+
"Für mich ist es an der Zeit, mich Neuem zuzuwenden." Vodafone-Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum geht. Foto: Swen Pförtner

Vodafone-Chef Schulte-Bockum verlässt überraschend den Konzern

Vodafone-Chef Schulte-Bockum kehrt dem Telekommunikationskonzern nach nur gut zweieinhalb Jahren im Chefsessel den Rücken. Dabei läuft das Mobilfunkgeschäft noch längst nicht rund.

Düsseldorf (dpa) - Überraschender Abgang: Der Chef von Vodafone Deutschland, Jens Schulte-Bockum, kehrt dem den Telekommunikationskonzern nach nur gut zweieinhalb Jahren an der Konzernspitze den Rücken.

Schulte-Bockum kündigte an, er werde den Chefsessel bei dem nach Kundenzahl drittgrößten, deutschen Mobilfunkanbieter noch in diesem Geschäftsjahr räumen. Zuvor hatten die "Rheinische Post" und die "Wirtschaftswoche" über den Schritt berichtet.

Der Rücktritt fällt in eine Zeit, in der der Telekommunikationskonzern noch dabei ist, nach einer schwierigen Wegstrecke wieder Tritt zu fassen. Während die Konkurrenten Deutsche Telekom und O2/Telefonica zuletzt bei den Mobilfunkdienstleistungen teils komfortable Umsatzanstiege melden konnten, kämpft Vodafone Deutschland in diesem Bereich nach wie vor mit Umsatzrückgängen.

Besser läuft es dagegen bei der zugekauften Tochter Kabel Deutschland, die mit schnellen Internetbreitband-Angeboten viele Kunden gewinnt.

Schulte-Bockum sagte, ausschlaggebend für seine Rücktrittsentscheidung seien persönliche Gründe gewesen: "Für mich ist es an der Zeit, mich Neuem zuzuwenden." Einen Nachfolger gebe es noch nicht.

Er übergebe das Unternehmen aber in "ausgesprochen guter Verfassung". Der Aufwärtstrend sei intakt und der Anspruch des Unternehmens sei es, in diesem Jahr auch im Mobilfunk wieder zu wachsen. Die Mitarbeiter müssten dem bevorstehenden Führungswechsel nicht mit Sorgen entgegenblicken. "Ich kann mir im Moment kein Szenario vorstellen, wo große Restrukturierungswellen über das Unternehmen hereinbrechen", sagte er.

Die "Rheinische Post" berichtete, Hintergrund der Entscheidung sei, dass das Unternehmen bei seinem Aufholrennen gegenüber der Deutschen Telekom weniger schnell vorangekommen sei, als dies der Mutterkonzern in London gehofft habe. Schulte-Bockum selbst räumte ein, dass der nach wie vor schwächelnde Mobilfunkbereich besonders im Fokus der internationalen Betrachtung liege.

Dass der Konzern sich nun erst einmal auf die Suche nach einem Nachfolger machen muss, ließ sich nach Einschätzung von Schulte-Bockum kaum vermeiden. "Es ist eine Entscheidung, die bei einem selber reift, die man aber nicht diskutiert", sagte er. Doch bemühe er sich, die Folgen abzumildern, indem er Vodafone auch in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin zur Verfügung stehe. "Das Unternehmen wird nicht führerlos."

Vodafone-Mitteilung zu Schulte-Bockum

Vodafone-Mitteilung zum Geschäftsjahr 2014/2015

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Apple holt nach Steuerreform Milliarden-Geldberg in die USA
Jahrelang warteten Apple und andere US-Unternehmen auf eine Steuerreform, um ihre Auslandsgewinne nach Hause zu bringen. Jetzt ist es soweit - und der iPhone-Konzern …
Apple holt nach Steuerreform Milliarden-Geldberg in die USA
Tierwohl-Kennzeichnungen für Fleisch sollen ausgebaut werden
Zum großen Jahresauftakt der Ernährungsbranche in Berlin dreht sich vieles um eine schonendere Landwirtschaft. Bei Kennzeichnungen für Verbraucher soll es voran gehen. …
Tierwohl-Kennzeichnungen für Fleisch sollen ausgebaut werden
Berlin und Paris wollen Digitalwährung Bitcoin kontrollieren
In Deutschland läuft noch die Regierungsbildung. Doch Berlin und Paris arbeiten im Finanzbereich schon an neuen Vorschlägen. Davon sollen auch die Bürger etwas haben.
Berlin und Paris wollen Digitalwährung Bitcoin kontrollieren
Dax legt zu - Rekorde für MDax und SDax
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Donnerstag mit Kursgewinnen dem weiter hohen Eurokurs sowie der schwächelnden Wall Street getrotzt. Die deutschen …
Dax legt zu - Rekorde für MDax und SDax

Kommentare