Vivento & Co.: Der Großparkplatz für Beamte ohne Beschäftigung

- Bonn - Die Telekom will weiter Personal abbauen. Auch nach 2005, so bestätigte sie, seien Rationalisierungen und Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen. Die Auffanggesellschaft "Vivento" wird reichlich Personal zur Verfügung haben, das dann beim Ausfüllen der Anträge fürs Arbeitslosengeld II helfen kann.

<P>Immerhin 10 000 Stellen jährlich werden im Zeitraum von 2001 bis 2005 abgebaut. Viele nehmen neue Stellen an oder verabschieden sich in den Ruhestand. Doch immerhin 19 000 Mitarbeiter sind derzeit bei Vivento. Arbeitslosigkeit droht den meisten nicht. Sie sind zum größten Teil entweder Beamte oder Angestellte, die nach langjähriger Beschäftigung praktisch unkündbar sind. Anders als bei privaten Auffang- oder Transfergesellschaften bleiben die Mitarbeiter bei Vivento - und werden, wenn es gut geht, ausgeliehen. Dabei hilft, dass sich Beamte nicht so leicht gegen eine Versetzung wehren können wie Angestellte. So kann auf dem Weg der Amtshilfe auch zwischen Behörden ausgeliehen werden - wie beim Arbeitslosengeld II.</P><P>Nicht nur die Telekom leistet sich eine derartige Auffanggesellschaft. Auch andere privatisierte frühere Bundesbehörden parken ihren ehemaligen Personalbestand. So gibt es unter dem Dach der Bahn die DB-Vermittlung GmbH. Diese versucht auch, bisherige Eisenbahner in den Arbeitsmarkt zu vermitteln. Allerdings geht das nur begrenzt. So versucht die Bahn-Tochter den meisten Beschäftigten den Weg zurück in den Konzern zu bahnen. Ist bei der Bahn eine neue Stelle zu besetzen, hat die DB-Vermittlung den Zugriff.</P><P>Immerhin mehr als 10 000 Eisenbahner bekamen auf diesem Weg die Rückfahrkarte in den Job. Aber mehr noch, über 11 000, sind "einvernehmlich" aus dem Unternehmen ausgeschieden.</P><P>Zeitarbeit wie bei Vivento ist nicht das Geschäft von DB-Vermittlung. Dafür gibt es unter dem Bahn-Dach die "DB-Zeitarbeit", die ehemalige Bahn-Mitarbeiter auch an externe Kunden verleiht.</P><P>Einen völlig anderen Rahmen haben dagegen die Auffanggesellschaften (oft auch Qualifizierungs- oder Transfergesellschaften genannt) in der Privatwirtschaft. Hier bekommen die Beschäftigten formal Kurzarbeitergeld, wenn sie in einer "betriebsorganisatorisch eigenständigen Einheit" zusammengefasst werden. Entweder ein Unternehmen, das wegen Insolvenz oder aus anderen Gründen Personal abbaut, gründet selbst so eine Gesellschaft, oder es beauftragt einen für diese Aufgabe spezialisierten Dienstleister.</P><P>Anders als die Gesellschaften von Telekom, Post und Bahn haben die privaten Transfergesellschaften eine recht kurze Verfallszeit. Denn nur für maximal zwölf Monate steuert das Arbeitsamt Kurzarbeitergeld bei. Was den Mitarbeitern über die 60 bis 66 Prozent vom Nettolohn hinaus gezahlt wird, kommt vom Arbeitgeber. Dieser muss aber auch die Räumlichkeiten für die Qualifizierungsgesellschaft stellen.</P><P>Immerhin besteht für die Mitarbeiter während dieser zwölf Monate die Möglichkeit, sich aus einem Beschäftigungsverhältnis und nicht aus der Arbeitslosigkeit um eine neue Stelle zu bemühen. Gleichzeitig werden sie von der Auffanggesellschaft dabei betreut und unterstützt. Und selbst wenn es mit einer neuen Stelle nicht klappt, bleibt den Betroffenen nach Auslaufen der Maßnahme der Anspruch auf Arbeitslosengeld erhalten.</P><P>Auch der Arbeitgeber hat Vorteile von der zu gründenden Gesellschaft. Er kommt um Kündigungsfristen herum und spart sich auch Prozesse vor dem Arbeitsgericht.</P>

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