Vodafone bittet deutsche Steuerzahler zur Kasse

- Düsseldorf - Die Düsseldorfer Vodafone GmbH will für die umstrittene Übernahme von Mannesmann bis zu 50 Milliarden Euro steuerlich abschreiben. Diese Teilwertabschreibung in einer für die deutsche Wirtschaftsgeschichte einmaligen Größenordnung könnte für den Mobilfunkkonzern eine Steuerersparnis von bis zu 25 Milliarden Euro und eine jahrelange Steuerbefreiung bedeuten. Politiker reagierten mit Entrüstung und forderten, den "Beutezug" Vodafones zu verhindern.

<P>Das Finanzministerium in Berlin sprach von einem "befremdlichen Vorgang" und kündigte eine eingehende juristische Prüfung an. Der "Tagesspiegel" und der "General-Anzeiger" berichteten unter Berufung auf Aufsichtsratskreise von Vodafone, dass bei den Finanzbehörden in Düsseldorf Abschreibungen in Höhe von 50 Milliarden Euro geltend gemacht wurden. Das nordrheinwestfälische Finanzministeriums wollte den Vorgang weder bestätigen noch dementieren. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte dazu: "Die ganze Sache hat ganz klar einen sehr faden Beigeschmack." Es könne nicht sein, dass "am Ende der deutsche Steuerzahler dieses Geschäft bezahlen soll - inklusive der Tantiemen und Abfindungen für die beteiligten Manager."<BR><BR>Das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone hatte Mannesmann zum Jahreswechsel 1999/2000 nach einer dramatischen Übernahmeschlacht für knapp 200 Milliarden Euro übernommen. Damals wurden den Mannesmann-Aktionären Vodafone-Aktien im Gegenwert von 353 Euro angeboten. Das auf diese Weise erworbene Aktienpaket wurde von einer Luxemburger Vodafone-Tochter Ende 2000 für insgesamt 146,93 Milliarden Euro an die deutsche Vodafone GmbH verkauft, was einem Kurs von 309 entspricht. Ein Jahr später hatte die deutsche Vodafone-Gesellschaft diesen Kurs als völlig überhöht bezeichnet und ihn auf rund 200 Euro abgeschrieben, was einem Buchverlust von annähernd 50 Milliarden Euro entspricht. Diesen Verlust versuche Vodafone jetzt im Rahmen von Teilwertabschreibungen gegen seither angefallene Gewinne zu stellen.</P><P>Politiker aller Parteien reagierten mit Empörung. Der CDU-Haushaltsexperte Dietrich Austermann sagte, der "beabsichtigte steuerliche Beutezug" müsse verhindert werden, notfalls durch eine rückwirkende Änderung des Steuerrechts. "Der Vorgang ist eine Schweinerei", sagte SPD-Fraktionsvize Michael Müller dem "Tagesspiegel am Sonntag". Sein Fraktionskollege Rainer Wend sagte der "Bild am Sonntag", dies sei ein "unglaublicher Skandal". Die Grünen forderten ein zügiges und scharfes Vorgehen der Finanzbehörden. "Es kann nicht angehen, dass Fantasiekurse für Aktienpakete durch Abschreibungen zu solchen gigantischen Steuerausfällen führen", sagte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Scheel.</P>

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