Völkl droht: 20 Prozent Verzicht oder Skier werden in China gebaut

- Straubing - Der Winter kommt unvermeidlich. Die letzten Reste der Skiproduktion könnten dagegen demnächst Deutschland verlassen. Völkl plant laut Betriebsrat eine Verlagerung der ganzen Produktion mit 450 Stellen nach China. Durch eine Verlagerung von 450 Stellen bei der Straubinger Traditionsfirma Völkl nach China droht das Aus für die Skiproduktion in Deutschland, fürchten Betriebsrat und IG-Metall. Seit der US-Skifabrikant K2 im Juni 2004 Völkl übernommen hat, würden Stellen gestrichen.

<P>Nach dem Wegfall von 80 Arbeitsplätzen im Oktober auf derzeit noch 530 Mitarbeiter werde demnächst die Produktion von Snowboards nach China verlegt, was weitere knapp 70 Stellen koste. 150 Arbeitsplätze sollen im Frühjahr folgen. Das habe das Management für den Fall angedroht, dass die Belegschaft nicht einem 20-prozentigen Lohnverzicht zustimmt, sagten Betriebsratschef Ernst Schiller und IG Metall-Bezirkssekretär Johann Schredl.<BR>Völkl bestreitet dagegen, dass eine Verlagerung beschlossene Sache ist. Wenn das Personal nicht zu Opfern bereit sei, wäre das aber die Konsequenz, meinte Völkl-Manager Helmut Jacoby. Ohne Kostensenkung drohten rote Zahlen. Schon im wenige Kilometer entfernten Österreich könnten Skier um gut ein Viertel billiger produziert werden.<BR><BR>Das bezweifeln Betriebsrat und IG Metall. Nachfragen bei der dortigen Skifirma Fischer hätten ergeben, dass der Lohnunterschied gerade fünf Prozent beträgt. Indessen schaffe das Management Tatsachen. Eine von zwei Ski-Produktionsanlagen sei nach China verschifft worden, wo der US-Eigner K2 ein Werk betreibt.<BR><BR>Wenn die Qualität dort stimme, werde mittelfristig wohl auch der Rest der Produktion verlagert und nur noch Entwicklung, Vertrieb und Service mit 50 bis 100 Arbeitsplätzen in Deutschland bleiben. Insgesamt droht damit eine Verlagerung von rund 450 Stellen.<BR><BR>Damit würde zugleich die Skiproduktion hierzulande enden, weil die 1880 als Kutschenhersteller gegründete Firma Völkl die letzte Marke mit einem heimischen Werk ist. Um das zu verhindern, habe die Belegschaft fünfprozentigen Lohnverzicht angeboten, obwohl sie bereits seit zwölf Jahren große Opfer bringe, sagen Schiller und Schredl. Das Völkl-Personal arbeite pro Woche 38 statt 35 Stunden und verdiene dabei gut ein Zehntel weniger als im Branchenschnitt. Jahrelang seien Lohnerhöhungen ausgesetzt worden. Die Verhandlungen ruhen, seit Völkl das Angebot, auf fünf Prozent des Lohns zu verzichten, abgelehnt habe.<BR><BR>Völkl habe die letzten Jahre stets schwarze Zahlen geschrieben. Binnen sieben Jahren sei die Ski-Produktion von 290 000 Paar auf 450 000 Paar und 60 000 Snowboards gesteigert worden. "Das Haus hat volle Auftragsbücher", betont Schiller. Mit China, wo umgerechnet 50 Cent je Stunde bezahlt würden und teils fragwürdige Arbeitsbedingungen herrschten, könne Straubing aber nie konkurrieren. "Wir leben ohnehin schon am unteren Rand", beschreibt der Niederbayer die eigene Einkommenslage. Man sei bereit für einen weiteren Sanierungstarifvertrag. Mit diesem Instrument operiere Völkl seit Jahren. Die Belegschaft glaube aber, dass die Würfel für eine völlige Produktionsverlagerung nach China schon gefallen seien. "Unsere einzige Hoffnung ist, dass die Kunden Völkl-Ski aus China nicht akzeptieren", sagt Schiller und klingt nicht optimistisch.</P>

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