Vodafone: Abschreibung von Milliarden "normaler Vorgang"

- Berlin/Düsseldorf - Nach dem Antrag des Mobilfunkkonzerns Vodafone auf steuerliche Abschreibung von 50 Milliarden Euro wegen der Mannesmann-Übernahme haben sich Politik und Behörden um Schadensbegrenzung bemüht. Das nordrhein-westfälische Finanzministerium verwies auf die laufende Prüfung. Vodafone selbst sprach von "einem ganz normalen Vorgang im Steuerrecht" und bestätigte die bevorstehende Betriebsprüfung.

<P>Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Jörg Müller, wies Forderungen nach Gesetzesänderungen zurück. Er erklärte, dass nach der gesetzlichen Neuregelung ab 2004 solche Verluste nur noch bis 60 Prozent des aktuellen Gewinns geltend gemacht werden können. Bei Vodafone geht es allerdings um 2001. Die Düsseldorfer Finanzbehörden müssten prüfen, ob die Wertminderung "nachhaltig" sei. Nur dann sei eine Teilwertabschreibung zulässig - dann aber zwingend.<BR><BR>Vodafone macht geltend, dass der Kurs der Mannesmann-Aktie nach dem Kauf durch das Platzen der "New-Economy"-Blase so stark sank, dass Milliarden-Verluste entstanden seien. Sollte die Nachhaltigkeit der Verluste nachgewiesen werden, muss nach Angaben aus Regierungskreisen geprüft werden, ob der im Zuge des Erwerbs gezahlte Kaufpreis nicht zu hoch war, also den Marktpreis überstieg.<BR><BR>Vodafone-Sprecher Jens Kürten erklärte, das Unternehmen habe den Wert der von Vodafone Deutschland gehaltenen Mannesmann-Aktien turnusmäßig überprüft und den festgestellten Wertverlust wie gesetzlich vorgeschrieben in der Bilanz berücksichtigt. In der Anfang 2002 eingereichten Steuererklärung für 2001 sei eine Teilwertabschreibung beantragt. Der endgültige Steuerbescheid sei nach der nächsten Betriebsprüfung zu erwarten, die für die nächsten Monate angekündigt sei.<BR><BR>Der Sprecher des nordrhein-westfälischen Ministeriums, Hartmut Müller-Gerbes, erklärte, wegen des Steuergeheimnisses dürften Einzelheiten nicht kommentiert werden. Wann die Prüfung im Fall Vodafone abgeschlossen sei, könne "im Augenblick überhaupt nicht abgeschätzt werden". Müller sagte, man gehe davon aus, dass es keine zusätzlichen Steuerausfälle gebe. Die SPD reagierte empört auf die Pläne. Generalsekretär Benneter wies der Union eine Mitschuld daran zu, dass die Mindestgewinnbesteuerung nicht rechtzeitig eingeführt worden sei. Die Neuregelung sei wegen des Widerstandes der CDU/CSU erst 2004 in Kraft getreten.</P>

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