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Wegen Niedrig-Zinsen und Onlinebanking droht Bayerns Genossenschaftsbanken ein spürbarer Jobabbau.

Wegen Niedrig-Zinsen und Onlinebanking

Volks- und Raiffeisenbanken bauen Stellen ab

München - Nachdem Bayerns Genossenschaftsbanken jahrelang neue Mitarbeiter eingestellt haben, droht dort künftig ein spürbarer Jobabbau. Schuld sind Niedrigzinsen und Online-Banking.

Es war ein Menetekel für die Finanzbranche: die Lehman-Pleite 2008 und der anschließende Finanzcrash. In dessen Windschatten verloren Banken Milliardensummen und entließen massenhaft Personal. HVB, Deutsche Bank, Commerzbank – eine Negativmeldung jagte dort in den vergangenen Jahren die andere. Nicht so bei Bayerns Volks- und Raiffeisenbanken. Verunsicherte Kunden wechselten – abgeschreckt vom weltweiten Finanzcasino – in den Folgejahren scharenweise zu den zuvor noch als zu altbacken gescholtenen Instituten.

Dies führte dazu, dass dort trotz des generellen Trends zu Automatisierung, Internetbanking und dem damit einhergehenden Filialabbau sogar neue Stellen entstanden. Wie eine Anfrage unserer Zeitung beim Genossenschaftsverband Bayern ergab, stieg die Zahl der Mitarbeiter der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken von Dezember 2010 bis Dezember 2013 von 34 970 auf 35 735.

Besonders deutlich war der Stellenaufbau bei den Geldhäusern in der Landeshauptstadt: So wuchs die Zahl der Beschäftigten bei der Sparda Bank München nach eigenen Angaben von 666 im Jahr 2010 um zwölf Prozent auf 745 im vergangenen Jahr. Und die Münchner Bank beschäftigte Ende 2013 bereits 644 Beschäftigte, elf Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Zum Vergleich: Bei der Commerzbank gingen in Deutschland allein von Jahresende 2009 bis März 2014 über 6400 Stellen verloren. Ein Job-Minus von gut 14 Prozent in gerade einmal etwas mehr als drei Jahren. Auch die Deutsche Bank strich bundesweit zwischen 2010 und 2014 fast 4000 Jobs. Die meisten anderen Geldhäuser bauten hierzulande ebenfalls spürbar Stellen ab.

Doch glaubt man der Gewerkschaft Verdi sind die Zeiten, in denen sich das Personal der bayerischen Genossenschaftsbanken keine allzu großen Sorgen um ihre Jobs machen musste, vorbei. „Der Druck auf die Mitarbeiter hat auch dort deutlich zugenommen. Viele Volks- und Raiffeisenbanken haben zuletzt Stellen abgebaut“, sagt Kevin Voss, Experte für Finanzdienstleistungen bei Verdi Bayern. Dem Genossenschaftsverband zufolge sank die Zahl der Beschäftigten in den 281 bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr zwar nur leicht um fast 400 auf 35 359. Doch Gewerkschafter Voss ist sich sicher, dass die Negativ-Entwicklung in diesem Jahr an Fahrt gewonnen hat. Vor allem der Back-Office-Bereich sei von den Stellenstreichungen betroffen.

Auch aus der Chefetage der Münchner Bank hieß es Ende April bei der Vorstellung der Bilanz des Geldhauses, Stellen würden in den kommenden Jahren – so weit absehbar – nicht in den Filialen, sondern der Zentrale abgebaut. „Die Filialen sind uns so lange heilig, wie sie auch den Kunden heilig sind“, sagte damals Vorstandsmitglied Sandra Binder.

Im Jahr 2014 verringerte das Institut die Zahl der Beschäftigten um zwölf auf 632. Die Bank will in den kommenden Jahren die natürliche Fluktuation von jährlich drei bis fünf Prozent so weit wie möglich ausnutzen. So soll die Zahl der Beschäftigten ohne betriebsbedingte Kündigungen spürbar verringert werden. Ob dies gelingt, muss sich zeigen.

Auch eine Sprecherin der Sparda Bank München sagt auf Anfrage, man gehe langfristig von einem leichten Rückgang der Mitarbeiterzahl aus. Beiden Instituten macht ebenso wie fast allen anderen Geldhäusern die anhaltende Niedrigzinsphase zu schaffen.

Zudem sorgt der Trend zum Online-Banking laut Branchenkennern schon heute bei einer Vielzahl von Genossenschaftsbanken für den Verlust von Jobs. Deutlicher als in München dürfte der Stellenabbau Finanzkreisen zufolge in ländlichen Instituten ausfallen. Ein Sprecher des Genossenschaftsverbands weist allerdings darauf hin, dass es keine seriösen Prognosen gebe, wie sich die Mitarbeiterzahl in den bayerischen Instituten entwickeln werde.

Tobias Lill

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