. "Zunächst müssen persönliche Beziehungen aufgebaut werden", sagt He. Erst wenn das Menschliche stimme, gehe man zum Geschäftlichen über.

Außerdem müsse man in der asiatischen Kultur immer darauf bedacht sein, das eigene Gesicht oder das des anderen zu bewahren - eine Rüge vom Chef vor den Kollegen sei für einen Asiaten ein Unding.

"Solche Differenzen kosten Zeit und Geld und können ganze Produktionen lahmlegen", sagt Hanslmeier, dabei könne man sie problemlos vermeiden, wüsste man vorher, wie China und seine Menschen fuktionieren. In kostenlosen Probe-Trainingsstunden wollen die Studenten potenzielle Kunden von ihrem Angebot überzeugen: "Sie werden sehen, dass sie uns brauchen", ist sich Hanslmeier sicher.

Mit 5 Euro in die Selbstständigkeit auf Probe

Beim "5-Euro-Business" können sich Studenten parallel zum Studium während eines Semesters in kleinen Teams als Unternehmer versuchen. Begleitet werden sie dabei von Wirtschaftspaten aus der Region - bei "inCultura" ein BMW-Abteilungsleiter im Ruhestand.

Die Teilnehmer gründen mit einem symbolischen Startkapital von fünf Euro eine am Markt real existierende GbR. Zuvor bekommen sie spezielle Schulungen und müssen ihre Geschäftsidee eigenständig entwickeln. Das Projekt - getragen vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (BBW) und dem Hochschulprogramm für Unternehmensgründungen - endet mit einer Präsentation der bisherigen Ergebnisse vor einer Jury und der Prämierung des Siegers. Anschließend werden die Firmen wieder abgemeldet.

Das muss aber nicht unbedingt das Ende der Geschäftsidee sein. In den vergangenen Jahren haben insgesamt 18 "Projekt-Firmen" den Sprung auf den Markt geschafft.

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