Vodafone und die Abschreibung: Kalkül im Übernahme-Kampf?

- Düsseldorf - Die Abschreibungspläne von Vodafone und die möglichen Steuerausfälle in Milliardenhöhe scheinen das Düsseldorfer Landgericht kalt zu lassen. Der Mannesmann-Prozess geht nach knapp fünf Monaten dem Ende zu. Wenn keine weiteren Anträge mehr gestellt werden, könne die Beweisaufnahme sehr bald geschlossen werden, kündigte ein Sprecher des Gerichts an.

<P>Noch in der vergangenen Woche hatte eine neue Version der Ereignisse um die Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone für Wirbel gesorgt: Die Abwehrschlacht sei nichts gewesen als eine von Investmentbankern sorgfältig geplante und gut inszenierte Show.</P><P> Systematisch seien die Börsenkurse in abenteuerliche Höhen geschraubt worden. Und die Aktionäre machten Kasse: Allein der Hongkong-Chinese Li Ka Shing, der mit seinem Konzern Hutchison Whampoa der größte Mannesmann-Aktionär war, hat durch den Handel etwa sieben Milliarden Euro Spekulationsgewinn realisiert.<BR><BR>Abfällig werteten die Verteidiger im Mannesmann-Prozess diese Vermutung als Latrinengerücht und Verschwörungstheorie. Auch die Staatsanwaltschaft hat die Scheinkampf-These aus guten Gründen nicht aufgegriffen - ihr fehlen jegliche Beweise. Und die Strafkammer will sich erst recht nicht mit jenen spektakulären Äußerungen befassen, die ein Investmentbanker beiläufig auf einer Londoner Herrentoilette fallen gelassen haben soll.<BR><BR>Dabei geben die Steuerpläne von Vodafone solchen Spekulationen neue Nahrung: Kaum vorstellbar, dass die Beraterstäbe von Vodafone die steuerliche Komponente des Mega-Deals nicht ins Kalkül zogen, als sie die Übernahme planten: Je höher die Buchwerte, desto größer die Abschreibungsmöglichkeiten. Auch der nordrhein-westfälische CDU-Oppositionschef Jürgen Rüttgers kann sich inzwischen vorstellen, dass Steuervorteile eine wichtige Rolle bei der Übernahme spielten.<BR><BR>Wurde die teuerste Unternehmensübernahme der Welt per Aktientausch beglichen, kann sich der Kauf nun beim Finanzamt in barer Münze bezahlt machen: 20 Milliarden Euro Steuerersparnis stehen in Aussicht. Die monatelange Abwehrschlacht passt in ein weiteres Kalkül: Der Belegschaft von Mannesmann und den Gewerkschaftern im Aufsichtsrat des Konzerns konnte die Zerstückelung des Traditionsunternehmens nach heroischem Kampf weitaus besser vermittelt werden, als es bei einer raschen Einigung der Fall gewesen wäre.<BR><BR>Für die Angeklagten im Mannesmann-Prozess ist die Abschreibungs-Diskussion durchaus pikant. Hatten sie die Angemessenheit der umstrittenen Millionenprämien doch mit den enormen Wertzuwächsen begründet - die inzwischen deutlich nach unten korrigiert wurden.<BR><BR>Für die Wahrheitsfindung wird die Abschreibungs-Diskussion anscheinend keine Rolle mehr spielen. Die Staatsanwaltschaft konnte niemanden aufbieten, der eine Übernahme zu absichtlich überhöhten Preisen bezeugen wollte. Und für die Steuergesetze ist letztlich der Gesetzgeber selbst verantwortlich.<BR><BR>Trotz der bundesweiten Aufregung wird das Landgericht bald die Beweisaufnahme schließen und um die Plädoyers bitten - wenn nicht eine der Parteien doch noch ein Ass aus dem Ärmel zaubert. <BR></P>

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