Viertes Quartal 2005: Aufschwung ließ nach

- Frankfurt/Berlin/Moskau - Die deutsche Wirtschaft hat sich Ende 2005 spürbar verlangsamt. Während das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal noch um 0,6 Prozent zugelegt hatte, betrug das Plus im letzten Drei-Monats-Abschnitt weniger als 0,4 Prozent, wie der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, in Frankfurt sagte. Hahlen betonte jedoch, dass dies nicht auf den Verlauf der Konjunktur 2006 schließen lasse.

"Wir können nicht feststellen, dass die Wirtschaft im vierten Quartal aufs Gaspedal getreten hat", sagte Präsident Hahlen. Insgesamt habe die Wirtschaft 2005 aber "moderat" zugelegt.

Wie aus vorläufigen Zahlen hervorgeht, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag veröffentlichte, gab es im ersten Quartal einen spürbaren Anstieg der Wirtschaftsleistung (+ 0,6 Prozent), der sich im zweiten Quartal jedoch wieder deutlich abgeschwächte (+ 0,2 Prozent). Im Herbst nahm die Wirtschaft dann erneut Fahrt auf, die sich dann im vierten Quartal wieder verlangsamte.

Privater Konsum stagnierte 2005

Unter Strich wuchs das BIP 2005 real um 0,9 Prozent. Dies entspricht - bereinigt um die geringere Zahl an Feiertagen -, dem Wert von 2004. Dabei wurde dieser Zuwachs fast ausschließlich vom Export getragen, der dank der boomenden Weltwirtschaft um 6,2 Prozent zulegte. Die Binnennachfrage belebte sich leicht: Die Unternehmen investierten 4,0 Prozent mehr in Ausrüstungen. Der private Konsum blieb jedoch nahezu unverändert.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sagte in Berlin zu den Zahlen, die privaten Ausgaben stagnierten maßgeblich wegen der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Es komme jetzt darauf an, dass dieser "Funke auf die Binnenkonjunktur überspringt". Im Export habe die Wirtschaft "ihre hohe Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis gestellt", so der Minister.

3,5 Prozent Staatsdefizit: Steinbrück spricht von "guter Nachricht"

Das Staatsdefizit, also die Ausgaben, die nicht durch Einnahmen gedeckt wurden, belief sich laut Statistischem Bundesamt 2005 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit verfehlte Deutschland zum vierten Mal in Folge die Drei-Prozent-Marke des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sprach dennoch von einer "guten Nachricht".

Das geringer als erwartet ausgefallene Staatsdefizit zeige erneut, dass manche Dramatisierung doch nicht so eintrete, wie manche zuvor glaubten, sagte Steinbrück in Moskau. Die EU-Kommission hatte für Deutschland ein Defizit von 3,9 Prozent erwartet, Berlin war zuletzt von 3,7 Prozent ausgegangen.

Steinbrück kündigte an, angesichts der neuen Defizitzahlen noch in dieser Woche mit Brüssel über den Fortgang des EU-Defizitverfahrens zu sprechen. Deutschland wird in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge gegen das Maastricht-Kriterium verstoßen und will 2007 wieder unter die Drei-Prozent-Marke kommen.

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