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Symbolbild

Verkauft Anteil von Verizon Wireless

Vodafone: 130-Milliarden-Deal

Newbury - Kaum eine Woche vergeht im Mobilfunk-Geschäft derzeit ohne die Ankündigung ambitionierter Pläne. Nun steht ein rekordverdächtiger Deal in Milliardenhöhe an.

Auf dem Mobilfunk-Markt werden die Karten neu gemischt: Vodafone verabschiedet sich aus dem US-Geschäft und lässt sich das mit einem Geldsegen von 130 Milliarden Dollar (knapp 100 Mrd Euro) versüßen. Der spektakuläre Verkauf der Beteiligung am größten US-Mobilfunkmarktführer Verizon Wireless ist aber nur ein Glied in einer langen Kette. Denn auf dem Mobilfunk-Markt ist auf beiden Seiten des Atlantiks derzeit mächtig Bewegung - auch in Deutschland.

Hierzulande kauft O2 den Konkurrenten E-Plus. Vodafone versucht gerade, den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland zu schlucken. Den Milliardensegen aus Amerika kann Vodafone dazu nutzen, das schleppende Europa-Geschäft aufzupeppen und auch in anderen Ländern Kabelanbieter zu übernehmen.

Die Briten gehen mit dem Abschied aus dem hochprofitablen US-Geschäft ein großes Risiko ein. Statt steter Milliarden-Dividenden gibt es den Erlös aus dem Verkauf von Verizon Wireless nur einmal. Und das Europa-Geschäft ist alles andere als ein Wachstumsmarkt. Im Unterschied zu den USA haben die meisten europäischen Länder eine schrumpfende, alternde Bevölkerung. Der milliardenschwere Verkauf versetzt Vodafone aber in eine einzigartige Lage unter den hochverschuldeten Telekomkonzernen Europas. Die Briten können nun im großen Stil investieren.

Die Serie von Übernahmen hat einen Grund: Die goldenen Zeiten, in denen jeder viel Geld verdienen konnte und der Markt ständig wuchs, sind vorüber. Die Märkte sind gesättigt und die Umsätze schrumpfen. Anbieter suchen ihr Wohl nun in Zusammengängen, um die Kosten zu drücken.

In Deutschland wird der Markt geradezu umgewirbelt. Die Nummern drei und vier im Markt, O2 und E-Plus, stehen vor dem Schulterschluss. Sie wollen ihre Netze zusammenlegen und aus zwei kleinen Spielern neben T-Mobile und Vodafone einen dritten großen schmieden.

Für Verbraucher hat das Vor- und Nachteile. Die gute Nachricht ist, dass in einem solchen Fall drei Anbieter über das Geld verfügen, die Netze stark auszubauen und fit zu machen für die stetig steigende mobile Internet-Nutzung. Kehrseite ist aller Voraussicht nach, dass drei Anbieter beim bisher knallharten Preiswettbewerb einen Gang runterschalten dürften.

Die größten Shitstorms

Die größten Shitstorms

Die zweite Milliardenübernahme kündigte Vodafone an: Für den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland müssen die Briten viel Geld hinblättern, denn sie bewerten Kabel Deutschland einschließlich der Schulden mit 10,7 Milliarden Euro. Mit der Idee, Mobilfunk- und Kabelnetze unter einem Dach zusammenzuführen, folgt Vodafone der Vorgabe von Unternehmenschef Vittorio Colao, Kunden vermehrt Komplettpakete aus Telefon, Internet und Fernsehen anzubieten.

Den Anfang machten die Briten zuhause und kauften das Netz von Cable & Wireless. Nun wagen sie den großen Wurf in Deutschland. Beide Deals haben eines gemein: Sie wollen Einheiten schaffen, die es mit der Deutschen Telekom aufnehmen können.

Gerade mit der Verbindung von Kabelnetz und Mobilfunk schafft Vodafone allerdings etwas Neues, und der Telekom Ebenbürtiges. Bitter für die Deutsche Telekom ist: Das Kabelnetz hatte sie selbst gebaut, musste es aber im Zuge der Privatisierung verkaufen. Die Telekom kontert bereits mit Anschlüssen, die ähnlich schnell sein sollen wie das Kabel. Der glückliche Profiteur der technischen Aufrüstung auf allen Seiten dürfte der Verbraucher sein. Er kann immer schneller surfen, ob daheim oder mit dem Handy.

dpa

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