Vier Wochen AEG-Streik...

- Nürnberg - Seit genau vier Wochen stehen sie nun schon vor den Toren des AEG-Werks in Nürnberg, haben eisige Nächte durchgestanden, Regen und Wind getrotzt - doch für die streikenden Arbeiter ist noch lange kein Ende in Sicht. Die IG Metall und der schwedische AEG-Mutterkonzern Electrolux sind noch immer "meilenweit voneinander entfernt", wie der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Werner Neugebauer, betont. Gegenseitige Vorwürfe haben das Klima der Gespräche bisher geprägt.

So steht derzeit noch nicht einmal fest, wann man an den Konferenztisch zurückkehrt. Zwar hat Electrolux den Produktionschef Europa, Horst Winkler, als neuen Verhandlungsführer benannt und damit eine Forderung der IG Metall erfüllt. Am Donnerstagabend wollten die Gewerkschafter ein erstes "Sondierungsgespräch" mit Winkler führen. "Aber ein rasches Ende des Streiks sehe ich überhaupt nicht", sagt IG Metall-Streikleiter Jürgen Wechsler - "es sei denn, Electrolux macht inhaltlich eine gewaltige Kehrtwende."

Unverändert hält die IG Metall an ihrem eigentlichen Streikziel fest, nämlich, den Schließungsbeschluss für das ihrer Ansicht nach wirtschaftlich arbeitende Hausgerätewerk mit 1700 Beschäftigten rückgängig zu machen. Das aber kommt für Konzernchef Hans Straberg überhaupt nicht in Frage. Erst am Dienstag machte er bei der Vorlage der Electrolux-Bilanz erneut deutlich, "dass es hier um eine Fabrik geht, die nicht konkurrenzfähig ist".

AEG-Betriebsratschef Harald Dix verweist darauf, dass Straberg gleichzeitig einen Konzern-Reingewinn von umgerechnet fast 200 Millionen Euro für 2005 präsentiert hat. "Die Kolleginnen und Kollegen sehen sich immer mehr als Opfer einer Logik, die da lautet: Alles zum Wohl der Aktionäre - und für die, die diesen Reichtum mal erwirtschaftet haben, bleibt Hartz IV", sagt Dix.

"KapitalistenSchutzwall" steht denn auch provokativ auf einer Mauer, die mittlerweile vor dem AEG-Haupttor errichtet worden ist.

Längst ist der Konflikt bundesweit zum Symbol für das Unbehagen über explodierende Unternehmensgewinne bei gleichzeitigem Abbau von Arbeitsplätzen geworden. Auch ein "Polittourismus" zum Streikzelt hat eingesetzt, mit Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) an der Spitze. Prominente wie Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass oder Liedermacher Konstantin Wecker übermittelten Grußadressen. "Die Stimmung ist hervorragend", bilanziert Streikleiter Wechsler. "Es gibt eine gigantische Solidarität aus der gesamten Republik."

Vor der AEG ist mit mehreren Zelten und Unterständen ein kleines "Streikdorf" entstanden. Auf einer Leinwand laufen die Olympia-Übertragungen, Gastronomen sorgen für das Wohl der Streikposten, Kollegen aus anderen Betrieben bringen Feuerholz. Dies alles erweckt den Eindruck, dass der Ausstand noch viele Monate dauern kann. Das Angebot des Konzerns für Abfindungen und Qualifizierungen hat ein Volumen von etwa 100 Millionen Euro - die IG Metall fordert das Vierfache.

Während hier bisher keine Annäherung erkennbar ist, sieht es in den Gesprächen über die Servicegesellschaften etwas besser aus. "Ich hoffe, dass wir ein erhebliches Stück nach vorne kommen", sagte Neugebauer vor einer neuen Verhandlungsrunde am Donnerstag. Der Konzern hatte Sparten wie Logistik, Kundendienst und Ersatzteile aus der AEG ausgegliedert und den Mitarbeitern neue Verträge angeboten - eine unfreiwillige Steilvorlage für die IG Metall, die die Rückkehr zum Metall-Tarif fordert und den Konzern damit weiter unter Druck setzen kann. Auch die Electrolux-Logistik in Nürnberg wird schon seit drei Wochen bestreikt.

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