MAN im Visier des Anlagenbauers SMS

- Für SMS-Chef Heinrich Weiss wäre diese Lösung der große Wurf: Die vollständige Übernahme des Lastwagen- und Maschinenbauers MAN durch eine neue Holding-Gesellschaft, in der seine Familie den beherrschenden Einfluss hätte. Anschließend würde die Lkw-Sparte an den VW-Konzern verkauft, der sie mit der schwedischen Scania-Gruppe zusammenführen würde.

<P>Düsseldorf  - "Der Charme an meinem Vorschlag ist nicht nur eine gute Lösung für die Nutzfahrzeuge, wie sie der MAN-Vorstand seit langem vergeblich anstrebt", sagt der SMS-Vorstandsvorsitzende. Auch der Aufbau einer reinrassigen Maschinenbaugruppe unter dem Dach einer neuen MAN-Holding wäre für den einstigen BDI-Chef die Chance, die Probleme bei MAN in den Griff zu bekommen.</P><P>Doch die für diesen Herbst geplante Übernahme liegt vorerst auf Eis. Denn gegen die beabsichtigte Akquisition und Aufspaltung des traditionsreichen Münchener Unternehmens hat sich nicht nur der MAN-Vorstand quer gelegt. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende erhob Einwände und stellte sich hinter den Vorstand. Dabei hatte der SMS-Chef mit Geldgebern und Großaktionären (Allianz, Commerzbank) zuvor alles bis ins kleinste Detail geplant.</P><P>"Es ging auch darum, den Mitarbeitern eine Perspektive zu eröffnen", sagt Weiss. Verschnupft seien sie gewesen, die Großaktionäre, als sich Widerstand regte, und er fügt hinzu: "Es ist erstaunlich, dass der Aufsichtsratsvorsitzende als Vertreter der Anteilseigner in diesem Fall nicht die Interessen der Aktionäre vertritt, sondern sich hinter den Vorstand stellt".</P><P>Warum der Weltmarktführer im hüttentechnischen Anlagenbau überhaupt den Angriff auf den Münchener Konzern wagte, ist in der historisch engen Verbindung beider Unternehmen zu sehen. MAN hält seit vielen Jahren 50 Prozent am stimmberechtigten Kapital der Düsseldorfer SMS AG. Der übrige Anteil gehört über die Weiss KG der Familie des Vorstandschefs. MAN hat angekündigt, sich von ihrem SMS-Anteil über kurz oder lang zu trennen.</P><P>Ein Verkauf kommt für den MAN-Vorstand derzeit aber nicht in Frage. Der Preis für den Anteil ist wegen des gesunkenen Unternehmenswertes zu niedrig. Tatsächlich musste SMS im Anlagenbau infolge der Asienkrise in den vergangenen Jahren kräftig bluten. Weltweit brach der Markt um 40 Prozent ein. "In den vergangenen drei Jahren haben wir praktisch kein Geld verdient", räumt Weiss ein.</P><P>Da kommt ihm ein Ausbau der Maschinenbausparte gerade gelegen. Durch eine Übernahme der MAN entstünde ein Maschinenbau-Umsatz von mehr als 6 Milliarden Euro inklusive SMS. Der Düsseldorfer Konzern hatte 2002 mit Anlagen und Maschinen selbst gerade einmal 2,2 Milliarden Euro umgesetzt.</P><P>"Die Partnerschaft mit dem Lkw ergibt bei MAN keinerlei Synergien und belastet nur den Aktienkurs", begründet der SMS-Chef die industrielle Logik seines Übernahmeplans. Ohnehin steht für den Anlagenbauer eine Klärung der geschäftlichen Beziehungen zu MAN auf der Tagesordnung: "Irgendwann muss die Zusammenarbeit aufgelöst werden", sagt Weiss. Es sollen klare Verhältnisse geschaffen werden, bevor in seiner Familie die nachrückende Generation das Zepter übernimmt.</P><P>Die Lastwagensparte von MAN kann im harten internationalen Wettbewerb mit einer Jahresproduktion von rund 56 000 Nutzfahrzeugen (schwere, leichte Lkw, Busse) und 6,6 Milliarden Euro Umsatz (2002) langfristig kaum bestehen. Eine Kooperation sei bislang immer an der Frage gescheitert, dass MAN die unternehmerische Führung behalten wollte, meint Weiss. Ob die Dinge mit dem anstehenden Wechsel an der MAN-Spitze im kommenden Jahr anders werden, ist ungewiss. Weiss bleibt Realist: "Der Börsenkurs ist im Moment zu hoch. Eine Übernahme würde sich für uns zurzeit nicht rechnen".</P>

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